Sonntag, 6. Oktober 2013

03.10.2013 - Peter Gabriel in der Wiener Stadthalle

Wenn ich mich richtig erinnern kann, wurde die "Back to Front 2013"-Tournee in Europa Anfang Dezember 2012 angekündigt. Auf den Webseiten der Ticketverkaufsstellen wurde das Foto vom "jungen" Peter Gabriel gezeigt und ich wunderte mich, warum ausgerechnet das Cover von seinem bekanntesten Album "So" präsentiert wurde. Aber ich ging nicht näher darauf ein, weil ich nicht vorhatte, mir noch andere "teure" Konzerte neben die von Bruce Springsteen and the E Street Band anzuschauen.
Irgendwann stolperte ich über den offiziellen Pressetext der "Back To Front"-Tournee und las mit wachsendem Interesse, was Peter Gabriel bei diesen Konzerten darbieten will: Das komplette "So"-Album ("Sledgehammer", "Don't Give Up" und "In Your Eyes" haben mir schon immer sehr gut gefallen.) und dazu wird die Live-Band von der damaligen "So"-Tournee reaktiviert und an den Tasten wird kein Geringerer spielen als - David Sancious! Der Mann war doch an "Greetings From Asbury Park, N.J.", "The Wild, The Innocent And The E Street Shuffle" und am Lied "Born To Run" beteiligt - also, Sori, was nun?
Ich überlegte noch lange, der Preis für eine Stehplatzkarte war abschreckend teuer genug - trotz Vergünstigung bei dem Kreditinstitut, wo ich die Karte doch noch kaufte.

Um mich auf das Konzert einzustimmen, kaufte ich mir die "25th Anniversary Edition" von "So" - das eigentliche Album und die Doppel-CD "Live in Athens" sind eine Investition wert. Ansonsten kenne ich von Peter Gabriel dank MTV das nervige "Shock The Monkey", das klaustrophobisch wirkende "Diggin' In The Dirt", "Steam" und "Lovetown". Die Anti-Apartheid-Hymne "Biko" hatten wir sogar im Musikunterricht kurz besprochen (muss 1997 gewesen sein) und in "Come Talk To Me" verliebte ich mich rettungslos, als ich das Video EINMAL (Man bedenke, früher gab es kein Internet, kein YouTube und deswegen die VHS "Secret World Live" kaufen?) auf MTV flimmern sah ... die Telefonzelle steigt auf, Peter singt die ersten Zeilen, er verlässt die Zelle und zieht den Telefonhörer samt Kabel aus der Zelle heraus...
Genug in der Vergangenheit herumgeritten - also, die Sori war nicht so ahnungslos, wie sie dann am 3. Oktober zur Stadthalle gekommen ist. Sie traf dort drei nette Bekannte aus dem Springsteen-Fankreis und bei einem guten Platz konnte nun das Konzert losgehen.
Kurz nach 20 Uhr erschien Peter Gabriel auf die Bühne, in diesem Moment brandete lauter Jubel von der recht gut gefüllten Halle D auf und - auch wenn ich mich nicht als Fan von PG bezeichnen kann - ich freute mich tatsächlich und fühlte, wie mein Herz so etwas wie einen Sprung machte. Peter Gabriel kündigte die Vorgruppe an, es stellte sich heraus, dass die beiden Damen, Jennie Abrahamson & Linnea Olsson, nachher noch die "Backing Vocals" beim eigentlichen Konzert sangen. Aber erst einmal bekamen wir für eine knappe halbe Stunde wunderbare Stücke mit Streicher und Klavier zu hören. Gegen 20:30 Uhr kam Peter Gabriel wieder zurück und las in beinahe perfektem Deutsch die Menüfolge für das kommende Konzert vor. Bassist Tony Levin erschien auf die Bühne und nun gab es "O But" zu hören. Nachher erschienen die restlichen Bandmitglieder, David Rhodes (g), David Sancious (key), Manu Katché (dr) und die beiden oben erwähnten Sängerinnen. Und nun ertönte ein kraftvolles "Ah please talk to me..." - "COME TALK TO ME". Mir hat die Telefonzelle gefehlt, aber die akustische Version berührte mich mit einer solchen Intensität und ich war so dankbar, bei meinem "Einmal-Peter-Gabriel-Live-Sehen" auch dieses Lied zu bekommen. "Shock The Monkey" kam im akustischen Gewand richtig klasse herüber, obwohl ich das Lied eigentlich nie richtig gemocht hatte. Nach "Family Snapshot" wurde endlich das irritierende Saallicht in der Halle ausgeschalten und ich tauchte in Erinnerungen unter, als oben "Diggin' In The Dirt" blitzte und krachte. Der elektrische Teil, der optisch auch sehr ansprechend war, wurde unter anderem von "Secret World" und "Solsbury Hill" bespielt, bis wir die "Nachspeise" serviert bekamen.


