Donnerstag, 22. November 2012

09.07.2012 - Bruce Springsteen and the E Street Band in Zürich

[Dieser Beitrag ist meiner Arbeitskollegin gewidmet, die mich (SCHON WIEDER) gefragt hat, ob es mir nicht fad sein würde, wieder auf ein paar Springsteen-Konzerte gehen zu wollen. Anscheinend ist weder mir noch ihr zu helfen...]


Vorgeschichte: 
Nachdem die drei Konzerte (FFM, Mailand, Wien) fixiert waren - ich wollte ursprünglich auch nur drei Konzerte machen (obwohl, mit zwei wäre ich auch dankbar gewesen, eines ist eindeutig zu wenig ;-) - kam nachträglich Zürich in Bruces Tourneeplan.
Zürich zu sehen plante ich schon nach meinem Kurzurlaub in Tirol im Juli 2011. Ich saß damals im Railjet nach Innsbruck, der bis Zürich fuhr und eine achtstündige Zugfahrt hat die Sori im Laufe der Jahre eigentlich nur hart gemacht ;-)
Normale Stehplatzkarte (Front Field mit umgerechnet 150 Euronen war mir zu teuer) gekauft, rechtzeitig Zugfahrkarten gesichert (hat mich insgesamt nur 60 EUR gekostet) und die Herbergssuche war etwas kompliziert, hat aber dann noch funktioniert.
Am Tag des Konzerts unternahm ich einen Spaziergang vom Uetliberg Richtung Felsenegg. Von der Warte aus fotografierte ich durch mein Fernglas das Stadion ... beruhigend zu wissen, dass die Bühne schon steht.

Zürich, 9. Juli 2012:
Am späten Nachmittag brach ich vom Hotel zur Station „Central“ auf und fuhr mit der Tram in Richtung Letzigrund. Um mir das Umsteigen in einer anderen Tram, die nur eine Station bis zum Stadion fährt, zu ersparen, stieg ich mit vielen anderen Konzertbesuchern schon vorher aus und den Rest des Weges legten wir zu Fuß zurück. Beim Stadion angekommen, erhielt ich gratis Ricola-Zuckerl, was ich angenehm fand, und entdeckte meinen Eingang. Sicherheitskontrolle ohne Probleme passiert, erblickte ich den Innenraum des Stadions:
Mich in den Schatten gesetzt, ging die Wartezeit doch recht locker von dannen. Ich unterhielt mich mit einem jungen Mädel, die nun ihr erstes Springsteen-Konzert erleben würde und von ihren Eltern begleitet wurde.
Konzert:
„Pünktlich“ um 19:20 Uhr läutete das Intro „The Magnificent Seven“ ein, Mädel neben mir und ihre Mama erkannten die Melodie und taten so, als ob sie auf Pferde reiten würden ;-) Die E Street Band und Bruce kamen heraus, Bruce rief ein „Gruezi Zurich“ und ein paar Worte aus und … „COLD RAIN RUNNIN‘ DOWN THE FRONT OF MY SHIRT…“ … ich war wie elektrisiert, schrie, jubelte… aber mein Geschrei war im Umkreis von 500 Metern noch zu hören… es registrierte keiner, dass da vorne „DON’T LOOK BACK“ gespielt wurde. Einer meiner ganz großen Wunschlieder, nicht wirklich damit gerechnet, dass er es loslassen würde, während die Sori dabei ist und die Schweizer da registrierten nicht, was gerade abging… oh ja, geheult hab ich vor Freude :-) mit „BADLANDS“ weckten meine Helden ein paar weitere Konzertbesucher auf und legten für mich – wahrscheinlich weil die wenigen Tage Schweiz vom 8. bis 10. Juli 2012 so teuer sind und ich einfach dafür belohnt werden muss – ein weiteres aus meinen Top-8-Wunschliedern drauf… „THE TIES THAT BIND“.

