Mittwoch, 4. Dezember 2013

02.12.2013 - Dave Hause im Chaya Fuera, Wien


Ich habe mich noch nie vor einem Konzert körperlich schlecht gefühlt (Beginnende Verkühlung? Oder ist das schon Fieber? Oder noch mehr? Ich war in diesem Herbst bisher gesund, mein ritueller Schnupfen im Oktober blieb aus, weil einfach zu mild.) – die vernünftige Reaktion wäre: Das Konzert auslassen und daheim bleiben. In der vergangenen Zeit passierte mir dies nur ganz wenige Male.
Bloß, wenige Stunden vor dem Konzert lief die „Resolutions“ in der Anlage und als die ersten Takte von „Prague (Revive Me)“ erklangen, fühlte ich mich vom „RE-VIIIIVE ME“ angetrieben und auf das Konzert freute ich mich schon seit dem Kartenkauf Mitte August 2013.
Dave Hause erlebte ich auch schon wenige Male live (Revival Tour 2011, Wien 2012, Ramones-Museum und C-Halle in Berlin 2012), ich mag seine Musik und seine für mich starke Darbietung auf seinen Konzerten. Und dann so eine Gelegenheit auslassen? Mag sein, dass ich beim Konzert zusammenbrechen könnte, am nächsten Tag für den Rest der Woche nicht auf Arbeit komme… soll es geschehen! Aber nichts von dem ist passiert und ich war dennoch auf dem Konzert. Optisch hatte ich nicht viel davon, aber akustisch manchmal zu viel.
Wegen großer Nachfrage wurde das Konzert vom B72 in das Chaya Fuera verlegt. Ich glaube, freiwillig werde ich die Location nicht wieder aufsuchen. Das Ambiente und Personal dort war mir ein wenig zu etepetete und ein Krügerl Zipfer kostet 4 EUR. Hätte man Dave nicht in die kleine Halle von der Arena schicken können? 

Den „Support“ machte ein Musikant, der sich „Northcote“ nennt. Ein Chuck-Ragan-ähnlicher Typ, nur größer, bulliger und mit einer besseren Stimme ausgestattet. Aber Chuck hat etwas, was Matt nicht hat: Charisma. Dafür lief im Publikum einer herum, der eine Mini-Ausgabe von Chuck Ragan sein könnte. Northcote war wirklich klass‘ – aus oben beschriebenen Gründen hielt ich mich im Hintergrund des Clubs auf (deshalb spärliche Fotoergebnisse, ansonsten wollte ich mich dem Musikgenuss widmen). Nur, ich konnte nicht entspannt der Musik von Northcote zuhorchen, weil irgendwelche Leute, die sich auch eher hinten als vorne aufhielten, andauernd dumm redeten, sich fotografieren ließen und zwei Tussis vor mir besprachen ihrer Haarfrisuren recht ausführlich, während Matt oben sein Gig meisterte… geht’s noch??? Es war mir einfach zu unruhig, in der Pause stieg der Lärmpegel ins Unermessliche. So etwas sollte ich gewöhnt sein, aber es hat einfach nur genervt und ich hoffte auf das baldige Erscheinen von Dave Hause, damit ein wenig Ruhe einkehren konnte.
Northcote

Dave Hause

Nun war er da, mit „Damascus“ aus seinem aktuellen Album „Devour“ hat er ein passendes Eröffnungslied gefunden. „I promised this wouldn’t happen to me.“ Ich fühlte mich in dieses „Don’t let your heavy heart drag you down“ hinein und verfiel in den „Autism Vaccine Blues“. Nach den hoffnungsschimmernden „Just promise you’ll stay mine/ Just promise it’ll all work out fine“ in „Melanin“ freute ich mich, als ich die ersten Takte von „We Could Be Kings“ erkannte. Ich konnte dieses Lied schon vor der Veröffentlichung von „Devour“ hören und war zuversichtlich gestimmt, dass Soloalbum Nr. 2 genauso gut wie „Resolutions“ sein würde. „We Could Be Kings“ ist für mich ein eher ernsthaftes Lied, die möglicherweise das Zeug zu einer Hymne hat, aber an diesem Abend kam es zu partykrachermäßig herüber. „Oh no did it rip you apart to be told we could be kings/ When we were damned from the start.“ „The Great Depression“ spielte Dave auf dem Piano, was mir sehr gut gefallen hat und da es für mich ruhig, aber stimmig herüberkam, wurden die anderen in meiner Nähe wieder unruhig… WTF?! Nach „Rankers & Rotters“ ertönte mein weiterer Favorit aus „Devour“: „My Father’s Son“ - „But fear is like a self fulfilling prophecy.“ Dem ist nichts hinzufügen.

Und ein „Time Will Tell“ brachte mich kurz ins Grübeln, ob ich meinen eher kritischen gesundheitlichen Zustand mit einem weiteren Seiterl fördern sollte. Ich tat es, in dem ich zur Bar ging und mir noch ein weiteres Bier gönnte und auf der Bühne kam Matt wieder. Aus anderen Quellen habe ich erfahren, dass die beiden auch eine Art „Revival Tour“ begehen und gern wieder nach Europa zurückkehren wollen. Nach „Same Disease“ (ist ein Lied von Dave Hauses Punk-Rock-Band „The Loved Ones“) wurden die „Klassiker“ (wenn auch nur über zwei Jahre alt) „Pray For Tucson“ und „Resolutions“ gespielt. „The things we’ve known feel like they’re dying a little everyday…“
„Bricks“ erzählt vom Verlassenwerden, von Vergangenheit und Aufbruch, nur motivierend, dass im Anschluss „The Shine“ gespielt wurde. Nach einem nicht enden-wollenden „If you’ve got the shine, shine on…“ ging Dave von der Bühne ab, schon bald wurde „ZUGABE!“ gerufen. „C’mon Kid“ musste einfach sein und ich wünschte mir, dass er auf „Prague (Revive Me)“ nicht verzichten soll. Nach dem treibenden „C’mon Kid“ wurde gemeinsam mit Matt ein Lied gespielt und die beiden spielten dann – die ersten Takte sind einfach unverwechselbar zum Erkennen: „PRAGUE (REVIVE ME)“. Ich war dankbar, fühlte mich ein wenig besser und schlitterte in den „Was-Nachher-Geschieht-Is-Ma-Wuascht“-Zustand hinein. „Oh let it revive me, carry on carrying the fire/ Oh let it revive me, finding peace for a little while/ For a little while.“
Dave gemeinsam mit Matt
Es war für mich nicht das beste Live-Erlebnis von Dave Hause - aber auf ein nächstes Mal freue ich mich. Und überhaupt, es ist einfach klass', seine Musik zu hören. Dass es diesen Musikanten gibt.
[Zitate kursiv stammen aus den Texten von Dave Hause.]

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