Freitag, 28. März 2014

Ernst Molden und sein "Wien Mitte"

Quelle: hanser-literaturverlage.de
Bis auf wenige Ausnahmen (in der Heimat, in fremden Betten, einmal kam sogar ein Mann dazwischen) pflege ich an Samstagen mein Ritual nach dem Aufstehen: Die Wohnung verlassen und den KURIER aus meinem Briefkasten holen. Die Wohnung wieder betreten und aus dem KURIER die „freizeit“ herausfischen, die letzte Seite aufschlagen und die Kolumne lesen. Meistens breitet sich ein fröhliches Grinsen auf meinem Gesicht aus, manchmal lache ich laut heraus, wenige Male schlucke ich einen Kloß im Hals hinunter. Am 9. März 2013 konnte ich nach dem Lesen nichts anderes tun, als meine Hörgeräte in die Ohren hineinzustöpseln, die „ohne di“ aus dem BENNO zu holen, aus der Anlage das Lied Nr. 4 von der CD anzuhorchen und mit dem Autor der Kolumne zu fühlen.

In einem Beitrag erwähnte ich, dass ich ein mögliches Buch über seine gesammelten Kolumnen kaufen würde. Ich tat es am 24. Februar 2014 im Rahmen der Buchpräsentation im Rabenhof-Theater.

Die Buchpräsentation mit lesender Unterstützung von Ursula Strauss und musikalischer Unterstützung von Walther Soyka wurde schon länger angekündigt, aber ich ließ mir relativ lange Zeit, um eine Karte zu kaufen. Irgendwann entschied ich mich dafür und fand noch einen einsamen freien Platz in der vierten Reihe und schickte die Bestellung los. Dennoch sah ich dem Abend mit gemischten Gefühlen entgegen, weil ich Frau Strauss gegenüber ambivalente Gefühle hege. Ich habe sie mit Ernst Molden bei der Eröffnung der Wiener Festwochen 2013 im Fernsehen gesehen (zum Rathausplatz gehen wollte ich nicht mehr, weil es so heftig geschüttet hat) – mich hat ihre Interpretation von „flagduam“ nicht besonders begeistert. Dafür hat sie mich aber mit ihrem Auftritt im Schauspielhaus wenige Tage zuvor überzeugt. Den Abend eröffneten Ernst & Walther mit „Rudolfstiftung“, Ursula Strauss ist eine wunderbare Vorleserin der Kolumnen, wobei „Vorleserin“ sich wie „abgespult“ und „heruntergerattert“ anliest. Sie hat nicht nur vorgelesen, sondern den geschriebenen Worten Leben eingehaucht. (Leider habe ich es mir nicht notiert, welche Geschichten sie vorgelesen hat – ich bin mir sicher, ich würde mich wieder daran erinnern, wenn ich anfangen würde, das Buch zu lesen. Aber eine Lieblingsstelle habe ich schon gefunden, das ist die auf den Seiten 29 und 30.)

Viele Lieder aus „Ho Rugg“, „ohne di“ („da wind“ war besonders schön) und „es lem“ wurden gespielt und aus letzterem sogar das selten gespielte „flagduam“. Geschmäcker sind verschieden, aber auch live konnte mich Ursula Strauss mit ihrem Gesang nicht überzeugen.
Es war dennoch ein sehr schöner und gelungener Abend mit einem gemischten Publikum im ausverkauften Rabenhof-Theater. Mit meinem Sitznachbar konnte ich nachher ein paar Worte wechseln, er kennt Ernst Molden von seinen Kolumnen und er schätzt das Lokalkolorit sehr.

