Donnerstag, 30. Mai 2013

26.05.2013 - Bruce Springsteen and the E Street Band in München


Vorgeschichte:
Gegen Ende der „Wrecking Ball Tour Europe 2012“ verdichtete sich das Gerücht, dass diese Tournee in 2013 fortgesetzt wird. Es gab also Anlass zur Hoffnung, dass ich wieder ein paar Konzerte machen könnte.
Von Mitte November 2012 an, sah ich regelmäßig, aber auch REGELMÄßIG, auf den entsprechenden Webseiten nach offiziellen Terminen und am Mittwoch, 28. November 2012 gegen 9:30 Uhr entdeckte ich auf der Webseite von MLK die Ankündigung, dass um 11 Uhr der Kartenvorverkauf für die Deutschland-Konzerte starten würde. Meine Kollegen im Büro waren in diesem Moment ausnahmsweise recht ruhig, so dass ich ein kurzes, scharfes Jauchzer ausstieß und sie damit erschrak. Ich: „Die Termine sind endlich da!“ Als Antwort erhielt ich von ihnen ein genervtes Aufstöhnen. Dann dauerte es noch lange, bis endlich 11 Uhr war und ich in eventim.de einsteigen konnte. Ich war vorbereitet, Kreditkarte lag auf dem Tisch und schon waren zwei FOS-Tickets für München bestellt. Wie ich nachher drauf war, ist für Außenstehende (hier: meine Arbeitskollegen) nur schwer nachzuvollziehen, warum ich wegen einem geglückten Kartenkauf lange mit hochrotem Kopf (Blutdruck ins Unermessliche gestiegen, klopfendes, nein, hämmerndes Herz) durchs Büro tigerte und sie sich sogar vor einem nahenden Herzinfarkt fürchteten (… bei meinem niedrigen Blutdruck).
Alex konnte ich mit der zweiten Karte beglücken, auf Hotel und Bahnfahrtzeiten konnten wir uns schnell einigen und nun begann das Warten auf den großen Tag.

München, 25. Mai 2013:
Der Railjet 262 von Wien nach München war mit mehr Bayern- als Springsteen-Fans bestückt und nach Ankunft am Münchner Hauptbahnhof fuhren wir recht schnell mit den Öffis zum Hotel, welches nur 20 Minuten Gehzeit vom Olympiastadion entfernt ist. Erfreut über das schöne geräumige Zimmer und Nutzung des angenehmen Bades beschlossen wir nun, beim Olympiastadion vorbeizuschauen.
Es hätte nicht so schwierig sein sollen, schräg gegenüber vom FOS-Eingang die zwei sitzenden Mädls mit dicken Winterjacken als die Nummerverteilerinnen auszumachen, bloß, sicher waren wir uns nicht, aber die lieben Nr. 168 und 169 gaben uns den Tipp, dass wir uns bei den Mädls die Nummern für den sogenannten „Roll Call“ abholen konnten. (Hier an der Stelle einen lieben Gruß an Katarina & Guido, falls sie es lesen sollten – es war sehr nett, Euch kennengelernt zu haben.) Gegen 14:45 Uhr am Tag vor dem Konzert hatten wir die Nummern 170 (ich) und 171 (Alex).




Der nächste Roll Call wurde für 18 Uhr angesetzt, daher beschlossen wir, vom Olympiapark mit der U3 Richtung Zentrum zu fahren, um uns dort die Bayern-Fans anzuschauen und in einem Lokal guten Schweinsbraten schmecken zu lassen.
Vom Marienplatz wieder zurück zum Olympiastadion zum nächsten Roll Call. Ich rechnete mit einer Zahlenfolge-Brüllerei, aber nein, diesmal wurden die Teilnehmer in Reihen (Ich schätze, 20 Personen pro Reihe.) aufgestellt und derjenige, der das Blattl mit den Nummern und Namen hatte, ging seine Reihe durch und prüfte die Nummern ab. Angenehm darüber gestaunt und die Info erhalten, dass die nächsten Roll Calls am nächsten Tag um 8, um 12 und um 14 Uhr stattfinden werden.