Nun ging es an das Eingemachte. Eröffnet wurde das "Dessert" mit "Red Rain", welches optisch und akustisch ein Genuss war. Nun fuhr der Nostalgiezug weiter nach "Sledgehammer" - was soll ich als "Durchschnittsfan" schreiben? Ich habe mich gefreut, das Lied live zu hören und zu sehen. Das Publikum, von jung bis alt, rockte mit. Weiter ging es mit "Don't Give Up" - Jennie hat den Part von Kate Bush übernommen und diesen mit Bravour gemeistert, was auch vom Publikum deutlich zu hören ist. Bevor Peter tatsächlich mit dem Koffer von der Bühne weggehen wollte, wurde zum Schluss ein trotzig-aufmunterndes "Don't Give Up" in beinahe Endlosschleife gerufen.
"Red Rain"

"Don't Give Up"
Nach "That Voice Again" kam dann mein eigentlicher Höhepunkt aus dem "So"-Album: "Mercy Street". Während das Lied gespielt wurde, lag Peter auf dem Boden und singend drehte, wand, fürchtete und träumte er schlecht von "Mercy Street". Das Ganze verfolgte ich auf der linksseitigen Leinwand, ein Loslösen von diesem Bildschirm war unmöglich...
Die ersten Akkorde von "Big Time" schreckten uns auf und es wurde wieder mitgeschunkelt. Nach "We Do What We're Told (milgram's 37)" und einem starken "This Is The Picture (excellent birds)" wurde das letzte Lied aus dem erfolgreichen Album gespielt - "In Your Eyes". In Erinnerung werde ich behalten, dass ich während dieses Liedes öfters zur Nordtribüne schauen musste und dabei mit einem Lächeln eine Frau beobachtete, die sich als einzige aus ihrem Sitzplatz erhoben hat und hingebungsvoll zu diesem Lied tanzte.
"Big Time"
Auf der Webseite von stadthalle.com wurde das voraussichtliche Ende von 22:30 Uhr angekündigt. Ich sah zufälligerweise auf die Uhr und dort stand die angekündigte Uhrzeit. Peter Gabriel und Band verbeugten sich vor dem Publikum und gingen ab. Kann das schon alles gewesen sein? Nein, zum Glück gibt es auch Zugaben nach der sehr appetitlichen Nachspeise.
"The Tower That Ate The People" war für eine Zugabe sehr opulent: Der Lichtzylinder, der bisher mit mehreren Scheinwerfern die Bühne beleuchtet hat, fuhr nach unten, teilte sich und fing Peter in einem "Tower" ein.


Einmal geht's noch... Peter positionierte den Mikrofonständer in die Mitte, erwähnte "It was September..." - es konnte nur "BIKO" sein. Hier an der Stelle schwächelte der Sound ein wenig, der aber während des ganzen Konzerts für mich und für meine Hörgeräte (im Musik-Modus eingeschalten) sehr optimal war. Finger weg vom Fotoapparat, ich konnte mein anderes Lieblingslied von PG aus dem Nicht-"So" hören und es war einfach beeindruckend, dass wir alle nach "This is for Steve Biko!" die Fäuste in die Höhe streckten und mitsangen - und Peter Gabriel verließ mit ausgestreckter Faust in die Höhe die Bühne, bei jedem "Oh oh ooooh" gingen die Bandmitglieder nach und nach von der Bühne ab, als letzter Manu Katché, die Musik verstummte, Foto von Steve Biko wurde auf der Leinwand gezeigt und ein schöner, teilweise nostalgischer, aber sehr berührender Konzertabend ging zu Ende.

Artikel aus vienna.at
Artikel aus kurier.at
Tony Levins Fototagebuch - sehenswert!

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