Sonntag, 20. Februar 2011

Die vierzehn Bilder an der Wand und wie ich sie sehe


Bis Mai 2010 durfte ich von Herrn Gert Steinbäcker (ja, das erste "S" von STS) drei Studioalben und ein Best-of-Album in meiner CD-Sammlung aufzählen.
Gleich vorneweg ... egal, wie gut oder schlecht ich die vierzehn Bilder an der Wand bewerte, an sein erstes Solo-Album "Einmal im Leb'n" kommt es nicht heran. Das taten die Nachfolgeralben "Steinbäcker" und "Stationen" auch nicht mehr. Obwohl eine CD-R von "Steinbäcker" im Sommer 2005 Hochsaison in meinem Autoradio hatte (nachdem wieder eine STS-Tournee zu Ende gegangen ist).
Ein Best-of-Album von Steinbäcker zu besitzen, ist eigentlich auch überflüssig - aber was soll man machen, wenn Lied Nr. 18 NUR auf diesem und auf keinem anderen Album gibt und dieses Lied auch noch wunderschön ist? 


Dank netten und lieben Menschen durfte ich die CD-Präsentation von "Bilder an der Wand" in Kruger's Bar in 1010 Wien besuchen und konnte mir einen groben Eindruck verschaffen, wie die "Bilder" auf seinem neuen Album "aussehen". Zwei Tage später kaufte ich mir dann die CD und hörte, hörte, hörte bzw. höre immer noch:

Der Opener „San Francisco“ wirkte anfangs auf mich etwas sperrig – ich kann mich mit diesem Ort nicht identifizieren, obwohl ich vor wenigen Wochen „Flug der Pelikane“ von Benjamin Lebert (Erinnert sich wer an seinen genialen Debütroman „Crazy“?) gelesen habe und in dem Buch geht es auch um das berüchtigte Gefängnis Alcatraz. Aber mit jedem Anspielen der CD erscheint mir das Lied immer mehr vertrauter, sicher weil ich dann weiß, dass dann schöne, berührende, nachdenkliche Lieder auf mich warten.

„A langer Weg“ durfte ich schon bei der Präsentation mit Tini Kainrath hören, das Duett klingt für mich passabel, aber der Funke fehlt noch.

„Die Zeit“ … warum schon wieder dieser Titel? Auf „Einmal im Leb’n“ gibt es auch ein Lied mit dem Titel „Die Zeit“. Stiftet Verwirrung, auch wenn diesmal Timischl und Schiffkowitz das Lied komponiert und getextet haben. Ein ehrlicher, fast wehmütiger Blick nach zurück, bei mir dieses vertraute „so schnell kannst du goar ned schaun“ – das höre ich oft in anderen Liedern, die Steinbäcker singt.

„Alles Theater“ kennen wir alle schon aus „Er selbst“, sprich, ist schon ein uraltes Lied, aber die Fassung von Steinbäcker gefällt mir auch gut. Kommt nicht wirklich an die schiffkowitziöse heran, aber passt schon, dass es den Weg zu einem Album gefunden hat.

Dann wird’s endlich spannend, jetzt kommt mein liebstes Lied auf dem Album, mein allerliebstes Bild – auch wenn es teilweise düster, traurig aussieht, ich glaub nicht, dass da sehr viele helle, fröhliche Farben auf diesem Bild hinterlassen worden sind – „Hat ned sein soll’n“. Endlich tun sich Birgit Denk und irgendeine Buchstabe von STS zusammen - ich dachte immer, es wird eher eine Aufnahme mit Birgit und Schiffi geben, nein, es geht auch mit Steinbäcker und dann so ein wunderschönes Lied, ein richtiger Ohrwurm, das mich seit Tagen „verfolgt“.

Wieder ein bekanntes Bild (schon im September 2008 im Rahmen der CD-Präsentation von Ewald Pflegers "Skyland" gehört) – „Nur du allein“ – ist nach wie vor ein nettes Liebesliedchen, das Gitarrenspiel von Ewald Pfleger ist trotz meiner Opus-Phobie lobenswert.

„Regentag“ … der textlich gesungene Refrain hat mich anfangs kurz an „Munition“ erinnert. Es wird jeder so seine Regentage gehabt haben bzw. haben. Verstärkt wird es dadurch, dass die Melodie vom freiwillig dahingeschiedenen Wolfram Abt stammt – besser kann Steinbäcker das Lied textlich und gesanglich nicht umsetzen.

„Jedes Land hat seine Lieder“ ist, hm, nun, der Auftritt von Irene F. mit Steinbäcker hat mir gefallen, aber das Lied an und für sich reißt mich nicht vom Hocker.

Ein Duett mit einem Austropop-Urgestein Wolfgang Ambros regt zum Nachdenken an, außerdem sagt der Text alles.

„Alte Freunde“ ist ein Resümee, eine Fortsetzung von  Timischls „Dagegen“ und Steinbäckers „Dankschön“ aus dem bisher letzten Studioalbum von STS "Neuer Morgen" (2007).

„Brauner Sumpf“ ist ein „Cool und fesch“ in der 2010er Version. Der Text sagt schon alles. Momentaner Gefühlszustand. So wie es hier und jetzt ist. Habe daran nichts auszusetzen, außer dass ich das Gefühl nicht loswerde, dass das Thema bei Steinbäcker fast zur Zwangserscheinung mutiert. Sicher, man kann das Thema nicht oft genug ansprechen ... aber wenn's textlich nicht mehr so gut hinhaut wie "I mag des Land", dann ... naja.

„Einfach nur still“ ist einfach zum Hinhorchen, zum Nachdenken, was nachher kommen könnte. Ein kryptisches, geheimnisvolles Bild – untermalt mit einem tollen Text.

Das vorletzte Bild vom roten Mond gehört zu meinen Lieblingsliedern, die Melodie und der Refrain gehen einfach ins Ohr. Die Zwiesprache mit dem anderen Planeten, der für uns oft sichtbar und doch weit, weit weg ist.

Das letzte Bild gehört auch zum Kreis meiner Lieblingslieder, erinnert mich etwas an „Tausendmal“ („jeder, mit dem i zu tun ghabt hab, bleibt in mein Kopf drin bis ins Grab, selbst wannst ihn loswerden willst, dann geht des net“). Hier beweist Steinbäcker wieder sein Können, dass ich zu seinen Liedern oft einfach nur den Kopf heftig nicken muss, so quasi „er hot mal wieder Recht“. Das Schlusslied ist sehr bilderreich, heißt auch nicht umsonst „Bilder an der Wand“.

Mit "Bilder an der Wand" hat Steinbäcker ein gutes, solides Album mit sehr vielen Gastmusikern herausgebracht. Ich bin gespannt, ob das eine oder andere Lied einen Platz in der Setliste der kommenden Abschiedstournee von STS finden wird. Des weiteren bin ich wirklich gespannt darauf, ob Steinbäcker in der Zeit nach STS wirklich eine Clubtournee machen wird - ich wünsch mir "Einmal im Leb'n" und "Kein Traum mehr" in der Setliste, und Birgit Denk als Spezialgast bei "Hat ned sein soll'n".

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