Freitag, 7. Juni 2013

03.06.2013 - Bruce Springsteen and the E Street Band im San Siro


Unwirklich…
Wenn ich die folgenden Zeilen geschrieben habe, dann weiß ich, ich habe das alles nicht geträumt (obwohl ich schon Ausschnitte von Bruce Springsteen-Konzerten geträumt habe).
Vergangenes Jahr war ich das erste Mal bei Bruce Springsteen and the E Street Band im San Siro und bekam ein grandioses Konzert. Obwohl ich mir hohe Erwartungen in San Siro 2012 gesteckt habe und  Frankfurt/Main 2012 mich auch noch ziemlich geputscht hat, war ich im Nachhinein von der Setliste… hm, ein wenig… enttäuscht. „The Promise“ solo am Piano war der Höhepunkt des Abends, aber der Großteil des Konzerts hat mich an Frankfurt/Main erinnert. Die beiden Konzerte lagen auch nicht einmal zwei Wochen auseinander… trotz allem war die euphorische Stimmung im San Siro unvergleichlich!

Dass Bruce 2013 wieder ins San Siro zurückkehren würde, habe ich nicht für möglich gehalten, aber Hotel, Karte und Flug wurden sehr bald gebucht. Ich wollte einfach wieder den „Spirit“ im San Siro einfangen. Nachdem München 2013 für mich die Latte wieder hochgelegt hat, wollte ich mir erst recht nichts mehr für San Siro 2013 erwarten. Die Hauptsache ist: Du bist wieder dort – in diesem Stadion!

Hier schreibe ich recht viel von "Erwartungen": Wenn man solche Konzerte in der Größenordnung vor sich hat, kommen diese Zustände namens E. häufig vor. Und nach bisher (wenn auch nur) acht Konzerten hat man erst recht solche Gedanken und Gefühle...

Da Bruce und die E Street Band bei der „Wrecking Ball Tour Europe 2013“ hin und wieder „full album shows“ spielen, war damit zu rechnen, dass im San Siro das „Born In The U.S.A.“- Album gespielt wird. (Das erste Italien-Konzert fand am 21. Juni 1985 im San Siro statt und wer das Video vom Konzert gesehen hat, weiß, dass der Zauber seitdem ungebrochen ist.) Dadurch, dass ich in München wegen dem Wetter das Album schon zu hören bekam, sah ich das Konzert im San Siro auch wieder mit gemischten Gefühlen entgegen – aber das Wichtigste ist, Bruce und die E Street Band sind auf der Bühne und werden wieder alles geben!

Mailand:
Nachdem die Sori schon vergangenes Jahr Mailand besucht hat, war sie dieses Mal mutig genug, den Flug und alles weitere alleine unternehmen zu können. Im Fokker 100 der AUA bekam ich „unfreiwillig“ einen Fensterplatz, aber wie heißt es so schön: Die faszinierendsten Bilder, die man sieht, behält man im Kopf und während des Fluges habe ich auf die schneebedeckten Berge und auf das Castello Sforzesco von Mailand blicken können – unbeschreiblich schön! Auf den Weg zum Hotel eine italienische Tramp kennengelernt, die alle San Siro-Konzerte und darüber hinaus erlebt hat, total freundliche und entgegenkommende Mitarbeiter an der Rezeption, an der Mailänder Gastronomie nichts zu bemängeln (nach wie vor und immer noch keine Pizza gegessen), am Tag des Konzerts das sonnige Zentrum genossen und am Tag danach leider zu wenig vom Navigli-Viertel gesehen. Auch markant, dass ich beim Frühstückstisch jemanden aus dem stonepony.de-Forum kennengelernt habe (Gruß an sunny-day!). Warum ich wieder in das grau-kalte Wien zurückgeflogen bin, ist mir bis heute immer noch ein Rätsel… 

San Siro, 3. Juni 2013:


