Montag, 12. November 2012

Bruce Springsteen "The Promise: The Darkness On The Edge Of Town Story"

Wie ich zu dieser Box kam, schrieb ich schon in diesem Beitrag.

Heute, nach zwei Jahren, wird es endlich Zeit, dass ich meine Gedanken zum Inhalt dieser Box veröffentliche:

The same old played out scenes oder einfach 
IT AIN’T NO SIN TO BE GLAD YOU’RE ALIVE 
(Bruce Springsteen, "Badlands")

„Darkness On The Edge Of Town“ Remastered 

Ich bin zu schwerhörig und nicht im Besitz einer guten Musikanlage, um zu beurteilen, wie gut die CD geworden ist. Ich weiß nur, dass das Album „Darkness On The Edge Of Town“ klasse ist … schon seit ich mir die erste Darkness-CD im Februar 1998 besorgt habe. (Später kamen noch die 2003er Sonder-Ausgabe der „Rising“-Tournee und die 2008er Japan-Ausgabe dazu.)

Jetzt im Nachhinein erscheint mir das etwas spät … wo ich doch seit 1995 Springsteen-Fan bin. Aber ich war wohl zu jung und ließ mich lieber von „Glory Days“ oder „Local Hero“ begeistern.

Im Frühsommer 1997 borgte ich mir aus einer Bibliothek die Erstausgabe der Live 1975-85 (drei CDs in der LP-Box, eh schon wissen) aus und kam zum ersten Mal mit „Adam Raised A Cain“ in Berührung. Die Faszination war da … die heulenden Gitarrenriffs, der packende Text, der Refrain und das nie aufhören wollende „Whooooh-oaaah“ zum Schluss.

Aber damals stand ich mit meiner Leidenschaft unter Gleichaltrigen alleine da, ich überspielte die CDs auf meine BASF-Musikkassetten (heute würde man sie MC-RW nennen ;-) und hörte die Kassetten relativ wenig. Mit den anderen Leuten hatte ich mich über die damalige "Mainstream"-Musik zu unterhalten (halt das, was in der BRAVO ständig auf Titelseite und auch auf weiteren Seiten gefragt waren). Knapp ein halbes Jahr später hatte ich wieder eines meiner Grundbedürfnisse, Springsteens Musik näher zu erforschen und stieß wieder auf „Adam Raised A Cain“ … ich war 15 … fühlte mich irgendwie in so einer Art, hm, „rebellischen“ Phase … und von Bruce gab‘s für mich zur Zeit keinen passenderen Song als „Adam“. Diesmal war ich so sehr fixiert auf das Lied, so dass ich endlich das Original haben wollte. In meinen nächsten Schulferien ging ich zum müller in Erfurt und nahm die „Darkness“ für 19,99 DM mit. Eine nie endende Liebesgeschichte begann…

Jahrelang (naja, die ersten Jahre zumindest … irgendwie passend zu meiner immer verzögerten, spät-entwickelten „Reife“) fuhr ich auf die Stücke „Badlands“, „Adam Raised A Cain“, „The Promised Land“ und „Darkness“ ab. „Prove It All Night“ hat mich irgendwie genervt, die anderen wunderbaren Stücke entdeckte ich erst später. Jedenfalls, „Adam“ war und ist meine unangefochtene Nr. 1 auf diesem Album. Zum Glück konnte ich doch noch die Schönheit und Intensität von „Racing In The Street“, „Something In The Night“, „Candy’s Room“, „Factory“ und „Streets Of Fire“ entdecken. „Prove It“? Nein … die zu fröhliche Anfangsmelodie in Verbindung zur eher düsteren Stimmung des Albums irritiert. (Aber im Nachhinein: Wenn man sich eingehend mit diesem Lied beschäftigt, glaubt man zu denken, dass die Irritation der Anfangsmelodie mit Absicht eingespielt worden ist – weil das Lied doch an und für sich einen eher verzweifelten Hintergrund hat.)

Heute ist „Darkness“, was heute? Schon lange, mein liebstes Album vom „Boss“ … DAS Nachfolgealbum von „Born To Run“ und das beste … ja, „Born To Run“ mag das beste Album sein, es ist unbestreitbar ein klasse Werk, aber „Darkness“ ist ein Meisterwerk! Wenn ich meine CD-Sammlung betrachte oder etwas von Springsteen hören möchte, greife ich sehr oft zu der „Darkness“, des weiteren betrachte ich dann ungläubig das verdammt schlichte Cover … Bruce schaut in die Leere … dieser unergründliche Blick und das schlichte Cover mit der kitschig geblümten Tapete ziehen mich einfach in den Bann.

