Sonntag, 24. August 2014

22. und 24. Juni 2014 - [rema'su:ri] im Doppelpack

Am Montag, 30. Juni 2014 schrieb ich folgendes:
Will ich überhaupt einen Bericht schreiben?
Ich gebe gern zu, dass ich einige meiner veröffentlichten Beiträge sehr mag, dass ich sie immer ganz oben auf der Startseite stehen lassen möchte.
Und in meiner Abhandlung über "Stolen Car" habe ich mich nach und nach verliebt - schwer verkraftbar, dass dieser Text nun einem neuen weichen muss.

Der Dame und den Herren aus dem Wirtshaus wünsche ich vorab einen schönen Urlaub und ich danke der Partie für die zwei schönen Konzerte (und überhaupt) mit diesem Bericht. Mal sehen, was herauskommt: [Als ob ich es schon geahnt hätte, da rollt doch die nächste Schreibblockade heran.]

22.06.2014 - Bamkraxler, 1190 Wien
Mein drittes Mal [rema'su:ri] im Bamkraxler und das erste Mal unter freiem Himmel (bevor wir noch vergessen, was "open air" auf gut Deutsch heißt).
Unser Tisch war in Hinblick auf die Bühne nicht der optimalste, aber es war der schattigste und das war an diesem recht warmen Tag nur sehr recht für die gesellige Runde von zehn Leuten.
Das Konzert gestaltete sich "Pinsch"-lastig - zwei bis drei Lieder aus diesem Album wurden nicht gespielt, wenn mich die vielen Augustiner nicht trügen.


Wieder irritierend, dass der Abend mit "Soi des jetzt ois g'wesen sei" eröffnet wurde. (Das tat die Partie auch am 16. Mai 2014 beim Stadt.Fest.Wien.) Nichts gegen das Lied, es gehört zu den stärksten auf "Pinsch", aber müssen Konzerte mit so einem Lied eröffnet werden? Oder soll das Lied Mut machen? Trotz trauriger Klangfarbe gestaltet sich der Schluss des Liedes mutig, optimistisch, zuversichtlich - der Mann bricht aus seinem tristen Ehedasein aus, er steigt auf's Gas und schwört sich, dass das nicht alles gewesen ist. (Genau, ein "stolen car" kann man auch stehen lassen!)
Der Höhepunkt war Frau Maries Darbietung von "alanech fia dii". Nach Willi R., Hansi L. und Christoph M. höre ich das Lied in einem anderen (stimmlichen) Gewand und es verzaubert mich immer wieder auf das Neueste.
Ein sehr schönes Konzert an einem lauen Sonntagabend, Publikum großteils aufmerksam (abgesehen von den Störenfrieden am Nebentisch, die aber zum Glück sehr bald das Weite gesucht haben), die Partie hat es auf der recht kleinen Bühne geschafft, keinen einzigen Stammgast zu erschlagen bzw von der Anhöhe zu stoßen und klangmäßig hatte ich nichts auszusetzen. Ich bin für eine Wiederholung.

23.06.2014 - und nun zu etwas ganz anderem...
Lief ich auf dem Weg zur Arbeit dem Wirten in einem "GEMMA!"-Leiberl hinein und bedankte mich bei ihm für das schöne Konzert vom vergangenen Sonntag. Zugleich kündigte ich ihm auch mein Kommen für das Konzert im Theater am Spittelberg an.
Fünf Minuten später wurde ich (schon mit einem breiten Grinsen im Gesicht, weil... Insider wissen es eh.) von einer Kollegin angesprochen, die uns gesehen hat, wer der Herr sei und sie merkte an, dass er ganz fesch sei... so, Christoph, Lob gebe ich gern weiter.