Einen Monat später holte ich mir im Nachbarbezirk ein Autogramm von Ernst mit einer sehr lieben Widmung auf mein „Wien Mitte“. Den Termin am 25. März 2014 im Leopoldstädter „tiempo nuevo“ hatte ich mir auch schon lange vorgemerkt, aber erst am Vormittag diesen Tages entschied ich mich nun, hinzugehen. Die Entscheidung habe ich nicht bereut. Wie schön solche „Happenings“ im kleinen Rahmen stattfinden! Die Klappsessel waren bis auf die letzten Reihen besetzt, ursprünglich konnte ich einen freien Platz in der zweiten Reihe ergattern, aber dann saß ein recht großer Mann vor mir und ich sah nichts und – Wunder! – in der ersten Reihe wurden drei Plätze frei und ich nahm eines in Anspruch.
Ich komme gleich dazu, warum ich diese kleineren Rahmen bevorzuge: Ich verstehe auch nämlich besser. Viel besser. Ernst war mir an diesem Abend näher und auch viel persönlicher als im Rabenhof-Theater. Er erzählte von seiner früheren Laufbahn als Romanschriftsteller, aber da er ein schlechter Vorleser sei, habe er sich für die Musik entschieden. (Dennoch danke für „doktor paranoiski“ und „Austreiben“! „Biedermeier“ habe ich mir nun endlich gekauft und freue mich schon auf den Lesegenuss.) Die Lesung eröffnete er mit „Da Schnee“ und im Zeichen des trügerischen Frühlings las Ernst einige ausgewählte Kolumnen vor, die großteils mit dem Frühling zu tun haben. Mitten im „Frühlingspotpourri“ und was für „ein Jammer“ es sei, die Lesebrille herausholen zu müssen, bekamen wir „Rudolfstiftung“, „74A“, „Schlachdhausgossn“, „Malipop“ und „Drom en Noadn“ zu hören. Berührend wurde es mit dem Lied „Heanoisa Oma“, die Kolumne vom 9. März 2013 wurde vorgelesen und als ausgleichendes „mit einem lachenden und einem weinenden Auge“-Gegenpol bekamen wir die Kolumne über den Tod von Hamster Greg Molden, welches dem Erstgeborenen gehörte, zu hören. Zum Schluss wurden noch „Dei Keawal“, „Da Cerny“, „Ho Rugg“ und „Liad ibas Losziagn“ gespielt.


Das aufmerksame Publikum, welches anscheinend aus der Stammkundschaft des „tiempo nuevo“ bestehen dürfte, war sehr lobenswert. Vielen Dank für den schönen Abend und vor allem für das gemeinsame Foto!
 Und hier noch ein interessanter Artikel auf kurier.at!

Montag, 17. März 2014

15.03.2014 - [rema'su:ri] in der Kulisse

Kann man auf "Voigas" in Richtung Stromausfall steigen? Damit hat niemand gerechnet, aber es ist tatsächlich passiert. Nach so vielen Konzerten, die ich erlebt habe, wurde für mich auch der erste Stromausfall fällig. Und die Gäste, die an diesem Abend nicht in der Kulisse waren, haben etwas VERPASST!

„I bleib fuat“ macht Stimmung auf den bevorstehenden Abend, noch ahnen Herr Wirt und seine Stammgäste nichts vom bevorstehenden Kurzschluss. „Ned ganz woah“ ist Programm, hat mich sogar zum Schunkeln animiert, was einem treuen Fan aus München, die neben mir saß, nicht so ganz gepasst hat. Bevor endgültig ein „Loch in Semmering“ gegraben wurde, geschah das Unvermeidliche.