Zu den Liedern: In „Badlands“ sind verdammt so viele, so gute Zitate versteckt (siehe Überschrift), keine Gitarre kann besser aufheulen als in „Adam Raised A Cain“, „Something In The Night“ hat ein wunderschönes Intro, „The Promised Land“ gibt trügerische Hoffnung und dieses kraftstrotzende „Mister I ain’t a boy, no I’m a man and I believe in a promised land“ … mein „Promised Land“ ist dort, wo ich in die Musik von Bruce abtauchen kann. Und dennoch, am Ende, ist diese Dunkelheit am Rande der Stadt… Lehrgeld bezahlt, Vertrauen ist etwas Kostbares, man lernt daraus und geht weiter. 

„The Promise“ 
„Racing In The Street ´78“:
Statt ´69 Chevy ein 32er Ford. Rockiger, frischer, ein schreiender, junger, wilder ungestümer Bruce. Nicht dass die offizielle schlechter ist – überhaupt nicht! Das Lied taugt mir sehr. Dass David Lindley auf diesem Lied gefiedelt hat, ist ein Plus!
„Gotta Get That Feeling“:
Etwas schwächerer Popsong. Reißt mich nicht vom Hocker.
„Outside Looking In“:
Die ersten vier Zeilen erinnern an „The Ties That Bind“, die Melodie in „Now you’ve got the pretty things you want…“ erinnert mich an das „Baby, tie your hair back…“ von „Prove It“. Tolle Mitsingnummer, die sowieso nicht auf der „Darkness“ gepasst hätte.
„Someday (We’ll be together)“:
Schnulzig biszumgehtnichtmehr. Schwaches Lied… mir wird der Sinn der „Outtakes“ immer klarer. Dennoch ertappe ich mich dabei, wie ich das Lied über Kopfhörer höre und versuche, lauthals „Sooo-m-day-we-ll-be-to-ge-theeeer“ zu singen. Tja…
„One Way Street“:
Ich mag Bruces Stimme, wie diese eindringlich seine Zeilen singt. Textlich ganz gutes Lied, „but we were walking on the wild side/ Running down a one way street“.
„Because The Night“:
Hätte auf die „Darkness“ kommen sollen, war sogar in der engeren Auswahl. Zum Glück nicht… aber wer weiß, wie die Geschichte ausgegangen wäre. Ich hab mich schon an den Live-Versionen (freundlich geschrieben) „tot“gehört … die Live-Version auf der „Live 1975 – 85“ ist die Beste, neben Nils Lofgren Erfurt 2006 und die Version von Natalie Merchant mit 10.000 Maniacs.
„Wrong Side Of The Street“:
Die Outtakes sind größtenteils poppig, Schlussakkorde (und am Anfang irgendwie auch … im Entferntesten) erinnern mich an das einzig poppige Lied auf der „Darkness“, „Prove It All Night“. Sympathischer Text .. hätte eh nicht auf das offizielle Album gepasst ;-)
„The Brokenhearted“:
Schnulze! Vom Hören! Aber der Text… klasse! Aus dem Leben gegriffen! Das Gefühl stimmt, die Beschreibung sowieso! Doch top!
„Rendezvous“:
Poppig, „eh wie immer“. Bruce hätte ja der größte Popsong-Schreiber werden können, laut Stevie Van Zandt. Live ein echter Knaller, und bei den Schildern (Requests) hoch im Kurs... ich wurde damit sogar zwei Mal in Wien zwangsbeglückt (2009 und Déjà-vu-Erlebnis 2012).
„Candy’s Boy“:
Sehr gutes Lied, eingängige Melodie und beeindruckende Gesangsstimme. Dennoch ist „Candy’s Room“ besser. Beste Zeilen: „Like a cold winter wind blowing in babe I needed you/ But Candy’s got a man who takes care of her better than I do“.

CD 1 ist sehr kurzweilig, trotz weniger schwächerer Lieder. Insgesamt eine gute CD # 1 auf „The Promise“.