Ins Zentrum wollten wir nicht mehr, also marschierten wir in Richtung Hotel, tranken in der Nähe noch ein Bier und wir (eher ich) schauten uns im Hotelzimmer das CL-Finale auf dem schönen großen Flachbildfernseher an. Trotz gutem Spiel wurde ich von der Müdigkeit übermannt und ich war froh, dass das Finale regulär nach 90 Minuten vier Minuten Nachspielzeit endete. Stell Dir vor, Du gehst mit einer „Roll Call“-Nummer ins Bett… ich tat es.

München, 26. Mai 2013:
Die Wettervorhersage für diesen Tag war schon seit ein paar Tagen bekannt. Regen, Regen, Regen, kalter Wind, nicht mehr als 10 Grad Celsius. Kaum waren wir beide aus dem Bett, setzte schon dieses Wetter ein. Um viertel nach 7 Uhr brachen wir in Richtung Olympiapark auf und machten den Roll Call mit.

Die harte Realität am Sonntag, 26. Mai 2013 nach 8 Uhr.

Der Roll Call lief dieses Mal etwas länger ab, weil mehr Leute und wir freuten uns schon auf das Frühstück und in einer knappen halben Stunde wurden wir im Hotel mit einem riesigen, leckeren Frühstücksbuffet beglückt. Dann im Zimmer die richtige Ausrüstung für das Konzert angezogen (Schisocken Marke „Rohner“, Handschuhe und das ärmellange Thermo-Unterleiberl von „odlo“). Nachdem ich mein „Arbeitsleiberl“ über mein odlo-Shirt überzog, wurde mir so warm, so dass ich beim Verlassen des Hotelzimmers beinahe meinen überlebenswichtigen Pullover vergaß ;-)
Kurz vor 12 Uhr waren wir wieder beim Stadion, auf dem Weg dorthin hörten wir drei Mal „Spirit In The Night“ im Soundcheck und nun hieß es, dem Regenwetter zu trotzen. Mit den Nummern davor hatten wir nette Gesellschaft und auch mit dem Pärchen aus Wien dahinter.
Je länger, umso kälter wurde es, aber im Nachhinein hat sich die Warterei vor dem Einlass richtig warm angefühlt. Grausam wurde es dann, als wir „endlich“ im PIT standen und auf den Konzertbeginn warten mussten… wenn ich heute daran denke, brrrrrrrrr!

Aufgrund unserer recht guten Nummern funktionierte bei uns der Einlass, auch wenn sich zu später Stunde ein paar Leute sich an uns vorbeischleichen wollten, aber nicht erfolgreich waren, weil sie keine Nummern und auch keine „Wristbands“ hatten. Unvergessen bleibt auch der Spruch von Guido, nachdem ein RC-Teilnehmer seinen Einlass begehrte, weil er die Pre-Show nicht verpassen will: „Die Pre-Show haben wir hier schon… mit Humor!“ Der Einlass musste kurz nach 17 Uhr begonnen haben, wir gingen ganz gemütlich die tiefe Stiege zum „Rasen“ hinunter und hatten die Möglichkeit, in der zweiten Reihe zu stehen… wollten wir aber nicht und so blieben wir in der ungefähr sechsten Reihe. 
Winke, winke ... Alex und Sori eingekreist.

Ja, ich wiederhole mich, von da an war es bis zum Konzertbeginn GRAUSAM. Der Wind wehte so stark, der Regen prasselte unaufhörlich auf uns herab und es hatte gefühlte 0 Grad Celsius – und das Ende Mai! Das PIT füllte sich, wir standen auf unseren Plätzen und hofften nur, dass der Beginn sich nicht so sehr verzögern würde. Wir haben durchgehalten, weil wir uns auf das Konzert freuten, weil wir uns vollkommen sicher waren, dass Bruce Springsteen and the E Street Band wieder einen besonderen Abend bieten werden.
Als die Mitarbeiter oben langsam die Planen von den Instrumenten wegräumten, keimte in mir Hoffnung auf, dass es nicht mehr so lange dauern würde. Kaum waren alle Instrumente von den Planen befreit, wurden die Bassgitarren wieder abgedeckt, was mich nervös machte. Nach 19 Uhr (offizieller Beginn) rief die Menge im PIT ein „Badlands“-mäßiges „ooooh ooooh“ und ein „BRUUUUUUUUUUUUUUUCE“.

