Mittwoch, 12. August 2015

Hörgeräte-Tagebuch # 9

Die Fortsetzung von Hörgeräte-Tagebuch # 8:
Nun sind wir beim 8. Mai 2015 angelangt, ich hatte auf Arbeit wieder ein solches „Schlüsselerlebnis“. Ich nahm mir nun vor, bei der bevorstehenden Sitzung dem Hörgeräteakustiker mein Anliegen mitzuteilen. Stellte er tatsächlich fest, dass der Schlauch von meinem linken Ohrpassstück gerissen ist, was das häufig auftretende Pfeifen meines linken Hörgerätes erklärt. Ich erinnerte mich an die Rückmeldung wegen dem unangenehmen Rauschen, welches von meinem linken Hörgerät ausging und ich beschrieb ihm auch die Eindrücke. Der Akustiker selbst nahm auch ein unangenehmes Rauschen in der Nähe meines mit dem Hörsystem besetztes linkes Ohr wahr und veränderte nun im Studio die Einstellung an meinem linken Hörsystem. Das sollte nun behoben sein!
Zum Hörtraining: Zuerst starteten wir mit – Überraschung! – dem Richtungshören. Auf die wollte ich keinen Pfifferling geben, weil das unschöne Hörerlebnis auf Arbeit noch an mir nagte. Dann wurde – ohne die Silben zu trainieren – gleich mit den „S“-, „CH“- und „SCH“-Wörtern geübt. Es war wieder eine Herausforderung, auch weil ich sehr oft in meinem inneren Wortschatzlexikon durchwühlen und nach einem möglichst passenden Wort suchen musste. Diese Wörter erhielten eine höhere Wertung, als dazu der Störlärm eingeschaltet wurde.

Im Nachhinein war es doch eine gute, befriedigende Sitzung. Es stehen mir noch die letzten zwei von zehn bevor, ich denke über eine Fortsetzung im Herbst nach.

Die neunte Sitzung am 13. Mai 2015 war extremst befriedigend. Ich sollte öfters an „ruhigeren“ Arbeitstagen in der Mittagspause vom Büro weghüpfen und eine solche Sitzung absolvieren. Das Richtungshören hat sehr gut funktioniert, ich war entspannt – auch wenn mir bewusst war, dass mir für den Rest des Tages und auch für die nächsten Tage volles Programm bevorstand. Dann wurden die Wörter mit den Zischlauten wiederholt, ging sehr gut – auch mit Einsatz von Störlärm. (Der Störlärm gab die Geräuschkulisse in einem gut besuchten Restaurant wieder.) Erforderte zwar hohe Konzentration, holte viel aus mir heraus. Aber gut. Kurze Pause. Nun die Wörter mit den „W“- und „F“-Silben, verlief auch mit Störlärm ganz gut. Da uns noch fünf Minuten überblieben, schlug ich vor, wieder die Silbenübungen zur „Auflockerung“ durchzuziehen. 

„Edu, adu, es, uso, es, ige, ela…“ – es ist nicht ganz ohne, diese scheinbar sinnlosen Silben richtig hören und wiederholen zu können. Aber es hat gefruchtet.

Ich teilte SW mit, dass die letzten Sitzungen in meinen Augen erfolgreich waren und fragte, woran es liegen möge. 
An meinem innerlich psychischen – trotz allem – ausgeruhten Zustand? Lernfortschritte? Eingewöhnung? Bewusstsein?

Am Mittwoch, 3. Juni 2015 wird die letzte Sitzung stattfinden. Schauen wir dann, wie es weitergeht. Auf jeden Fall hat sich das Ganze gelohnt, das kann ich seit der siebenten Sitzung sagen.