Ich kam kurz nach 18 Uhr zum San Siro und hatte die Wahl, ein Ingresso von 2 bis 10 zu betreten. Ich entschied mich für „Ingresso 4“, weil ich letztes Jahr das Stadion durch diesen Eingang betreten habe. Ich  entdeckte einen freien Platz recht weit hinten und konnte mich an einer Absperrung anlehnen. Sprach einen Tramp an, ob es eine „Pre Show“ gegeben hat, er verneinte und teilte mir noch mit, dass sie alle vergeblich darauf gehofft hätten. Also, zum Glück noch nichts verpasst und kurze Zeit später traf ich nette Bekannte aus dem river.at-Forum und schloss mich ihnen an, wir kamen weiter nach vorne und befanden uns links von der Bühne. (Im Nachhinein positiv zu erwähnen, dass ich an diesem Platz viel mehr von der Bühne und Bruce sehen konnte als voriges Jahr im PIT.)

Konzert:
Ungewöhnlich „pünktlich“ (mit einer Viertelstunde Verspätung) betraten die Mitglieder der E Street Band die Bühne und bevor Bruce in Erscheinung trat, wurde von den Tribünenplätzen eine tolle Choreographie aus Schildern mit „OUR LOVE IS REAL – NYCS“ vorgeführt.

Bruce verschlug es erst einmal die Sprache, lächelte, schwur ein „Ti amo Milano“ und nun wurde das Konzert mit einem bombastischen „LAND OF HOPE AND DREAMS“ eröffnet. Weil die „LOVE REAL“ ist, hörte „My Love Will Not Let You Down“ noch lange nicht auf, indem wir diese Worte weiter sangen. Nach „Out In The Street“ wurden fleißig Schilder gesammelt und ich verfiel in kurzes und verwundertes Staunen, dass nun das eigentlich als Schlusslied bekannte „American Land“ gespielt wurde – naja, wenigstens konnte ich es gleich hinter mir haben. Als nächstes Schild wurde „Good Golly Miss Molly“ gezeigt, wobei aber „Long Tall Sally“ gespielt wurde. (Hier hoffte ich noch kurz auf das „Detroit Medley“ – aber ich bin dankbar, dass ich es in München 2009 bekommen habe.) Das kochende San Siro war schon längst am Brodeln. „Loose Ends“ war einfach nur wunderschön, hat mir sogar besser gefallen als Wien 2012 (Dort hat der Sound nicht mehr mit Klang zu tun gehabt!), das leidenschaftliche „loooooooohooooooooooos ends“ von Bruce und Stevie am Ende des Liedes war nicht ohne.
So nach dem Motto „Wrecking Ball Tour 2013“ wurden „Wrecking Ball“ und „Death To My Hometown“ gespielt, ein weiteres request wurde erfüllt: „ATLANTIC CITY“ – wunderschön und danke, dass ich es nach München 2009 wieder erleben durfte. Nach „The River“ und einem besonders langen Outtro sprach Bruce italienisch, ich fühlte das „Born In The U.S.A.“-Album kommen, verstanden habe ich nichts außer… „Born In The U.S.A.“. Und hier... man muss dabei gewesen sein, um zu sehen wie unbeschreiblich riesiger Jubel vom Publikum aufbrandete. Ich grinste nur breit, musste an das Regenkonzert in München denken und bei „Cover Me“ war der „rain“ tatsächlich „outside“ – unvergesslich, wie Nils bei seinem Solo die Saiten mit seinen Zähnen bearbeitete. Hier erlaube ich mir, Vergleiche anzustellen: In München wurde das Album wegen dem Wetter gespielt, im San Siro wurde das Album für das Publikum gespielt und bezüglich Reaktionen des Münchner und Mailänder Publikums auf dieses „full album“ waren WELTEN dazwischen. So ging es tatsächlich Lied für Lied durch, auf ein neuerliches „DOWNBOUND TRAIN“ freute ich mich sehr, diese kam auch wieder sehr stimmungsvoll herüber. „No Surrender“ wurde ohne Startschwierigkeiten und mit der Dynamik, die das Lied ausmacht, gespielt und bei „BOBBY JEAN“ bekam ich nach den Schlusszeilen „… and I’m just calling one last time not to change your mind/ But just to say I miss you baby, good luck good bye Bobby Jean“ und anschließend ergreifendem Saxophon-Solo tatsächlich Pipi in den Augen. (Passiert mir oft beim privaten Hören des Liedes, aber live hat es schon sechs Anläufe gebraucht…) 
Kommt es mir nur so vor, oder stimmt es, dass Jake die längsten und emotionalsten Saxophon-Soli von „Dancing In The Dark“ im San Siro spielt?