Schmähfian mit Willi nach "57er Chevy"
Ich habe nicht auf die Uhr geschaut, wie lange der Stromausfall gedauert hat. Es muss ca. eine Stunde gewesen sein. Anfangs hofften wir noch auf eine rasche Behebung, aber es blieb länger finster und so hatte der spezielle Gast Wilhelm Resetarits Erbarmen mit dem Wirtshaus & Publikum und ließ den Ostbahn-Kurtl aufleben, indem er mit uns allen „57er Chevy“ sang. Die Einlage war so leiwand, da kann man sich die Konzerte auf der Kaiserwiese sparen. (Anmerkung der Autorin: Sie war einmal auf einem Ostbahn-Kurtl-Konzert. Der denkwürdige Abend am 27.08.2011 bleibt einmalig. Und am Tag danach war sie in Schwechat bei [rema’su:ri]!)
Hier ein großes Lob an das Team von der Kulisse: Die Kellnerinnen und die Schankmitarbeiter haben unter finsteren Bedingungen den Bierbetrieb aufrecht halten können. Um das Beste aus dem Stromausfall zu machen, wurden Kerzen und Teelichter auf den Tischen hingestellt und wir konnten auch nicht mehr länger warten, es wurde mit „Schiache Zechn“ weitergespielt. Ein gutes Zeichen! Kurze Zeit später war der Strom wieder da! (Wunderschöne Zechn kann man sich auch nur bei Licht anschauen.)



Unter dem Motto „Pinsch, setzen.“ wurden erfreulicherweise viele Lieder aus dem aktuellen Album gespielt. Mit „Fluchthelferin“ ging es in die geplante Pause, 
eröffnet wurde der zweite Teil mit dem nachdenklich-berührenden „Soi des jetzt ois gwesen sei“. Nach der „Hiebeserklärung“ a la [rema’su:ri] (Ich spiele immer noch mit dem Gedanken einer Seidltour durch 23 Bezirke.) kehrte der Spezialgast wieder auf die Bühne zurück.
Auf das Lied „Pinsch“ freute ich mich besonders, da nun der echte „Onkel Franz“ die fünf Dinge, die was im Leben wichtig sind, verstärkte. Aber vorher ließ mich (ich glaube, nicht nur ich allein) Willi Resetarits mit „alanech fia dii“ dahinschmelzen.


Mit „Bonnie & Clyde“ in der (selbstredend!) Voigas-Version und der Hymne „Am leiwandsten daham“ ging es in Richtung Finale. Beendet wurde das Konzert (vorzeitig) mit „Voi wü wert“ und „Angelina“. (Ich bekam nachher von dem einen und anderen Fan zu hören, dass sie um dieses Lied gezittert haben.) Zum Trost wurde „Sperrstund‘ is“ bei der After-Schau-Partie nachgeholt. Und hier an dera Stö: Danke, dass Ihr meinen Wunsch nach „No Surrender“ erfüllt habt. 


Ich bin lange fortgeblieben – und bin immer noch beseelt von diesem speziellen Abend. Es war einzigartig. Ich bemerkte keine schlechte Stimmung im Publikum, auch nicht, wie der Stromausfall länger dauern musste. Ihr seid afoch leiwand!
[rema’su:ri] aus dem 16. Hieb und die Kulisse in Hernals – „so soll a Nachbar sein“! (Zitat stammt aus „Nachbarn“, gesungen von Kurt Ostbahn und Büne Huber.)

Donnerstag, 13. März 2014

11.03.2014 - Tombeck & Band in der Christuskirche


Ich bin nicht gläubig.
Ich gehöre keiner Konfession an.
Ich gehe nicht freiwillig in Kirchen.
Und sollte ich mich in so einem Gotteshaus befinden, dann nur, um dessen Architektur zu bewundern.
Und diese Aktion wird auch einmalig bleiben.

Vor vier Wochen habe ich das Konzert von Tombeck im monami mit allen Sinnen genossen. Ich war nachher hin und weg von diesem Erlebnis, die gesungenen Lieder wollten mir einfach nicht aus dem Kopf gehen und beeinflusst, eher bedröhnt, von diesem inneren Zustand, kaufte ich mir recht bald sein restliches Werk "Mei Herz brennt" und "Knistern". (Es muss nicht das große A sein, die Webseite von hoanzl.at ist auch einen Kundenbesuch wert!) Bis zum nächsten Konzert wollte ich auch nicht mehr so lange warten und ich sah den Abend in der Christuskirche am Matzleinsdorfer Platz mit doppelter Spannung (Beinahe-Full-Band-Konzert, Schlagzeuger hat gefehlt, und in der Kirche) entgegen.
Valentin Oman (Tasten), Thomas Andreas Beck, Thomas Mora (Bass) und Bernhard Krinner (Gitarre)



Mit Dieter Lautner bei "Die Erde bebt".

