Donnerstag, 6. September 2012

07.06.2012 - Bruce Springsteen and the E Street Band im San Siro


Vorgeschichte:
Donnerstag, 24. November 2011, Nachmittag: Ich saß vor meinem Laptop und erhielt von ticketone.it die Nachricht, dass Karten für das Konzert in Mailand zu bestellen sind. Ich klickten auf den entsprechenden Link zur Webseite und wühlte mich durch das Italienisch, nahm für ein paar nicht eindeutig interpretierbare Wörter den LEO zu Hilfe und das alles, ohne daran zu denken, dass ich auf ticketone.it die Sprache ins Englische wechseln konnte ;-)
M., der an diesem Hype („BRUCE GEHT WIEDER AUF EUROPATOURNEE!“) wenig Anteilnahme zeigte, obwohl er mir einmal gegenüber signalisierte, dass ihm schon ein zweites Springsteen-Konzert während einer Tournee interessieren würde und auch in einer „fremden“ Stadt, gab ich an diesem Nachmittag die Möglichkeit, diese Gelegenheit zu nutzen, indem ich ihn anrief und ihm mitteilte, dass ich nur noch ca. 17 Minuten habe, um die Bestellung für zwei Prato-Karten abzuschicken. Er war gerade auf Arbeit und meine Nachricht musste ihn überrumpelt haben, aber so nett wie er ist, sagte er: „Ja, bestell die Karten.“ :-) Am anschließenden Wochenende konnten wir Flug und Hotel fixieren, wobei wir beide recht günstig aussteigen konnten. (Pro Person: Flug hin und retour 90 EUR und Hotel – gut erreichbar, sauber, freundliches Personal – für drei Nächte ca. 100 EUR.)

San Siro, 7. Juni 2012:
Ohne Worte...
Nach einem ca. viertelstündlichen Fußmarsch von der M1-Station „Lotto“ erblickte ich nun das ehrwürdige Stadion und musste mich innerlich zwicken, dass ich tatsächlich dort war. Gegen halb elf vormittag waren wir dann beim Stadion und – natürlich! – waren die ersten 1.500 begehrten PIT-Bandln weg. Zum Glück lief ich in ein bekanntes Gesicht aus dem österreichischen Springsteen-Forum hinein (Hier noch einmal ein „Servus!“ an „the sitter“.) und er teilte mir mit, dass beim Ingresso 4 ein Roll Call für die „Zu-spät-Gekommenen“ organisiert wird. Wir ließen uns die Nummern 219 (M.) und 220 (ich) auf die Handrücken schreiben und verbrachten den Tag mit Warten, Plaudern, Leute beobachten, Trinken (Ans Essen konnte ich nicht denken – so aufgeregt war ich!). Um 11:30 Uhr wurde der erste Rundruf – auf Italienisch!!! – gestartet, ich begann zu schwitzen, M. sah sich nach Leuten um, die Nummern vor uns hatten und wir zählten im Kopf weiter, bis wir dran waren ;-) Es hat funktioniert :o) Kurz vor 15 Uhr wurden wir hineingelassen und konnten in den PIT – juhuu!
Um mir die Springsteen-Konzerte (auch) aus mehreren Perspektiven zu gönnen, hatte ich für FFM Sitzplatz und für Zürich & Wien nur normale Stehplatzkarten; daher war es mir schon sehr wichtig, für San Siro im PIT zu sein. Die Wartezeit bis zum Konzertbeginn war dann nicht mehr schlimm, da die Anspannung von mir herabgefallen ist, neben uns nette Hardcore-Fans aus dem Ruhrgebiet saßen (Ein Tramp zählte 74 Springsteen-Konzerte.) und ich bekam sogar Gusto auf einen Panini Prosciutto…

Konzert:
Mit „Once Upon A Time In The West“ betraten die E Street Band und Bruce Springsteen die Bühne und legten dann mit „We Take Care Of Our Own“ los – wofür es sich lohnt, im San Siro zu sein, ist die Stimmung! Die Euphorie, die Begeisterung kannten keine Grenzen, kannten kein Ende. An „Wrecking Ball“ schloss „BADLANDS“ an… ich erwähne nur: Euphorie! Nach „Death To My Hometown“ kamen die Klassiker der Pre-„Born To Run“-Ära, „Spirit In The Night“ und „The E Street Shuffle“. Nach einem lichtermeer-überwältigenden „Jack Of All Trades“ durfte ich endlich ein weiteres Lied aus der „Darkness“ hören: „CANDY’S ROOM“. Als ob nicht genug „Darkness“ wäre, spielte er „DARKNESS ON THE EDGE OF TOWN“. Wunderschöne Kombination! Nach „Johnny 99“ kam „Out In The Street“, der diesmal einen positiven Effekt für mich hatte… wo ich im PIT stand, war es relativ eng, aber bei „Out“ ging Bruce zur Rampe und die meisten Leute rannten nach vorne und von da an hatte ich bis zum Schluss viel Platz zum Tanzen gehabt. Dann stimmte Bruce sein Loblied auf Milano an, „a very special place“ und ich hörte die ersten Takte von „NO SURRENDER“. Stevies Blick war königlich. Er hatte keine Ahnung, was Bruce wollte. Nix… „The E Street Band fucked up this time.“ (O-Ton Bruce.) Zweiter Versuch, Bruce formt überdeutlich mit seinen Lippen in Richtung Stevie: „NO SUR-REN-DER.“ Wieder nix. „We fucked up TWO times.“ war Bruces Kommentar *lach* 
 … und nun durfte endlich die Full Band-Version von „No Surrender“ erklingen ;-) Ich freute mich auf ein neuerliches „Working On The Highway“ (Danke FFM!), „Shackled And Drawn“ war wieder super, „Waitin‘ On A Sunny Day“ war naja, aber „THE PROMISED LAND“ rettete mich aus der Apathie und dann kam der Höhepunkt im San Siro: Bruce setzte sich ans Klavier… ich starrte abwechselnd auf Leinwand und auf ihn… er klimperte… „Was wird es sein? Was kommt jetzt?“ jagten durch meinen Kopf… „Johnny works in a factory…“ … Kinnlade nach unten… ich fasste es nicht… „THE PROMISE“. „Thunder Road there's something dyin' on the highway tonight…“
Nach „The River“ (wieder die anfänglichen Vorbehalte, aber nachher doch beseelt) und „The Rising“ erklang das nächste Lied, welches ich nicht sofort erkannte (Ja, „Magic“ gehört zu den am wenigsten angehörten Alben von Bruce.), aber ich sah, dass M. endlich lebendig wurde und sein Strahlen über das ganze Gesicht bleibt unvergesslich!... „RADIO NOWHERE“… aaaah, des passt!
„WE ARE ALIVE“ mit dem werdenden Vollmond war sehr schön (in FFM wegen seitlichem Sitzplatz nicht gesehen), „LAND OF HOPE AND DREAMS“ (endlich)… dieser Zug fuhr nach Mailand, nach San Siro… San Siro war an diesem Abend das „Land of Hope and Dreams“… dieser Zug hat alle, alle Menschen in das San Siro geführt. Bruce nahm ein Request-Schild, aber bevor er das gewünschte Lied spielte, musste ich mir wieder „Rocky Ground“ anhören. Leider konnte mich das Lied ein zweites Mal auch nicht überzeugen :-/ „BORN IN THE U.S.A.“ im San Siro war genial! Überwältigend! (In FFM hat es mich klanglich nicht so begeistert, aber hier im San Siro… oh ja, das war etwas!) Bruce haute „BORN TO RUN“ raus und holte aus seiner Hosentasche das Request-Papier heraus und „Cadillac Ranch“ wurde gespielt. Es war nett, aber es kam nicht mehr an die Magie von Frankfurt am Main heran… „Hungry Heart“ war eine weitere Premiere für mich, „BOBBY JEAN“ durfte ich wieder hören, wunderschön, berührend und im San Siro durfte ich mein bestes „Dancing In The Dark“ erleben. Ein Mädel hielt ein Schild mit „Can I dance with Jake?“ hoch, Bruce holte die beiden, sie umarmt ihn, Bruce wies sie zu Jake, sie tanzte mit dem Little Big Man und er spielte ein leidenschaftliches Saxophon-Solo… sicher motiviert von diesem begeisterndem Mädchen hatte ich das Gefühl, dass das Solo länger als üblich dauerte und in diesem Moment wünschte ich mir, dass dieses wunder-wunderschöne Sax-Solo nie aufhören möge…
Ich glaube, zu dieser Stunde schlug es schon Mitternacht… ein paar Leute verließen das PIT, ich, etwas nervös, deutete M. an, dass sie sicher die letzte Metro nehmen würden. M., von der Euphorie angesteckt, signalisierte mir, dass wir bis zum Schluss bleiben sollten.
„Tenth Ave“ brachte mich schon wieder zum Weinen, noch bevor die Videoeinblendung vom „Big Man“ kam, und so wie in FFM beruhigte ich mich erst beim „Oh yeah, it’s alright!“. Zu Beginn der Wrecking Ball-Tournee war „Tenth Avenue Freeze-Out“ das obligatorische Schlusslied, aber seit wenigen Konzerten pfiff Bruce darauf und haute in das San Siro noch „Glory Days“ und „TWIST AND SHOUT“ raus.
M. sagte mir dann, dass das Konzert drei Stunden und vierzig Minuten gedauert hat. Ehrlich gesagt, mir war das in diesem Moment egal, wie lange das Konzert gedauert hat - irgendwann wird diese "Sie-haben-so-und-so-viele-Stunden-und-Minuten-gespielt"-Sache nebensächlich. Ich war im San Siro, ich hatte ein fantastisches Konzert erlebt, ich spürte die Euphorie des Publikums und die intensive Spielfreude von Bruce und der E Street Band.  
Außerdem, man weiß von Bruce und der ESB, dass sie lange spielen, länger als alle anderen, dass er mit ihnen alles gibt, alles biszumgehtnichtmehr. Das macht ihn einzigartig, das macht ihn für mich einzigartig. Das macht ihn für mich zum „BOSS“. Und die Kartenpreise? Bei ihm ist jeder Cent wert…
DAS zählt.
Papierene Erinnerungen an das Konzert.
Auszug aus brucespringsteen.net
Auszug aus brucebase.wikispaces.com
Und zum Tag danach konnte ich schon viel früher einen Bericht schreiben...

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