„Shackled & Drawn“ wurde zelebriert: Cindy bekam doch noch ihren Auftritt, nachdem „Spirit In The Night“ von der Setliste gestrichen wurde. Bei „Waitin‘ On A Sunny Day“ fragte ich mich, wie oft das Mädel ihren Part vor dem Spiegel einstudiert hat, dennoch war nicht zu übersehen, wie sehr sie sich freute, auf Onkel Bruces Schulter zu sitzen. Nach einem atmosphärischen „The Rising“ hauten Bruce und die E Street Band „BADLANDS“ heraus. Ich habe über meinen Traum „San Siro“ gesprochen und habe es nun wieder zu realisieren versucht. Es wurde gesungen, gehüpft, getanzt, ich schwitzte schon längst, es waren diesmal keine Regentropfen, die herunter rannen, sondern Schweißperlen. Es war heiß und stickig im San Siro, ab und zu wenig wehte ein angenehmes Lüftchen. Nach „Hungry Heart“ spielte Bruce als Dankeschön für das Publikum „THIS LAND IS YOUR LAND“ und schaffte eine wunderbare Überleitung zu „WE ARE ALIVE“, die nach den Australien-Konzerten endlich wieder in die Setliste zurückgekehrt ist! Bei „Born To Run“ wurde wieder die Tribünenchoreographie gezeigt und „Tenth Avenue Freeze-Out“ berührte mich aufs Neue. 






Nach „Twist & Shout“ geschah etwas, was ich als unfassbar, unwirklich, unrealistisch, all-die-ganzen-nicht-zu-beschreibenden-Worte einordnen kann: Kaum stimmten Bruce und die E Street Band „SHOUT“ an, zuckte das Stehpublikum aus und tanzte wie wild im grellen Stadionlicht herum… noch nie erlebt… ich sehe die leicht bizarre Bilderfolge vor mir… habe ich das tatsächlich gesehen... nein, nicht wirklich.
Und wie wir alle dann in die Knie gegangen sind:

 Bruce schrie noch ein „I’M JUST A PRISONER… OF ROCK’N’ROLL!“.

… soll das alles gewesen sein?

Die Menge skandierte ein „BRUCE“, der Boss verabschiedet seine Mitstreiter und ich sehe auf dem Bildschirm, dass eine Akustikgitarre nach oben gereicht wird – Jubelschrei aus meiner Kehle! 


Ich habe bisher viele schöne Konzerte erlebt, von Bruce habe ich nur schöne Konzerte bekommen, aber mit dieser Version von „THUNDER ROAD“ habe ich mein allerschönstes Schlusslied erlebt… Gänsehautgefühl, froh, wieder nach Mailand geflogen zu sein, unendlich dankbar, in diesem Stadion zu sein und dann dieses Lied, das mir vor zehn Jahren bei meinem ersten Springsteen-Konzert die Augen und Ohren geöffnet hat… 

 „[…] So you're scared and you're thinking
That maybe we ain't that young anymore
Show a little faith, there's magic in the night
You ain't a beauty but hey you're all right
Oh and that's all right with me […]“

Ich hatte Tränen in den Augen.

1 Kommentar:

  1. Sorina! " i like" deinen blog hier sehr! - war zwar 2013 nicht in Milano mit dabei :-( ,kann aber so sehr mitfühlen, wie es dir dabei ging :-)

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