24.06.2014 - mit Harlequin's Glance im Theater am Spittelberg, 1070 Wien
Der Abend [so weit kam ich tatsächlich mit meinem Fragment am 30. Juni 2014] war ganz nett. Ich hätte mir die Alleinstellung von [rema'su:ri] im Theater am Spittelberg gewünscht. Bei mir hat die Symbiose aus "2 Weltsprachen - 2 Weltbands" nicht so ganz gewirkt. Aber der Reihe nach:
Das Wiedersehen mit dem Wirten wurde seinerseits mit einem "Long time no see" kommentiert ;-)
Ich fürchtete mich vor einem dritten Mal "Soi des jetzt ois g'wesen sei" als Opener.
Nein, stattdessen mussten wir uns von den Sitzen erheben, Hand aufs Herz legen, DIE Hymne wird angekündigt und endlich spielten sie nach langer Zeit wieder "Austrian Way Of Singin' The Blues".
Überhaupt gestaltete sich die Liederliste an diesem Abend anders als im Bamkraxler (und leider verkürzt). Nachdem Frau Marie ihre (vermute ich) Generalprobe im Bamkraxler bestanden hat, konnten die Spittelberg-Besucher in den Genuss von "alanech fia dii" kommen.
Das von mir "gefürchtete" Lied wurde sogar mit Klavierbegleitung gespielt. Gernot Feldner, Sänger von Harlequin's Glance, gab sich die Ehre, das Lied an den Tasten zu verstärken.
DIE Hymne!

"alanech fia dii"

Mit Gernot von Harlequin's Glance bei "Soi des jetzt ois g'wesen sei".
Nein, Harlequin's Glance möchte ich nicht unbedingt madig machen, die Spielfreude und instrumentale Vielfalt der Band sind beeindruckend, aber vielleicht, weil [rema'su:ri] zuerst an der Reihe waren und ich mich im Zustand fortgeschrittener Müdigkeit befand, außerdem wird das Bierangebot im Theater am Spittelberg immer bescheidener: Jahrelang genoss ich den Ottakringer, gab es letztes Jahr den "Dreh-und-Trink"-Zipfer (Danke M. für die legendären Worte!) und heuer haben sie ein anderes Bier im Angebot, der Schock muss so groß gewesen sein, dass ich es wieder vergessen habe, welche unsägliche Marke angeboten wird.
Aber ich schweife schon vom Thema ab... die Musik von Harlequin's Glance kam mir an diesem Abend nicht neu und altbekannt vor. Macht der Sänger etwa auf Tom Waits? Das kann doch keiner... außer Tombeck, aber der bleibt auch noch authentisch dabei.

Innerlich müde von anderen Angelegenheiten beschloss ich, nicht bis zum Schluss zu bleiben. Ich ging noch vor dem Zugabenblock (anhand der später veröffentlichten Fotos dürfte ich das Gastspiel der Partie bei Harlequin's Glance verpasst haben) und habe mir seitdem vorgenommen, [rema'su:ri] für die Konzerte mit einem Bericht zu danken. Naja, (immer noch) zuviel Arbeit, Fussball-WM, ein paar private Sachen waren wichtiger und ich schließe den Bericht mit einem treffenden "Gut Ding braucht Weile!" ab.
So jungfräulich ist die Hymne auch wieder nicht, owa des bassd schon.

Mittwoch, 6. August 2014

23.07.2014 - Neil Young & Crazy Horse in Wien

"Wirst du darüber einen Bericht in deinem Blog schreiben?“ fragte mich Herr G. nach dem Konzert und abschließendem Absacker. (Mein viertes Bier an diesem Abend. Nein, so köstlich ist der Event-Zipfer in einem Plastikbecher auch wieder nicht!)
Ich habe mir Zeit gelassen bzw ich konnte nicht früher schreiben. Sucht Euch eine Variante aus, je nachdem, welches Euch besser gefällt. Nur, ich wusste von vorne herein, dass es kein reiner Konzertbericht sein wird. Es ist auch keins geworden, nachdem ich mir mein Geschreibsel durchgelesen habe. Es ist eher ein Zustandsbericht. Aber das Konzert hat gewirkt und mir gut getan, so viel sei verraten.

Ich kaufte mir die Karte noch im Dezember vergangenen Jahres. Die Vorfreude auf das Konzert war sehr lange groß, aber je näher der Termin rückte, umso mehr ließ meine Begeisterung nach. Es war, ich korrigiere, es ist immer noch im Moment einfach zu viel los bei mir. Kaum Zeit und Gelegenheit, zwei Gänge zurückzuschalten und das Leben ein wenig schleifen zu lassen. Aus dem Geschehen aussteigen und dem Treiben zusehen. Selbst nichts tun. Nur zusehen und beobachten. Und mir meine Gedanken darüber machen. Sie vielleicht schriftlich zum Ausdruck bringen.