„Save My Love“:
Schwer zu beurteilen. Nicht schlecht, aber auch nicht sooo gut. Poppig halt. (Und im Nachhinein hat dieses Lied am 9. Juli 2012 in Zürich ein paar Sympathiepunkte bei mir gesammelt.)
„Ain’t Good Enough For You“:
Ich mag das Lied, der Text spricht mich an, so ein „Sich-an-die-Nase-fassen“. Wegen oder auch der Poppigkeit auf „Darkness“ ungeeignet!
„Fire“:
Der Klassiker schlechthin. Die Studioversion taugt mir schon – im Gegensatz zu „Because The Night“.
„Spanish Eyes“:
Die ersten zwei Zeilen und im zweiten Absatz die zweite Zeile hat Bruce für „I’m On Fire“ verwendet. Wortwörtlich anführen muss ich sie nicht ;-) ist nur ein nettes Lied. Mehr nicht.
„It’s A Shame“:
Na ja, ok. Irgendetwas fehlt…
„Come On (Let’s Go Tonight)“:
„Factory“ ist das bessere Lied, aber „Come On“ hat sich – auch wegen David Lindley – sehr gut gehalten.
„Talk To Me“:
Kann mit dem Lied bzw. Text null und nichts anfangen. Das Lied kann ich nicht einmal kritisieren. Nichts.
„The Little Things (My Baby Does)“:
Poppiges nettes Liebesliedchen.
„Breakaway“:
Erinnert etwas an „The Price You Pay“ – nicht umsonst werden diese Worte in dem Text verwendet. Wieder eine gute Erzählung über gewisse Figuren, inhaltlich irgendwie eine Mischung aus „Born To Run“ und „The Price You Pay“ … doch ganz gutes Lied.
„The Promise“:
Ein lyrisches Meisterwerk. Das „opus magnum“. Mir unverständlich, warum DIESES Lied nicht auf „Darkness“ geschafft hat. „Thunder Road, there’s something dyin‘ down on the highway tonight“.
„City of Night (Taxi Cab)“:
Ich weiß es nicht.
„The Way“:
Welche Bedeutung sogenannte „hidden tracks“ und dazu noch auf ein Outtakes-Album haben sollen, will mir nicht erschließen. Ich halte sie für schwachsinnig – genauso wie „Born To Run“ als „hidden track“ auf der Erstausgabe von „Live in New York City“ erscheint.

CD # 2 beinahe überflüssig, wenn nicht „The Promise“, „Ain’t Good Enough For You“ und „Breakaway“ wären. 

„The Making Of“ 
Eine sehr schön gewordene Doku. Aufschlussreich und einleuchtend die Erklärungen, warum die Mainstreamer „Because The Night“ und „Fire“ nicht auf „Darkness“ geschafft haben. Die Aussagen der Bandmitglieder, vor allem die von Max Weinberg, sehr interessant und sympathisch und Bruce schafft wieder, mich mit seinen Worten und Erklärungen in den Bann zu ziehen. 

„Paramount Theatre, Asbury Park, NJ“ 
… sprachlos, a Waunsinn! So was von klasse … mein liebstes Album in der 2009er Version … vor allem „Racing In The Street“ hat mich in die Tiefen des „Promised Land“ befördert. Bitterer Nachgeschmack, dass Charlie Danny ersetzen muss. 

„Thrill Hill Vault“ 
Hängengeblieben sind bei mir „Don‘ Look Back“ (Warum ist dieses Lied nicht auf die "Darkness" gelandet? Statt "Prove It" ein "Don't Look Back"... das wäre was!) und „Badlands“ … ein junger, ungestümer Bruce, ein Energiebündel, der bei „Badlands“ noch seine Wut, die frische, herausschreien kann … heute sieht man den gleichen Bruce mit anderen Träumen, der aber immer noch (zum Glück) mit dickem Hals und hervortretenden Halsschlagadern „Badlands“ herausschreien kann (ich find so etwas sexy ;-)

„Houston 1978“ 
Hebe ich mir für einen ganz besonderen Abend auf ;-) 
[Damit ist die private Kinoveranstaltung, organisiert von einem Mitglied des österreichischen Springsteen-Forums, am 3. Jänner 2011 im UCI Millennium City, Wien gemeint. Das Konzert habe ich mir seitdem nicht wieder angeschaut - mein Fernseher ist zu klein dafür.] 

Bruce, vielen Dank für Deine Musik, sie hilft mir in vielen Situationen … besonders in den dunkelsten Situationen, in der einen ich derzeit wieder stecke … danke, dass ich in Deine Musik flüchten und den Alltag positiver sehen kann!
Denn: IT AIN’T NO SIN TO BE GLAD YOU’RE ALIVE! 
[Geschrieben nach dem Anschauen der beiden DVDs, in der Nacht vom 12. zum 13. November 2010. Nachher an den einzelnen Liedern sehr viel herumgefuhrwerkt, nun reicht es jetzt...]

Ach ja, und zum Äußeren der Box - ich bin doch wohl eine, die mehr auf das Innenleben achtet ;-)
Ein sehr schönes Stück, vor allem Bruces Ringbuchblock-Faksimile ist das Obershäubchen - eingebettet mit klasse Fotos, den (naja) Cardsleeves der einzelnen CDs und DVDs. Als leidenschaftlicher Springsteen-Fan bin ich natürlich stolz darauf, diese Box zu besitzen.

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