Donnerstag, 14. Oktober 2010

Gamlitz 2010 oder Die Suche nach dem perfekten Gelb

Diesmal ein Reisebericht von wunderschönen Tagen in der Südsteiermark:

Donnerstag, 24. Juni 2010 – Ankunft
Es konnte nur gut anfangen. Ich fuhr von Wien Meidling (Der Südbahnhof war einmal.) nach Graz und werde von Thomas und Henry am überfüllten Bahnsteig abgeholt. Nachdem wir das Auto in der Parkgarage vom Kunsthaus abgestellt haben und feststellten, dass für Mittagessen noch ein wenig zu früh ist (es war kurz vor 11 Uhr), beschlossen wir, bei schönem Wetter die Schlossbergstiege Richtung Uhrturm raufzugehen. 
Nur so kann man sich ein Mittagessen (Schnitzel im Kürbiskernmantel mit Erdäpfelsalat) und mehrere gute Biere im Glöckl-Bräu verdienen! Am Franziskanerplatz beim „süßen Eck“ noch etwas Zotter-Schokolade und Grazer Schlossbergkugeln kaufen und schon ging’s bei der Puntigamer Brauerei (wem das Bier schmeckt und der „Brenner“ von Wolf Haas ein Begriff ist, dann richtig … „lustig samma!“) vorbei nach Gamlitz. Einkehr beim Weingut Steiner am Labitschberg und das Trinken begann …
Blick vom Weingut Steiner auf den Labitschberg
typisch steirische Jause beim Weingut Steiner

Freitag, 25. Juni 2010 – Vital-Wanderweg und erstes Konzert
Um mein Alkoholgehalt vom Vortag abzubauen, gab es nichts Besseres als ein ordentlicher Spaziergang durch die wunderschönen Weingärten der Südsteiermark. Hier auf dem „Vital-Wanderweg“ lässt sich die „Oder“-Überschrift erklären: Thomas ist unter die Häuslbauer gegangen und wünscht sich als Außenfarbe für sein Haus ein gewisses Gelb. Ein nicht allzu helles, fröhliches Gelb. Eher ein stimmiges Gelb. Und diese Gelbs, manche zu hell, manche zu dunkel, eines absolut ideal … all diese Gelbs an den Häusern lachten uns also bei unserem Rundgang an. 



Am Ende unseres knapp dreistündigen Fußmarsches besuchten wir „Erika’s Buschenschank“ und ließen uns mit regionalen Köstlichkeiten schmecken (immer wieder: Käferbohnen, Kürbiskernöl, Ziegenkäse). Bis zum frühen Abend blieb es angenehm warm und sonnig. Ja, bis zum frühen Abend, als wir uns auf den Weg zum Weingut Pongratz machten und einen Tisch für uns fanden und noch ca. eine Stunde bis zum Beginn des Konzerts warteten. Unheilvolle Regenwolken machten sich bemerkbar und wie der „Zufall“ es wollte, begannen Willi Resetarits, die Stubnblues und die String Fizz kurz nach 20 Uhr mit „Regn“. Und es fing tatsächlich zum Regnen, zum Schütten an. So schaut’s aus…

Gespielt wurden mehr als 16 Liada und 3 Gedichta fia d Moni, alle Darbietungen im wunderschönen, trotz verregneten Rahmen.

Samstag, 26. Juni 2010 – Fußballspiel und zweites Konzert
Den Vormittag nutzten wir für Einkäufe und Stippvisite im wunderschönen Ort Gamlitz. Schnell wurde es Mittag und bald fand das Benefiz-Fußballspiel der FC Stubnblues gegen die FC Weinbauern statt. Mit etwas eigenwilligen Regeln (so oft und spielermäßig unbegrenzt auswechseln, wie man will; Tisch mit Getränken blieb in der Mitte des Spielfeldes; es wurde nicht gefoult; Spieler, die einfach mit Begeisterung dabei waren) gewannen diesmal FC Weinbauern, angeführt von Markus Pongratz, 4:1. 

Zum Glück kam der Regen etwas früh, hat ein paar Tropfen auf dem Sportplatz verteilt und am Abend blieb es trocken. Das Programm wiederholte sich wie am Freitag, als Gast trat Peter Resetarits auf und wir wurden beim zweiten Konzert auch nicht enttäuscht. Das Weingut Pongratz bietet einen idealen Rahmen für die Stubnblues-Konzerte, die Stimmung passt einfach und selbst wenn überwiegend Salzburger auf der Bühne stehen, ist das südsteirische Weinland ein passender Ort für diese Konzerte. So wie am Freitag waren für mich „Spat und später“ (Klaus, keep on singin‘!), „Zum letzt’n Mal“, „Ohne di“ (Stefan, Du kannst es viel besser!) und „Alanech fia dii“ (Wie schön der Willi die Gedichte von H. C. Artmann vertonen kann … „alanech fia dii“ ist das Obershäubchen!) die Höhepunkte der Konzerte. String Fizz begleiten die Musik der Stubnblues sehr harmonisch mit ihren Streichern, schade, dass sie nicht bei jedem Konzert dabei sein können.
Kurzer Fußweg vom Weingut Steiner (im Hintergrund) zum Weingut Pongratz.


 zwoa kentad e daun ned fon fleg
und schdingad nua schdüü wisawii
owa r a jez bukee wos auf mia waa
waa r umsunzt
und alanech fia dii...
aus: H. C. Artmann "med ana schwoazzn dintn"

So verging viel zu schnell ein wunderschönes Wochenende, es hat sich auf jeden Fall gelohnt, dem Donauinselfest in Wien zu entfliehen. Ich habe vorher und nachher ein paar Stubnblues-Konzerte besucht, aber keines war so schön wie in Gamlitz. (Die Konzerte im Theater am Spittelberg sind auch klass', aber es ist einfach eine andere Stimmung...)

Motivationshilfe zum Schreiben, Bilder aussuchen, bearbeiten und Verfeinern: „The Road To Escondido“ von JJ Cale und Eric Clapton.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen