Donnerstag, 22. August 2013

Hörgeräte-Tagebuch # 2

Seit Dienstag, 20. August trage ich die GN ReSound und habe mich wieder mit "Thees Uhlmann" von Thees Uhlmann in beinahe Dauerrotation und darüber hinaus angefreundet, doch lest selbst, was vorher geschah: Für den Dienstag, 13. August bekam ich schon für 8 Uhr einen Termin, obwohl das Institut offiziell erst um 9 Uhr öffnet, aber ich wollte die liebe Arbeit nicht so lange liegen lassen. Doch bevor ich an diesem Dienstagmorgen das Studio betreten konnte, sah ich von weitem eine ältere Dame vor dem Geschäftslokal stehen und sie wurde hineingelassen. Ich fragte mich schon, woher sie kam, aber meine nette Akustikerin konnte sie ja nicht abweisen… das Glück der alten Dame, mein „kleines“ Pech, dadurch verlor ich eine halbe Stunde, die ich mit Kaffeetrinken und belustigtem Zuschauen in Richtung Dame und Akustikerin vertrödelte. Das übliche halt: „Ich höre nichts mehr.“ „Das sind aber sehr gute Hörgeräte. Sie können sogar die Lautstärke aufdrehen.“ Verwundert: „Aha.“ „Aber ja natürlich…“ So wie das Leben halt spielt.
Nun wurde mir die gewünschte Aufmerksamkeit zuteil und ich wurde gefragt, wie es mir die letzten Tage ergangen sei. Ich berichtete ihr von meinen Eindrücken, die ich im ersten Tagebuch-Eintrag verfasst habe und teilte ihr auch mit, dass ich das Gefühl hatte, dass die Hörgeräte generell zu laut eingestellt seien und ich beim Musikhören/Fernschauen via ComPilot die Lautstärke nicht weiter herunter regulieren konnte, weil der „Weiter-geht’s-nicht.“-Doppelpiepser ertönte. Die Annehmlichkeiten des ComPilots und des dazu gehörigen TV LinkS habe ich auch nicht ausgelassen… einfach super, wie viel ungeahnte Möglichkeiten man heutzutage mit Hörgeräten hat. Außerdem bekenne ich mich dazu, dass die Phonak Naida Q vom Design her sehr schön sind und ich nicht unbedingt ein braunes Gehäuse brauchen würde wie noch beim ersten Termin gewünscht.
Nun machten wir uns an die restlichen 1 ½ Stunden heran, um die Einstellungen der Phonak-Hörgeräte anzupassen. Ich hörte wieder das ständige Rauschen, Dialoge, ein weiteres Programm namens „Straßenlärm“ wurde hinzugefügt. Markant, als wir dann das Geschäftslokal verließen und auf der Straße standen. Wir dankten für die Gelegenheit, dass gegenüber von der Straße ein lauter LKW sich in Aktion setzte und wir fummelten an meinem Hörgerät herum, um die Situation zu optimieren. So war auch ein normales Gespräch unter diesen akustisch unschönen Bedingungen möglich. Die Zeit verrann und so einigten wir uns auf einen neuen Termin, um die Anpassung des nächsten Paar Hörgeräte vorzunehmen.
Auch wenn meine Vorfreude, noch an diesem Tag neue Hörgeräte ausprobieren zu können, dadurch etwas getrübt war, ich war dennoch sehr erleichtert, dass an den Phonaks die Einstellungen verändert worden sind, so dass ich mit wenig „Pein“ das Studio verließ und zur Arbeit marschierte. Straßenverkehrslärm angenehm, im Büro war die allgegenwärtige Kakophonie wieder zum Gewöhnen und ich konnte am Abend ein Konzert im Theater am Spittelberg genießen, mit „Die Strottern“ erlebte ich eine angenehme Premiere.
13.08.2013 - Die Strottern im Theater am Spittelberg

14. August 2013 – 23:15 Uhr: 
Seit wenigen Stunden trage ich wieder die Phonak-Hörgeräte und befinde mich gerade im neulich hinzugefügten Modus 3 namens „Musik“ und entdecke meine „Crazy Heart“-CD neu.

Heute Morgen um 8 Uhr berichtete ich der Akustikerin, dass ich mir mit den nachjustierten Phonaks besser gegangen sei und dass ich am Abend wieder auf einem Konzert gewesen sei. Da schlug sie mir vor, dass sie bei den Hörgeräten den Musik-Modus „einbauen“ könnte.
Nebenbei: So wie die Geräte selbst im Laufe der Jahre ihren prothesenfarbigen Ton anderen und schöneren Farbtönen weichen mussten, liest und hört es sich besser an, dass die Hörgeräte im Neusprech „Hörsysteme“ heißen. Weg vom Negativ-Besetzten, hin zum positiven Bewusstsein. Mein Hörsystem hat KEINE Prothesenfarbe, soll ja weder so noch so sein. „Hörgerät“, das klingt fast so wie „taubstumm“ bei den Gehörlosen. Aber ich Gewohnheitstier kann mich noch nicht an das Wort „Hörsystem“ gewöhnen… vielleicht ändere ich das während des „Tagebuch“-Schreibens.
Nun wurden mir die GN ReSound angepasst und ich erlebte markante Momente des VERSTEHENS, so dass ich tatsächlich Pipi in den Augen bekam. Eigentlich banal, aber wenn Du nach drei Anläufen jedes Wort von einem banal geführten Dialog, ohne diesen vorher gekannt zu haben, verstanden hast … WUMM! Das hat gesessen! Nun sollte ich mich auf die Suche nach „Running Tapas“ machen. Mit weiterem Zubehör (Fernbedienung mit Clip-Funktion, TV Station und dazugehöriger Fernbedienung) ausgestattet, hatschte ich wieder zur Arbeit und hatte recht oft mit der Bedienung zu kämpfen. GN ReSound hat eine extra Programmierung der Telefonspule nicht nötig, soll mittels „Wanze“ am Telefonhörer automatisch in den Telefonmodus wechseln können, was bei mir mehr schlecht als recht funktionierte. Also wandte ich noch meine alljährliche Methode des Rechtes-Hörgerät-Herausnehmens an, wenn ich telefonierte. (Mann, das nervt… war schön, die Phonak Naida Q beim Telefonieren nicht herausnehmen zu müssen.) Auch war das Einsetzen des Hörgerätes nach dem Telefonieren jedes Mal nervtötend und ich hatte stark den Eindruck, dass das rechte Ding nicht so recht wusste, warum es wieder eingeschalten war und sprang durch ihre eigenen Programme, bis es sich dann im Basiszustand befand. Dennoch funktionierte mit den Hörsystemen das Sprachverständnis recht gut.
Zuhause angekommen, war Musikhören recht angenehm und nicht so „fremd“ wie damals beim ersten Mal mit den Phonak Naida Q. Bloß, das Fernschauen mit den mitgelieferten ReSound Unite TV hat mir kaum große Freude bereitet. Zu laut eingestellt, das Gerät hat recht lange gebraucht, bis die „automatische“ Verbindung zu den Hörgeräten hergestellt war und diese rauschenden Störgeräusche waren permanent im Hintergrund. Also verbrachte ich den Abend wieder mit den Phonaks inklusive ComPilot, verbunden mit TV LinkS, und konnte mit Hochgenuss und optimaler Lautstärke eine Musik-DVD genießen.
Morgen werde ich sicher wieder mit den GN ReSound den Tag verbringen. Ich habe noch ein paar Ideen, was ich noch mit diesen Hörgeräten anstellen kann.
Die GN ReSound auf meinen "Arbeitsunterlagen".

15. August 2013:
Um den Feiertag und auch das schöne, sonnige Wetter auszunutzen, war ich am Vormittag im Wienerwald unterwegs. Hören war etwas ungewohnt, ich wusste nicht so recht, in welchem Modus ich am besten „fahren“ konnte. Basiszustand oder doch dieser „Omni“-Modus? Nun bin ich wieder zuhause und habe den GN ReSound Unite TV an meine Musikanlage angeschlossen (zumindest ist ein Adapter für die Audio-Stecker dabei, was bei Phonak leider nicht der Fall war) und habe wieder ein paar Lieder aus „Crazy Heart“ gehört. Haha, sag Dir das einer vor ca. 20 Jahren, dass Du in Deinen Hörgeräten Musik hören kannst. In meinen Hörgeräten. (IN! Ich meine, Du hörst es drinnen – nicht dass das Ding von irgendwelchen externen Lautsprechern die Musik „aufnimmt“ und in Dein Gehör weiterleitet, sondern es ist still in meiner Wohnung, weil ich die Musik in meinen GN ReSound höre.) Nachdem ich mit „Fallin‘ & Flyin‘“ den Sättigungspunkt erreicht habe, höre ich seitdem die „Our Love Is Real“. Der Vorteil bei den GN ReSound-Hörgeräten ist, dass ich kein Ding wie das ComPilot herumhängen brauche, wenn ich auf diese Art und Weise Musik hören möchte, aber der ComPilot liefert den entschieden besseren Klang! Obwohl letzere auch den Umgebungsklang unterdrückt bzw. ich mich kaum reden höre, kann ich beim GN ReSound Unite TV noch die anderen Geräusche und meine eigene Stimme wahrnehmen.

Nun…
Am Freitag, 16. August war GN ReSound-Tag. Auf Arbeit ging es ganz gut, obwohl ich beim Telefonieren jedes Mal das rechte Hörgerät herausnehmen muss. Den Nachmittag und Abend war ich unterwegs, ein Konzert von DENK in Wulkaprodersdorf beim gemütlichen und auch empfehlenswerten Heurigen „Wohlrab“ besucht. Musik hören hat gut funktioniert, nur bei „Nah am Himmel“ rauschte es unerträglich in meine Ohren – ich fragte meine Mitstreiter, ob sie dies auch gehört hätten, sie verneinten es  – ist dies auf die Hörgeräte zurückzuführen?
16.08.2013 - DENK in Wulkaprodersdorf

Am Tag danach entschied ich mich, die Phonak Naida Q zu tragen. Ich traf zwei nette Bekannte zum Essen und an diesem Abend hatte ich den Eindruck, dass die Phonaks zu leise eingestellt sind. Dennoch hat „Tatort“ schauen am Sonntag Abend mit dem ComPilot wieder gut funktioniert, auch wenn ich beinahe Bauchschmerzen von der miserablen Synchronisation bekam. Tags darauf auf Arbeit hatte ich wieder das Gefühl, dass irgendwie alles eine Spur zu leise war.

Ich glaube, ich stehe nun am Scheidewege und kann mich nicht für das eine Paar Hörgeräte entscheiden. Morgen ist der nächste Termin beim Hörgeräte-Akustiker, bin gespannt, was herauskommen wird.

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