Montag, 26. November 2012

08.11.2012 - Kettcar in der Arena Wien oder Wie ich diese Band zehn Jahre lang ignorieren konnte


Diese Band aus Hamburg gibt es schon seit 2001. Und der Sori war „Kettcar“ erst zehn (!) Jahre später ein Begriff, als sie anfing, sich für die Solo-Scheibe von Thees Uhlmann zu interessieren. Von Thees Uhlmanns ehemaliger Band Tomte hat sie bisher auch nichts gewusst. 
Ich kann mich – ehrlich gesagt – nicht so genau erinnern, wie ich zu Thees Uhlmann gekommen bin. Aber ich weiß noch, dass mir das Video „Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf“ sehr getaugt hat, so dass ich mir Ende August 2011 die CD im Wiener SATURN kaufen musste. Und wie ich die CD rauf und runter hörte („Thees Uhlmann“ gehört zu meinen Sommer-Herbst-2011-Alben), stöberte ich auf der Webseite seiner Plattenfirma „Grand Hotel van Cleef“ ein wenig herum und von da an merkte ich mir den Namen „Kettcar“. 

Später sollte ich dank einer Frühjahrsausgabe 2012 der Rolling Stone herausfinden, dass Thees Uhlmann mit Marcus Wiebusch und Reimer Bustorff diese oben erwähnte Plattenfirma gegründet hat, weil es niemanden gab, der die erste CD von Kettcar, „Du und wieviel von Deinen Freunden“, vermarkten wollte. 
Ich durchforste in regelmäßigen Abständen die Webseiten von Wiener Veranstaltungsstätten und dazu gehört auch die arena.co.at und irgendwann im heurigen Sommer entdeckte ich, dass Kettcar am 8. November in der Arena spielen würden. … Kettcar? Kettcar! …. Das sind doch die… ich notierte mir den Termin auf einem Zettel, pinnte ihn an meiner Korkwand und tat erst einmal nichts. 

Anfang September hatte ich schon wieder das Bedürfnis, Geld für Musik auszugeben und kaufte im SATURN Gerngross auch die „Sylt“ von Kettcar. (Das aktuelle Album, „Zwischen den Runden“, war auch verfügbar, war mir aber mit ca. 15 EUR zu teuer.) Nach dem ersten Anhorchen war ich nicht so ganz begeistert von der Scheibe, es war ok und ein eher in Grenzen haltendes Gefühl breitete sich in mir aus.

Musiktausch mit meinem fränkischen Freund Thomas war auch in der Zwischenzeit wieder angesagt und in seiner Liste war die „Von Spatzen und Tauben, Dächern und Händen“ dabei, die ich natürlich anforderte. Mitte Oktober hatte ich Zeit, mir die CD anzuhorchen und die Texte durchzulesen. Das Album besticht mit seinen genialen lyrischen Texten, die Musik ist eher hintergründig, aber was Marcus Wiebusch und Reimer Bustorff (Er schrieb den Text für „Die Wahrheit ist, man hat uns nichts getan“.) sich da gedacht haben, welche Wörter, Wortverbindungen, Sätze denen eingefallen ist…
Aus „Die Ausfahrt zum Haus Deiner Eltern“:
Und Sätze die wollten gegen Stimmen die wollen
Und ein Körper der weiß was er soll
Aber nicht was er will
Und einer fragt was zu tun ist 

Aus „48 Stunden“:
Du gehst tränenreich in eine höhere Liga

Aus „Stockhausen, Bill Gates und ich“:
es ist besser für das, was man ist, gehasst,
als für das, was man nicht ist, geliebt zu werden

und „Balu“ ist seit dem Konzert in der Arena zu meinem Lieblingsohrwurm gewachsen. 

Aus Berlin nahm ich noch die „Zwischen den Runden“ für 8,49 EUR mit und war nach dem ersten Anhorchen überrascht, wie sehr sich das aktuelle Album von den Vorgängeralben unterscheidet – Streicher, viele ruhige Nummern, einzig „Schrilles buntes Hamburg“ erinnert daran, dass der Großteil der Kettcar-Musikanten aus dem Punk-Genre stammen. Aber Perlen gibt es auf dieser CD: „In Deinen Armen“, „Erkenschwick“ und „Zurück aus Ohlsdorf“. 

Mit CDs # 2, 3 und 4 halbwegs versorgt, fuhr ich am 8. November zur Arena. Auf erste Reihe stehen war ich nicht scharf, ich entschied mich, oben zur Empore zu gehen und schlussendlich landete ich ganz hinten, wo ich mich gemütlich hinsetzen konnte und einen super Blick auf die Bühne hatte. Vorgruppe „Findus“ war für eine look-a-like Schülerband ok, bevor Kettcar ihren Auftritt hatten, füllte sich die Halle. Prädikat: „Ausverkauft!“ 
Um etwas sehen zu können, stand ich auf und erlebte eines der besten Konzerte von meinen „Newcomern“ heuer. Und wie das Wiener Publikum textsicher mitgegangen ist – wow! „Balu“ – vorgetragen nur von den Wiebusch-Brüdern, war der Höhepunkt des Konzerts – das Publikum hat das ganze Lied mitgesungen, Gänsehaut-Gefühl und ich war froh, dass ich an diesem Abend nicht ein paar hundert Meter weiter beim geldgeilen Sack namens Westernhagen in der Bank Austria Halle war…
„Stockhausen, Bill Gates und ich“ kam beim Publikum auch an, der gebrochene Daumen von Carlos Santana wurde ausschließlich von denen besungen ;-) Mit der Hymne „Landungsbrücken raus“ beendeten Kettcar das Konzert – zwei Stunden sind viel zu schnell vergangen. 

"Balu"






"Landungsbrücken raus"
Nach dem Konzert kaufte ich mir die sogenannte „10 Jahre Deluxe Edition“ (so etwas ist in Mode) von ihrem Debütalbum und weil es einfach sein musste, auch die „Von Spatzen und Tauben, Dächern und Händen“. 
Seit ich alle Studioalben im Original besitze, laufen bei mir zuhause sehr oft die „Von Spatzen und Tauben, Dächern und Händen“ und „Du und wieviel von Deinen Freunden“ … an den „Landungsbrücken raus, dieses Bild verdient Applauuuuuuus“ kann ich mich nicht satthören. Nennt man so etwas „befindlichkeitsfixiert“ (Original aus „Im Taxi weinen“)? Ich hoffe, ich sehe Marcus, Reimer & Co. live bald wieder.

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