Konzert:
Aufgrund der Wetterlage war damit zu rechnen, dass das Konzert mit „Who’ll Stop The Rain?“ eröffnet wird. Da ich auf dieses Lied schon sehr lange warte, wollte ich meine Erwartungen nicht zu hoch schrauben, um mir eine achte Enttäuschung zu ersparen. Um ca. 19:15 Uhr betrat Bruce alleine mit Akustikgitarre und Harp die Bühne, gratulierte zum „Championship“ und … „Long as I remember…“, kurzer Gedanke von „Full Band Version wollte ich eigentlich haben.“, aber es war so schön, es war einfach wunderschön, wie Bruce da oben mit der Gitarre inbrünstig die Hymne von John Fogerty sang. Nach meinen Seven Nights To Rock bekam ich endlich „WHO’LL STOP THE RAIN“ in dieser wunderschönen Version und musste vor Freude ein paar Tränen vergießen.

Bruce nahm die Gitarre ab, ging nach vorne zum Mittelsteg, ließ sich beregnen und nahm ein Request-Schild, wo „Streets Of Fire“ abgebildet ist. Ich schrie vor Freude, ballte die Faust und – schwupps! – stand da „LONG WALK HOME“ drauf. Was für ein super Trost! :-) Gleich zwei Lieder zu Beginn, die ich zum ersten Mal live höre, wow! Das dritte Lied erkannte ich nicht sofort, weil die Akustik im Stadion hier an der Stelle ein wenig schwächelte (aber sonst war sie während des ganzen Konzerts richtig angenehm, bis auf ganz wenige Hänger – vielleicht lag es am Regen?) … nach zehn Jahren bekam ich das Lied wieder live zu hören: „MY LOVE WILL NOT LET YOU DOWN“. Nach „Out In The Street“ holte der Boss ein riesiges Request-Schild, wo einerseits „Rosalita“ gewünscht wird und andererseits „Seaside Bar Song“.
In diesem Moment kam mir der Gedanke, dass ein aus Wien angereister Tramp namens E. mir tatsächlich wenige Stunden vor Konzertbeginn von seinem Mobiltelefon „Seaside Bar Song“ vorgespielt hat und da oben wird es tatsächlich live gespielt!!! Auch wenn das Zusammenspiel der Gitarren ein wenig gehapert hat, war die Nummer genial. Und ich traute meinen Augen nicht, dass Bruce auch die andere Seite des Requests nutzte und wir bekamen „ROSALITA“! 
Endlich ist er da!

"Rosalita (Come Out Tonight)"

"Death To My Hometown"
Nach „Wrecking Ball“ und „Death To My Hometown“ (Die Aufstellung der Musikanten gefällt mir.) zelebrierte Bruce mit uns den „Spirit In The Night“. Nun kündigte er an, dass das „Born In The U.S.A.“-Album „from start to finish“ gespielt wird. Just in dem Moment schießt der Gedanke der „Darkness“-Fanin durch den Kopf, dass sie gern ein anderes „full album“ hätte, aber dieser währte nur zwei Sekunden, weil gleich der nächste kam: Du bekommst endlich D-O-W-N-B-O-U-N-D  T-R-A-I-N! (Ha, hat wohl nicht geschadet, den Rufklingelton des Mobiltelefons geändert zu haben, weil man es sonst nie live zu hören bekommt!)
Von diesen Gedanken beseelt und auch noch die anderen fehlenden klasse Lieder „I’m Goin‘ Down“, „I’m On Fire“ und „My Hometown“ zu bekommen, habe ich noch nie so leidenschaftlich beim Titellied mitgesungen und mitgerockt. Bevor Bruce „Darlington County“ singen konnte, kam von uns ein langes „Sha la la la la la la…“ und die erste Strophe. Lustig auch zu sehen, wie Nils Bruce von hinten anhielt, damit die beiden gemeinsam die berühmt-berüchtigten „Little girl sitting in the window/ Ain't seen my buddy in seven days/ County man tells me the same thing/ He don't work and he don't get paid…“ singen konnten. Als endlich „DOWNBOUND TRAIN“ an der Reihe war, legte ich meine Hand aufs Herz, vergoss wieder ein paar Tränen, sang inbrünstig die Zeilen mit und war so glücklich, dass das Lied so stimmig herüberkam. „I’m On Fire“ war ein Traum, wenn nur nicht der Dodel in der ersten Reihe während des ganzen Liedes sein Schild hochgehalten hat und ich dadurch Bruce kaum sehen konnte. Von „No Surrender“ zu „Bobby Jean“ über „I’M GOIN‘ DOWN“ (Ja! Ja! Ja!) in den „Glory Days“ zu „Dancing In The Dark“ (also insgesamt fünf Lieder) hüpfte, tanzte, klatschte, sang ich fast durchgehend, so dass ich richtig froh über „MY HOMETOWN“ war. Wieder Hand aufs Herz, gedachte ich meiner Heimatstadt Erfurt – Bruce musste es auch kalt in den Händen haben, weil er während des Liedes ein Becher mit einem Heißgetränk in seinen beiden Händen hielt.