Am Tag des Konzerts musste ich länger auf Arbeit bleiben und ich hatte erst recht keine Lust, zur Stadthalle zu fahren. Ich wollte lieber auf meiner Bank liegen, irgendwelche Musik hören und ein, zwei Feierabendbier zischen. Nichtsdestotrotz fuhr ich zur Stadthalle und nun wird es spannend… ich habe es mir angewöhnt, nicht jedes Mal Leute zu fragen, ob sie mit mir auf ein Konzert gehen (wollen). Diese Fragerei setze ich nur selten ein. Ich kann gut alleine auf Konzerte gehen und selbst wenn, ich treffe immer irgendjemanden. Und an diesem Abend hatte ich sehr nette Gesellschaft mit Herrn G. (den ich bisher nur bei seinen Konzerten gesehen habe) und seinem Kollegen „Franz“. Der Abend versprach, gut zu werden…
Während die Vorgruppe spielte, trauten wir uns nicht, die Halle zu betreten, weil zu laut. Außerdem benötigte Herr G. meine Hilfe weiblichen Geschlechts, damit ich für seine Liebste das „PROTECT“-Leiberl ergattern konnte, während er, „Franz“ und auch ich mit „EARTH“-Leiberln gesegnet waren. Hier an dieser Stelle: Unglaublich klasse Aktion von Neil Young & Co., solche schönen Leiberln gratis zu verteilen. Wir gingen dann wieder raus an die frische Luft, damit die Herren rauchen und Fotos von den Leiberln gemacht werden konnten. Sprach uns daraufhin ein etwas finsterer Herr an, sagten wir ihm, dass die Leiberl gratis abzuholen seien. Seine Gattin (davon gehe ich heute immer noch aus) gesellte sich dazu und beide wollten uns die Geschichte mit den gratis Leiberl nicht abkaufen, wir mussten tatsächlich Überzeugungsarbeit leisten und der Typ drohte Herrn G. mit Wickel, sollte sich dies als Schmäh herausstellen.
Nach ca zehn Minuten kamen die beiden wieder zu uns, glücklich, mit ihren „PROTECT“-„EARTH“-Leiberln und erzählten uns, wie sie zu diesen Fetzen kamen und er offenbarte dem Herrn G., dass er drauf und dran war, ihn totschlagen zu wollen, als er diese Leiberl am Merchandising-Stand (dort waren sie auch, für 30 EUR das Stück) sah. Die Erleichterung war Herrn G. deutlich anzusehen und es stellte sich heraus, dass das Ehepaar aus der Nähe von Basel kommt. Inspiriert vom Leiberl, welches Herr G. tatsächlich am Leib trug, zitierte ich „So soll a Nachbar sein.“. Haben die beiden Schweizer sich einen Hax’n gefreut, als ich Büne Huber und Patent Ochsner erwähnte.

Langsam begaben wir uns wieder in die Halle und nun stand mir mein erstes (und auch sicher letztes) Live-Erlebnis von Neil Young & Crazy Horse bevor. Wir standen zwar weit hinten, aber wos wüst mit normalen Stehplatzkarten machen? Ich hatte dennoch eine gute Fernsicht auf die Bühne und es waren auch  noch zwei große Videowände da.
Mit „Love And Only Love“, welches ich schon aus der „Ragged Glory“ kenne, wurde das Konzert eröffnet. Nach einem hymnischen „Going Home“ stelle ich nicht überrascht fest, dass Neil Young gern dazu neigt, lange Gitarrensoli bzw Duelle mit dem Gitarristen Frank Sampedro zu liefern. Man darf sich einfach nicht zu viel von so einem Konzert erwarten, aber ich wurde mit der Musik, die für mich ehrlich und handgemacht wirkt, beseelt. Alltag war weit, weit weg.