"Tanz Tommi Tanz"

"Alles in die grösste Kraft"

"I mog Di überhaupt nimma mehr"
Ich kann für dieses atmosphärische Konzerterlebnis keine vielen Worte finden: "Liebeslied" brachte mich innerlich ein wenig ins Schwanken. Mit dem Kruzifix hinter dem Rücken den Refrain von "Großer Held" zu singen, finde ich mutig. Danke immer wieder für mein Ohrwurm namens "Es is net". In "Mei Herz brennt" hörte und spürte ich das Glühen und Zischen, vor allem das... Zzzzzzischennnnn! Der Gastauftritt von Dieter Lautner gehört zu den besonderen Momenten, "Slobozia" berührt und "Tanz Tommi Tanz" war an diesem Abend unbeschreiblich klass' - die Tanzenden haben eine unglaubliche "Freude" gelebt.
"Alles in die größte Kraft" motiviert unheimlich und der Kreis wurde mit "Endlich entbunden" geschlossen, nachdem das Konzert mit "Mei Bua" eröffnet wurde.
Und ganz zum Schluss nur Tom und Valentin bei "I mog Di überhaupt nimma mehr" - auch ein besonderer, knisternder Moment.

Danke für diesen sehr schönen Abend, der mir viel Freude bereitet hat. Ich freue mich auf das nächste Mal.

Donnerstag, 6. März 2014

Fasching 2014

5. März 2014: Endlich Aschermittwoch! Ein Anlass für Faschingsmuffel Sori, etwas zu schreiben.

Das letzte Faschingsfest, bei der ich auch wirklich mitgemacht habe, fand auch in einem März statt. Dienstag, 7. März 2000.
Seitdem ist mir Fasching E-GAL! Aber sowas von!

Aber man kann auch an Rosenmontagen und Faschingsdienstagen fortgehen. Und zwar auf Konzerte. Und ich habe an diesen zwei Abenden klasse Konzerte besucht.

Rosenmontag, 3. März 2014 – The Lion And The Wolf/Rob Lynch:
Es hat alles mit diesem Konzert am 9. November 2013 begonnen. Rob Lynch hat mit seiner Band die Vorgruppe gemacht. Und weil mir die Musik getaugt hat, habe ich mir nach dem Konzert die „All These Nights In Bars Will Somehow Save My Soul“ (muss man fehlerfrei und in der richtigen Reihenfolge schreiben können) gekauft. Und weil mir die CD getaugt hat, war ich einem weiteren Konzert von Rob Lynch nicht abgeneigt. Und so kam es, dass er an einem Montag (eigentlich kein toller Tag zum Fortgehen bzw auf Konzerte zu gehen) die Arena beehren wird.
Eintrittskarte zum überaus humanen Preis gekauft und wer oder was ist verdammt nochmal The Lion And The Wolf?

Am Tag X auf das sympathische und vertraut wirkende Gelände der Arena gekommen, lernte ich eine weitere Lokalität, hier: Dreiraum, kennen. Tja, bis dato glaubte ich, dass Ambros pur am 14.12.2006 in der Purkersdorfer Bühne mein kältestes Indoor-Konzert war – mangels Garderobe und auch aufgrund der recht kühlen Temperaturen zog ich schon meinen Pullover aus, aber die Jacke behielt ich tatsächlich an. Schummrige und heimelige Atmosphäre in der Bar, gutes Schremser Bier zum fairem Preis, ein paar Gedanken via Smartphone losgeworden und ich konnte mich auf das Konzert freuen. 

Hinter „The Lion And The Wolf“ steckt Tom George und hier sei erwähnt: Es gibt zu viele Singer-Songwriter, zu viele One-Man-One-Guitar-Individuen, aber mir ist irgendwie jedes weitere gute, von mir aus sehr gute, One-Man-One-Guitar-Gig recht und Tom kam sehr sympathisch rüber. 

Tom erzählte gern zu den Liedern, die er spielte und aus dem Publikum kürte er einen (auch) vollbärtigen Typen zu seinem Liebling, indem er oft zu ihm „You’re my favourite“ sagte. Wahrscheinlich macht er das bei jedem Gig in jeder Stadt? Die Musik kam ehrlich herüber und es hat mir, an einer Wand lehnend und mit einem Becher Schremser in der Hand, einfach nur gut getan. Mir hat es auch gefallen, als Tom zum Schluss inmitten des kleinen, überschaubaren Publikums ein Lied sang.

Und ich mag das kleine, überschaubare Publikum… die Leute sind nicht auf das Konzert gekommen, um gesehen zu werden, sondern um die Musik zu hören und zu genießen.
Schön, Rob Lynch mit Band wiederzusehen. Ich war nicht die einzige an diesem Abend, die bei Thees Uhlmann am 9. November 2013 in der Arena war. Und ja, mir ist aufgefallen, dass dort ein anderer Gitarrist auf der Bühne steht, DER war irgendwie cooler als der vermutete Bruder von Rob Lynch im November 2013. Viele Lieder aus dem aktuellen Album gespielt, Tom durfte auch mit auf die Bühne und zum Schluss wurde bei „My Friends & I“ anständig – ich meine wirklich „anständig“ – gepogt.



Nach so einem Konzert in einer gemütlichen, wenn auch temperaturmäßig etwas kühlen, Atmosphäre fuhr ich beseelt heim und machte mir Gedanken, wie sich dann das Konzert von Frank Turner in der größeren Bank Austria Halle Gasometer machen würde. Frank Turner hätte ich gern an kleineren Orten gesehen, aber die Zeiten dürften anscheinend vorbei sein.

Faschingsdienstag, 4. März 2014 – Frank Turner & The Sleeping Souls:
In der Bank Austria Halle Gasometer angekommen, hatte ich eine halbe Stunde Zeit bis zur ersten Vorgruppe. Steuerte meinen Stammplatz vor dem Mischpult an und ließ mich mit meinem Bier nieder und hatte zum Glück nach langer Zeit wieder Gelegenheit, an nichts denken zu müssen. Ich bin ein unruhiger Mensch. Im Geiste. Meine Gedanken ruhen kaum. Worte stürzen ständig auf mich ein und ich verpasse oft Gelegenheiten, diese aufs Papier zu bringen. Zum Glück. Sonst hätte ich ein gutes Stück Regenwald abgeholzt. Und dann erwische ich hier und da rare Momente, wo ich körperlich da bin und an nichts denken kann. So ein Moment war an diesem Faschingsdienstagabend gegen 19:30 Uhr. Währte aber nicht lang, aber ich bin immer dankbar für solche Gelegenheiten.
Tauchte neben mir ein junger Bursche auf, sah ständig auf sein Mobiltelefon, drehte sich suchend um. Das Ganze zog sich zwei Vorgruppen lang. Anfangs war ich wenig begeistert, dass vor Frank Turner ZWEI Vorgruppen auftraten, die Namen habe ich mir bis jetzt immer noch nicht merken können, daher habe ich nach den zwei Auftritten auf meinem Smartphone herumgesurft und diesen Moment für die Ewigkeit festgehalten: 


Ducking Punches

Andrew Jackson Jihad mit Frank Turner am Schlagzeug

Aber die beiden „Supports“ waren wirklich gut, bei der zweiten hat sogar Frank Turner bei einigen Liedern auf das Schlagwerk gehaut. Der Burli, den ich oben erwähnte, hat dann tatsächlich Zuzug bekommen. Bis zu diesem Zeitpunkt glaubte ich wirklich, dass er nur so getan hat. Manche Menschen sind ja so. So tun, als ob sie auf jemanden warten, damit sie sich nicht so einsam und allein vorkommen. Ich dagegen habe kein Problem damit, auch alleine auf Konzerte zu gehen. Ich gehe deshalb, um die Musik zu hören und zu genießen. Außerdem ist der Lärmpegel in den Räumlichkeiten vor, zwischen und nach den Konzerten recht hoch, da ist die verbale zwischenmenschliche Kommunikation manchmal eine Tortur für mich. Zurück zum Burli und seinem Anhang (der dürfte dann „my favourite“ sein, um Tom zu zitieren): Genervt haben sie, ständig geplappert, auf cool gemacht usw. und ich war einen Abend vorher in der Arena in einer anderen Welt. Muss halt erwähnt werden.

Das Konzert von Frank Turner und den Sleeping Souls war wieder klasse. Nachdem er letztes Jahr für die Dropkick Murphys den „Support“ lieferte und ich auch dort war, konnte er an diesem Abend den „Headliner“ machen und die Bank Austria Halle war zwar nicht ausverkauft, aber doch recht gut gefüllt. „The Road“ musste einfach sein, „Vienna“ ist mit den „grifters“ verewigt worden und „Glory Hallelujah“ ist live mein Favorit. Das restliche Repertoire bestand aus weiteren bekannten Liedern und das Konzert verging recht schnell. Live ist Frank Turner unschlagbar und seine Sleeping Souls machen sich als Live-Band auch einen Ruf! Und hier sind wir wieder bei der One-Man-One-Guitar-Theorie: Das ist auch Frank Turner ohne die Sleeping Souls. Ja, es gibt zu viele davon, aber sie sind mir lieber als ein weiterer Justin Bieber oder die ganzen so-genannten Boygroups. 



Die Rückfahrt in der U-Bahn fand ich amüsant. Konnte viele faschingsgestimmte Leute beobachten: Von geschminkten zu ballmäßig gekleideten Leuten waren fast alle dabei. Schlussendlich saß mir eine Dame gegenüber, die ich als normal gekleidet klassifizieren würde. Ihr Begleiter stieg irgendwann bei einer Station aus und ließ sie zurück. Was macht man, wenn man nun alleine in der U-Bahn sitzt? Natürlich nach dem Mobiltelefon greifen! Sie hatte eine große Handtasche dabei und steckte ihren Arm ganz tief hinein und schon kam bei mir der Gedanke bzw das Bild von Hermine Granger in „Harry Potter And The Deathly Hallows – Part One“, als sie ganz tief in ihrer kleinen Handtasche griff und dabei ein Bücherstapel umstieß.
Das sind solche Gedanken. Derzeit ist auch keine Ruhe in meinem Kopf, deshalb schreibe ich jetzt.
Ach ja, weil wir beim Thema sind: Ich pfeife auf die Fastenzeit. Naschen tu ich generell an Nachmittagen zum Kaffee und das bleibt auch so. 

… und auf das Bier verzichten? NIEMALS!!!

Freitag, 28. Februar 2014

Zeilen des Tages

Als ich das Lied das erste Mal am 24. Dezember 1998 hörte, befand ich mich gerade in meinem Zimmer der elterlichen Wohnung. Im Zimmer war es fast finster bis auf die Beleuchtung meiner Schreibtischlampe und das Lied berührte mich mit einer unbeschreiblichen Intensität. Diese Intensität hat mir damals angst gemacht. Nachher hörte ich das Lied oft in Situationen, die einfach zu gut gepasst haben, dabei hatte ich es nie angespielt. Es kam einfach aus einer CD im Autoradio oder der Shuffle-Modus meiner Winamp-Spielliste spuckte dieses Lied aus. Ich könnte es dafür hassen, vor ein paar Jahren weigerte ich mich sogar monatelang, dieses Lied zu hören, aber die intensive Bindung ist einfach zu stark:

Und hier die wichtigsten Zeilen:
Cheap romance, it's all just a crutch
You don't want nothin' that anybody can touch
You're so afraid of being somebody's fool
Not walkin' tough baby, not walkin' cool
You walk cool, but darlin', can you walk the line
And face the ties that bind
The ties that bind
Now you can't break the ties that bind


- Bruce Springsteen, "The Ties That Bind" (aus dem Album "The River", 1980)

Sonntag, 23. Februar 2014

21.02.2014 - Weißes Kaninchen, Rotes Kaninchen im Schauspielhaus


[Die Rohfassung schrieb ich schon am Samstag, 22. Februar 2014 gegen Vormittag.]
Eben habe ich eine SMS von einer Freundin gelesen, nach langer Zeit hatten wir gestern abend wieder Gelegenheit für ein intensives Gespräch. Wir hatten lange für ein Wiedersehen zu zweit gebraucht, aber keine von uns beiden kam auf die Idee, der anderen zu unterstellen, dass die andere sich nicht mehr mit der anderen treffen mag. Und in der SMS schrieb sie mir, dass sie seit langem wieder lachen konnte… scheinbar entwickle ich seit kurzem ein Talent dafür, andere (traurige) Menschen zum Lachen zu bringen, während es in mir selbst beschissen aussieht.
Das hat nicht wirklich mit dem eigentlichen Bericht zu tun, aber das musste einfach raus…

Ich habe lange in Alsergrund gewohnt und bei meinen Spaziergängen kam ich oft am Schauspielhaus vorbei, aber gestern konnte ich das erste Mal der kulturellen Institution einen Besuch abstatten. Ich könnte den Titel dieses Beitrages mit einem „Oder Hörgeräte-Tagebuch # 7“ ergänzen, weil ich nämlich im Dienste meiner Hörgeräte im Schauspielhaus war.
Ich bin seit fast zehn Jahren Mitglied des örtlichen Schwerhörigenverbandes und über diesen Verein erhielten wir eine Einladung vom Schauspielhaus, dass der Aufführungsraum mit einer Induktionsanlage ausgestattet sei und diese natürlich nur von Hörgeräteträgern, in dessen Hörgeräten die Induktion (oder auch „Telefonspule“ genannt) einprogrammiert ist, genutzt werden kann. Und wer, wenn nicht diese Hörgeräteträger, kann dazu am besten Rückmeldungen über die Funktion der Induktionsanlage liefern? Hier bitte um Achtung: Nicht alle Schwerhörige können die Induktion nutzen, sondern Hörgeräteträger, in dessen Hörgeräten auch die Induktion einprogrammiert ist. Daher mein dringender Aufruf an alle Hörgeräteträger, in dessen Hörgeräten die Induktion noch nicht vorhanden ist: Sofort zum Hörgeräteakustiker gehen und in den Hörgeräten die Induktion aktivieren lassen. Es tut nicht weh, dauert nur zwei Minuten und ist BEREICHERND!

