Freitag, 20. Januar 2012

STS # 1

Hinter mir spielt „Du sollst leben“, ich singe laut und inbrünstig den Refrain mit, beim Gesangsteil vom Steinbäcker flüstere ich mit…

Nachdem ich „Neuer Morgen“ wieder in meinen CD-Spieler gegeben habe, regt sich in mir wieder der Wunsch, über meine STS-Konzerte und speziell über die Abschiedstournee zu schreiben. Bei dieser Tournee besuchte ich drei Konzerte (München, Wien, Salzburg).

München, 29.10.2011
Bei dieser Tournee verzichtete ich darauf, im STS-Forum vorher nach der Setliste zu schauen. Diesmal wollte ich mich von den Liedern überraschen lassen. Ich hoffte auf die eine oder andere Perle, die ich noch nie live gehört bzw. schon lange nicht mehr gehört habe.

Das Konzert selbst war nett, aber Steinbäckers leichte Verkühlung führte zur Desillusionierung von seinem zwanghaft-neuen Lied, „Dei eig’ner Weg“. (Die Stimme hat fürchterlich ins Mikro gekrächzt.) Auch an der Stelle muss ich die Vermarktung der drei neuen Lieder bemängeln, ich dachte nicht daran, mir die neue Best-Of-CD für 20 bis 25 EUR zu kaufen, da ich den Großteil der Lieder schon auf meine vorhandenen CDs hatte und für die drei neuen Lieder genügte mir der Kauf als mp3-Download bei amazon.de. „Out Of Fürstenfeld“ finde ich recht witzig, „Dei eig’ner Weg“ ist die schwächste Nummer von den drei „neuen“ Liedern – „neu“ in Anführungsstrichen deshalb, weil „Die Zeit“ doch  nicht so ganz neu ist. Schon von Steinbäcker auf „Bilder an der Wand“ (2010) besungen, besang Günter Timischl nun sein Lied selbst – seine harmonische Stimme macht das Lied wieder interessant. Zurück zu „Dei eig’ner Weg“: Von Gert Steinbäcker habe ich schon bessere Lieder, die sich mit dieser Thematik befassen, gehört.







„Zehn Minuten still“, „Mach die Aug’n zu“ und – die einzige Premiere, abgesehen von den neuen Liedern – „Zeig mir Dein‘ Himmel“ haben mich sehr beglückt. Selig war ich auch, dass „Weit is die Welt“ nach einer Tourneepause wieder ins Programm aufgenommen wurde. Aber zum Schluss, nach den obligatorischen „Großvater“, „Kalt und kälter“ und „Fürstenfeld“, als dann die Zugaben kamen, war ich nicht mehr überrascht, war ich nicht mehr so ganz erlöst, wie ich oft bei STS-Konzerten war (trotz vorheriger Kenntnis der Setliste!). Ich sah die Aufstellung der Musikanten, die Instrumente und wusste schon, welche Lieder dann kamen – das habe ich doch alles schon bei der vergangenen Tournee erlebt.

Nach diesem Abend äußerte ich mich gegenüber meinen Gastgebern und anderen Bekannten, die auch beim Konzert waren, meine eher weniger Begeisterung für das Konzert. Als Antwort bekam ich nur „Es war doch schön.“ und ein so etwas wie „Sei doch nicht so engstirnig.“ zu hören.

Mag sein, dass ich engstirnig bin. Aber da ich die vergangenen Tourneen von STS fleißig besucht habe (mindestens zwei, drei Konzerte), war meine Erwartung, dass STS bei ihrer Abschlusstournee ein paar Lieder mehr „weit zurück in die Vergangenheit“, als wieder diese Lieder aus der „Neuer Morgen“-Tournee spielen würden.

Wien, 08.12.2011
Der schönste Moment für mich war eigentlich der, dass ich meine aus der Steiermark stammende Arbeitskollegin an diesem Abend überglücklich sah. Es war ihr erstes STS-Konzert, sie saß mit mir in der ersten Reihe, weinte bei „Irgendwann bleib i dann dort“ und war ganz flippig, als ich sie zum „Stagerush“ bei „Großvater“ mitnahm. Dort tanzte sie ausgelassen und feierte ihre drei Landsmänner. Von meiner München-Skepsis beeinflusst, versuchte ich, das Wien-Konzert locker zu sehen und habe es auch genossen. Ich durchlebte Erinnerungen in „Zeig mir Dein‘ Himmel“, in „Mach die Aug’n zu“ bekam ich wieder Sehnsucht nach Venedig, bewunderte die musikalische Genialität von Schiffkowitz in „Weit is die Welt“ und ließ mich von Timischls Stimme in „Die Zeit“, „Die ganze Welt“ und „Sie wissen all’s besser“ einfangen.

Der Höhepunkt des Dreiklangs gipfelt sich in „Immer weiter fort“ … eines der wenigen Lieder von STS, die sie ruhig immer wieder, immer weiter spielen können. Die Faszination des Textes (wenn auch nur frei übersetzt, aber auch so gut) und die der Melodie hat mich seit meinem ersten Konzert in Bann gezogen.






Salzburg, 11.12.2011
Damals dachte ich, „wie wird das sein, wenn Du das letzte Konzert von STS besuchst? Wirst Du nachher heulend zusammenbrechen, wenn STS „Auf a Wort“ zu Ende gespielt haben? Wird Dir das Ganze dann sinnentleerend vorkommen?“

Nichts von dem.

17 STS-Konzerte in zehn Jahren sind genug. Salzburg war ein würdiger Abschluss. Auch für mich. Ich konnte endlich nach Salzburg. Konnte wieder in Salzburg sein. Und saß in der salzburgarena auf dem selben Platz wie vor sieben Jahren, als STS das erste Mal in der salzburgarena gastierten. Konnte dort in der salzburgarena die Schönheit von „Weit is die Welt“ zelebrieren und streckte dem Schiffi „meine Arm, Arm aus, ließ mich nicht los“.

Mein allererstes Konzert in meinem Leben war das von STS am 15.11.2001 in Würzburg. Die nächsten Jahre waren von STS-Konzerten geprägt. (Ausreißer waren Bruce Springsteen and the E Street Band, Rainhard Fendrich, Wolfgang Ambros.) Doch seit wenigen Jahren wurde meine Konzertbesucherei manisch, sprich, es wurde zu einer Leidenschaft und 40 Konzerte pro Jahr waren machbar und aufgrund der Vielfältigkeit und Verschiedenheit der Musikanten, die ich erlebte, büßen STS mit der Abschiedstournee sehr viel an Stellenwert. 60 EUR für Deja-vu-Erlebnisse haben die Schmerzgrenze überschritten.

Jedes einzelne Konzert behalte ich in Erinnerung (manche waren unglaublich gut, einige unvergesslich, wenige nicht besonders gut). Mit den Konzerten von STS sind viele schöne Erinnerungen, viele nette Begegnungen und ein paar Freundschaften verbunden. Dennoch, die Zeit ist gekommen...

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