Zur zehnten und letzten Sitzung am 03.06.2015 schrieb ich folgendes: Aufgrund der Feiertage lag der zeitliche Abstand zwischen den letzten beiden Sitzungen etwas weit auseinander. Was aber im Hinblick auf die kommende letzte Sitzung überhaupt nicht schadete. Am Vormittag des 3. Juni 2015 erinnerte ich mich an meine persönlichen Ereignisse des 3. Juni vergangener Jahre. Mir fiel nur ein, dass ich am 3. Juni 2004 bei Phil Collins in der Stadthalle war und ein schönes Konzert bekam. (Auch heute werde ich immer wieder berührt, wenn ich an „A Groovy Kind Of Love“ denke oder ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie ich ausgelassen zu „Dance Into The Light“ tanzte und mitsang. „Because the train is coming to carry you home/Come dance with me…“) Beschämenderweise fiel mir viel viel später ein, dass der 3. Juni 2013 noch beeindruckender war: SAN SIRO. Dabei habe ich auf Arbeit ein Foto von der „OUR LOVE IS REAL“-Choreographie als einer der stündlich wechselnden Hintergrundbilder auf meinem Bildschirm. 

Naja, abgesehen davon hatte ich auf Arbeit auch einen anspruchsvollen Tag gehabt und ich fragte mich, wie sich die Arbeit auf die Sitzung auswirken würde. In den letzten fünfzehn Minuten im Büro gelangen mir perfekte Korrekturbuchungen und beschwingt von dem, marschierte ich nun ins Hörstudio. Richtungshören mit einer Trefferquote von geschätzten 98,5 % - wow, kann’s noch besser werden? Das Abhören und Wiederholen von zusammenhanglosen Wörtern mit/ohne Störlärm verlief so gut wie einwandfrei. An einen erheiternden Moment erinnere ich mich, als SW mir das Wort „Bild“ vorlas und ich „Pils“ wiedergab. Sie: „Nein, B-I-L-D.“, wobei ich sie ansah und das Ganze mit einem „Ich kann wohl mein Bier heute Abend kaum erwarten.“ kommentierte.

Ich schlug ihr zum Schluss, quasi zur Auflockerung, vor, die scheinbar sinnlosen Silben mit mir zu trainieren. Anscheinend hatte ich meinen perfekt-sarkastischen Tag, weil SW mich ungläubig ansah, dass ich das Abhören und Wiedergeben der Silben als „Auflockerung“ bezeichnete.

Nun kam das Unvermeidbare. Die letzte Stunde war um.
1. Was habe ich nun davon?
2. Was lerne ich daraus?
3. Was mache ich anders?

Die drei Fragen versuche ich in einem Ganzen zu beantworten: Auf jeden Fall bin ich sensibler geworden, darauf zu achten, WAS für Geräusche mir in die Ohren kommen – natürlich, mangels einer guthörenden Begleitperson ist es ein schwierig, diese richtig interpretieren zu können. Aber ich trainiere darauf und versuche zu orten, WOHER das Geräusch kommt. Alles in allem nicht einfach, weil wir in einer lärmüberfluteten Welt leben. Ich glaube, meine geneigten Leser wissen, was ich meine und ich erspare es mir, näher darauf einzugehen.

Gut taten mir das Artikulieren der scheinbar sinnlosen Silben und der Wörter mit den Zischlauten. Ich versuche mir seit Jahren bewusst zu machen, beim Sprechen auf die Zischlaute zu achten. Seit dem Hörtraining mache ich dies bewusster und ich beobachte auch meine Gesprächspartner dabei, wie sie mein Gesagtes aufnehmen. Es ist ein lebenslanges Lernen…

Ich strebe weitere logopädische Stunden mit speziellem Augenmerk auf meine neuralgischen Punkte, Zischlaute, und auch das Training der Sprachmelodie an. Aber meine Freizeit (die Zeit neben der Arbeit) ist auch sonst sehr ausgefüllt und ich glaube, dass eine Pause für wenige Monate auch nicht schadet, um weiter Resümee ziehen zu können und neue hörenswerte Erkenntnisse zu sammeln.

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