Bei „We Take Care Of Our Own“ und „Wrecking Ball“ hatte ich Gelegenheit, mich zu zwicken wegen Lieder # 1 und # 3 und Luft zu holen wegen Lied # 2 und nun freute ich mich auf „Death To My Hometown“. In „My City Of Ruins“ konnte Bruce das Publikum während der Bandvorstellung begeistern, dass nun „everybody are in the house“ und zelebrierte mit uns die „Spirit In The Night“. 
Zeit für Requests… ich staunte nicht schlecht, dass jemand ein „WORKING ON A DREAM“-Schild gebastelt hat und ich habe mich wirklich darüber gefreut, dass Bruce und die E Street Band dieses Lied spielten. Das Lied mag kitschig sein, aber ich fand es einfach schön, dass ich am Letzigrund mit diesem Lied belohnt wurde… so quasi als vorläufig lange letzte Reise zu Bruce. „GROWIN‘ UP“ war wunderschön, aber für das hintere Fußvolk irgendwie zu ruhig und mit „SAVE MY LOVE“ bekam ich endlich ein weiteres Gustostückerl aus „The Promise“. Bei „Jack Of All Trades“ spürte Bruce schon die Lahmarschigkeit des Publikums a la Schweizer Art und sparte tatsächlich mit vielen einleitenden Worten und ging dann zu „YOUNGSTOWN“ über – jajaja! „Johnny 99“ war wieder … jo, eh… mit „Working On The Highway“ wurden ein paar weitere Schweizer wachgerüttelt. Sori, die eigentlich schon lange am Ausflippen war, hatte zumindest ein paar begeisterungsfähige Stehnachbarn um sich, aber der große Rest des Publikums war zum Gähnen… und das bei dieser Setliste bisher! „Shackled And Drawn“ war wieder klass‘, „Waitin‘ On A Sunny Day“ eine Katastrophe, nachdem Bruce wieder zwei Kinder auf die Bühne holte. Bua mit widerwilligem Gesicht: „Wtn, wtn n snny dy… lalala…“ Also, sollte Bruce nicht spätestens an dieser Stelle merken, dass die Kindernummer nicht mehr zieht??? Das Mädel war ein wenig geübter und ließ noch ein leidenschaftsloses „Come on E Street Band“ los… nein, nein, nein und nochmals nein! „THE PROMISED LAND“ entschädigte für das vergangene Lied und nun nahm Bruce ein langes Schild und ging zum Klavier, die restlichen Musikanten traten von der Bühne ab. „Was tut er jetzt? Was steht auf dem Schild?“ jagten durch meinen Kopf und ich sah auf der Leinwand, dass da „IF I SHOULD FALL BEHIND“ draufstand. Ich machte riesige Augen, aaaaaah, aber ich bin ja nicht im San Siro… fingen doch ein paar Konzertbesucher tatsächlich zum Plaudern an, hallo??? Nichtsdestotrotz, es war wunder-wunderschön!

„The River“ kam mir ohne die gedanklichen Vorbehalte sehr entgegen, da ich das entsprechende Leibchen anhatte ;-) „The Rising“ einfach ein Fixpunkt in der Setliste und mit „Out In The Street“ wurden ein paar weitere Schweizer aktiv. (Ach ja, ich hab vergessen zu erwähnen, dass bei „Waitin‘ On A Child“ die ersten Leute sich von ihren Sitzplätzen erheben konnten… ich bin so frei und zitiere das am 25. Juni 2003 erwähnte in „Time to come up for the SWISS ass rising!“ um.) „(This is) LAND OF HOPE AND DREAMS“ war dennoch wunderschön, weil der Großteil des Publikums auf den Zug aufgesprungen ist und mit Bruce Springsteen und der E Street Band nach Letzigrund fuhr.
„We Are Alive“ war wieder atmosphärisch, mythisch, einfach berührend, lebendig! „BORN IN THE U.S.A.“ hat auch den letzten lahmen Konzertbesucher munter gemacht ;-) und bei „BORN TO RUN“ waren wir alle gleich… Tramps! Mit einem „Hungry Heart“ ging ich in „SEVEN NIGHTS TO ROCK“ (*hechel*) auf, tanzte im grellen Stadionlicht zu „Dancing In The Dark“, heulte wieder bei „Tenth Avenue Freeze-Out“… wunderschön das Schild von einem Front Field-Besucher, wo „PHANTOM & THE BIG MAN STILL JOIN THE BAND“ draufstand und bei „Twist & Shout“ dampfte schließlich das kochende Letzigrund.



Der Ärger über das lahme Publikum war schnell verflogen, ich war nur noch glücklich, ich konnte mich beim Konzert bei reichlich viel Platz verausgaben… und „DON’T LOOK BACK“.
Der kurze Weg zur Tram ging schnell, ich ließ eine „E-Tram“ vorbeifahren und konnte mich glücklich schätzen, dass die nächste Tram ideal anhielt, so dass die Türen sich vor meiner Nase öffneten und ich gleich einsteigen und mir einen Sitzplatz ergattern konnte. Bei der rund zwanzigminütigen Fahrt zum Hauptbahnhof kam ich mit anderen Konzertbesuchern ins Gespräch, hatte ständig „Don’t Look Back“ im Kopf und dieses blöde Grinsen :-D
Da ich beim Konzert kein Geld ausgegeben hatte, gönnte ich mir in einer Bar unweit von meinem Quartier einen Krügerl Eichhof um knappe acht Franken… und war nur noch beseelt. 
„DON’T LOOK BACK“… *blödgrins*


"20 Minuten" dürfte das schweizerische Pendant zur österreichischen "Heute" sein - war aber das einzig papierene Medium, was ich nach dem Konzert ergattern konnte.
Am Tag danach fuhr ich nach Rapperswil und verbrachte dann noch wenige Stunden in Zürich, bis ich wieder in den Zug nach Wien einsteigen musste.

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