Für die Ermöglichung des Besuches der Veranstaltung danke ich dem Schauspielhaus und auch dem VOX für die Organisation der Freikarten. Wir waren schließlich eine Gruppe von sieben Leuten, allesamt Hörgeräteträger.
Gleich vorneweg: Ich saß in der dritten Reihe Mitte und hätte das Stück ohne Induktion annähernd nicht so gut verstanden. Die Technik war leider nicht bestens, weil die Nebengeräusche unangenehm verstärkt wurden zB das Rascheln, als Ursula Strauss das Stücktext aus dem Papiersackerl herausfischte und wenn sie von einem bestimmten Punkt weg den Tisch verließ, empfand ich das Hören bzw Verstehen anders und musste mich sehr konzentrieren. Und überhaupt, was nicht immer selbstverständlich ist: Die Induktionsanlage war in Betrieb und hat funktioniert! Das bemerkte ich, wie ich zu Beginn des Stücks durch die vier Programme meiner Hörgeräte sprang und die klanglichen Unterschiede feststellen konnte. Außerdem habe ich sehr viel vom Stück mitbekommen – ich bin aus dem Saal hinausgegangen, mit dem Gefühl, wirklich eine Vorstellung besucht zu haben.
Ursula Strauss


Ursula Strauss kannte ich schon als Schauspielerin im Fernsehen, sie gehörte nicht wirklich zu meinen Favoriten und dementsprechend war meine Erwartung gering, bevor ich die Vorstellung besuchte. Wie im Flyer abgedruckt, erhielt Frau Strauss tatsächlich den Text erst zu Beginn des Stücks und wie sie es mit ihren weißen Kaninchen, roten Kaninchen, einem Bären, einer Krähe, Geparden und einem (!!!) Strauß (zum Brüllen!) meisterte, brachte mir viele Sympathiepunkte ein. Außerdem befolgten wir Publikum auch nicht alle Anweisungen aus dem Stücktext – schon gar nicht, als von uns verlangt wurde, dass wir die Augen schließen sollen. Wir Schwerhörigen wussten, mit geschlossenen Augen werden wir erst recht schlecht verstehen, was Frau Strauss vortragen würde. Wir hielten unsere Augen offen und sahen, dass die Wassergläser auf dem Tisch vertauscht worden sind. Ich darf nicht zu viel über das Stück verraten, nicht dass Frau Katharina Strasser noch vor dem 14. März weiß, was sie dann zu tun hat – aber am Ende des Stücks wollte ich tatsächlich nicht gleich aufstehen, weil mich das Schicksal von Nassim Soleimanpour nicht kalt gelassen hat. Wir haben ein unglaublich großes Glück, dass wir im alten Europa leben. Da kommen mir meine Sorgen recht klein vor. Besonders hängen geblieben bei mir ist die Passage, als Ursula Strauss über die vielen verschiedenen Arten von Selbstmord vorlesen musste. Und dass das Leben auch eine Art von Selbstmord sei, eine langwierige Art zu sterben, weil man dem körperlichen und geistigen Verfall ausgesetzt ist. 



Noch etwas muss ich bemängeln, wobei dieses Manko auch an meine Feigheit gerichtet ist – gegen Ende der Vorstellung ließ Frau Strauss laut Stücktext eine Passage von einem Zuschauer aus der ersten Reihe vorlesen. Beim Vorlesen blieb der Zuschauer auf seinem Sessel sitzen und sah dann und wann Ursula Strauss an – Sendepause für meine Ohren und mir blieb nichts anderes übrig, als die Emotionen im Gesicht von Frau Strauss zu beobachten. Ich hätte an Stelle rufen sollen: „Hier sitzen mehrere Schwerhörige und wir wollen Dich auch verstehen.“ Ich und die anderen taten es nicht. Hier ein Aufruf an die Sori: Du musst immer wieder aufstehen, auch wenn es noch schwierig ist und Dir scheinbar die Kräfte fehlen, weil Du einen unschönen Arbeitstag hattest oder Dich lieber Deinem Liebesschmerz widmen willst oder Dich einfach vor der Begegnung mit einem Freund fürchtest. Aufstehen musst Du immer wieder.

Das Schauspielhaus ist wieder einen Besuch wert.

Das ist schon wieder ZU persönlich. Ich höre hiermit auf zum Schreiben.

„Happy“ darüber, dass ich wieder etwas schreiben konnte und ich lasse das Lied wieder bei geöffnetem Fenster auf die Straße hinausschallen.