„Born In The U.S.A.“ war das von mir am wenigsten gewünschte Album bei einer möglichen „full album show“, aber verdammt, es war guuuuuut, es hat gerockt; die Nummern alle in der Reihenfolge live zu hören, war klass‘, auch wenn einem der Überraschungsmoment für ein paar Lieder „weggenommen“ wird… aber sch… drauf, es war super!
Die Akustikgitarre umgehangen, sah ich ein „Waitin‘ On A Sunny Day“ voraus, was auch dann stimmte. Aber weil es so schön regnete und nach „It’s rainin‘…“ ein Tramp hinter mir ein „YEAH!“ rief, ging ich mit. Nach „The Rising“ hätte ich Bruce „Lonesome Day“ wegen der notwendigen Armgymnastik bei „it’s alright it’s alright it’s alright – yeah“ gegönnt, aber es kam besser: „BADLANDS“. Ich weiß nicht, wie oft ich „Talk about a dream, try to make it real“ und „IT AIN’T NO SIN TO BE GLAD YOU’RE ALIVE“ in allen möglichen Variationen gehört habe, aber danke für die „heiligen“ Zeilen. „Pay Me My Money Down“ als erste Zugabe kam klasse an, „Born To Run“ läutete wieder den bitteren Vorgeschmack auf das baldige Ende ein. „Macht weiter“, war mein Gedanke, „mir ist gar nicht kalt!“ Die Videoeinblendung vom „Big Man“ und „Phantom“ in „Tenth Avenue Freeze-Out“ fand ich sehr gut umgesetzt und – wieder von Emotionen überwältigt – weitere Tränen mussten vergossen werden. Bruce deutete an, dass er nicht mehr will. Aber dennoch: „ROCKIN‘ ALL OVER THE WORLD“ … des hod gefetzt … und mit einem fulminanten „Twist & Shout“ verabschiedeten sich Bruce und die legendary E Street Band von uns, die „tougher than the Rest“ sind.
"Working On The Highway"

"Glory Days"

"Pay Me My Money Down"




"Twist & Shout"
Als das Konzert tatsächlich aus war, merkte ich erst dann wieder, dass es noch immer unerbittlich in Strömen regnete. Wie Alex es zutreffend beschrieben hat: Nach dem Konzert teilte sie mir mit, dass es ihr genauso dreckig wie mir ging, als wir im PIT auf den Beginn warteten, „aber als Bruce auf die Bühne kam, wurde es in mir richtig warm.“ So ging es mir auch und Bruce hat mit „Born In The U.S.A.“ auch das richtige Album zum Abrocken gegen den Regen gewählt. Dass das Konzert nicht einmal die drei Stunden erreicht hat, ist nebensächlich. Die ausführlichen Reden von Bruce machen auch die Konzertlänge aus, aber Bruce wusste, dass die Leute im PIT stundenlang der Kälte ausgesetzt waren und er wollte uns die „ruhigen“ Minuten nicht noch mehr zumuten. Ich hatte einen wunderbaren Platz im PIT, ich sah sehr viel von der Band und von Bruce, auf die Leinwände links und rechts sah ich kaum hin, weil ich diesen Mann auch endlich in natura ausmachen konnte. Er hat an diesem Abend viele Lieder gespielt, die ich bisher live noch nie gehört habe (11 von insgesamt 29 Liedern!)… und, verdammt, „Who’ll Stop The Rain“ in der wunderschön akustischen Version, „Long Walk Home“, „DOWNBOUND TRAIN“, "My Hometown" und „Rockin‘ All Over The World“. Ich bin dankbar. Dankbar… mit jedem einzelnen er-leb-ten Konzert. Ich freue mich schon sehr auf das nächste Mal.

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