Und Neil Young live erleben! Sag mir das einer vor 20 Jahren, als ich Onkel Neil das erste Mal auf MTV sah. Ein Auftritt mit Pearl Jam bei den MTV Music Awards. „Rockin‘ In The Free World“. Das prägt. Schon seit 20 Jahren. Wird auch mein restliches Leben prägen.
Neil Young grummelt auf seiner „Old Black“, singt, protestiert, gibt sich kämpferisch… aber das Alter sieht man ihm an. Ganz deutlich bei „Heart Of Gold“, wie er allein mit Akustikgitarre und Harp das Publikum verzauberte. Nach ein paar Liedern krachten die ersten Töne von „Rockin‘ In The Free World“. Unverkennbar. Erinnerung kommt hoch. Ich grinste breit und mit diesem Gesichtsausdruck sah ich Herrn G. an und wir rockten ab. Hier an dieser Stelle absolut beschämend, dass 99 % des Sitzplatzpublikums sich nicht die Mühe machten, sich von ihren Hintern zu erheben. Ausgerechnet bei „ROCKIN‘ IN THE FREE WORLD“.
Nach einer kurzen Verabschiedung kamen die Musikanten wieder. Noch einmal drischt Onkel Neil auf seiner Gitarre, dieses Mal eine Telecaster, und rief „Protect Your Rights…“. Das „Who’s Gonna Stand Up And Save The Earth?“ hallte uns noch sehr lange in den Ohren.
Bin ich froh, dass ich auf dieses Konzert gegangen bin. Ich bin nachher um viele Erkenntnisse reicher geworden und die restliche Arbeitswoche ist mir auch viel leichter gefallen.





Hier noch ein paar interessante Links:

Montag, 14. Juli 2014

Weltmeister 2014

Quelle: de.fifa.com
Ja, ich freue mich!
Und wie!
Der Mann, der wieder ordentlich gemüllert hat, bleibt mein Liebling, aber meine Hochachtung gilt vor allem Miroslav Klose und Bastian Schweinsteiger!

Freitag, 20. Juni 2014

Zeilen des Tages

In dem Lied bzw in diesem Text geht es nicht um ein gefladertes Auto und auch nicht, wie ein Auto gestohlen wird. Wie kommt man dennoch zu einem gestohlenen Auto? Nein, ich meine nicht die Vorgangsweise der Autodiebe. Sondern metaphorisch. Was macht man im Leben, um irgendwann in solch einem Auto zu sitzen und – schlimmer noch – zu fahren?

Nach der Textversion aus „Tracks“ (1998) muss man eine Frau, anscheinend die Liebe des Lebens, gefunden haben, sie auch heiraten, einander das „ewige“ Versprechen geben und schon kracht es. Nein, kein kaputtes Auto oder ist ein gefladertes Auto die Konsequenz eines kaputten Autos? Mein eigenes Auto funktioniert nicht mehr, also nehme ich mir einen anderen Wagen – hier in diesem Sinne: Stehlen. Nehmen wir einfach an, dass das eigene Auto das Ideal einer perfekt funktionierenden Ehe bzw Partnerschaft widerspiegelt.
„Then little by little we drifted from each other’s hearts“ – dem ist nichts hinzufügen – und nun fährt die Ich-Person mit einem gestohlenen Auto durch die pechschwarze Nacht und versucht, daraus das Beste zu machen.

Im Lichte von einem Ort (hier „Stanton“) hält die Ich-Person an und hofft, dass er mit dem gestohlenen Auto erwischt wird. Aber dazu kommt es nie – so wie man hofft, darauf kommen zu können, dass das ewige Versprechen Risse bekommt und man darauf aufmerksam gemacht wird. Dass ein Außenstehender dem Paar mitteilt, dass mit den beiden etwas nicht stimmt. Dass die „Liebe des Lebens“ anders aussieht. Dass das Versprechen etwas anderes für die beiden beinhalten soll.
Die Ich-Person gibt zu, dass das Ganze nur auf die eigene innere Unruhe zurückzuführen ist. „Restlessness“ ist ein vielschichtiges Wort. Offiziell übersetzt heißt es „Ruhelosigkeit“, „Rastlosigkeit“. Aber es ist auch mit „Unsicherheit“, „Zweifel“, aber auch ein wenig „Unreife“ zu interpretieren. Oft glaubt man, so auch die Ich-Person, dass dieses sogenannte „restlessness“ irgendwann mit der Zeit gehen wird und die Liebe wachsen würde. Aber dennoch dürfte mehr dahinter stecken, vermutet die Ich-Person, was die beiden schlussendlich eher entzweit und traurig macht als bindet. Anstatt jetzt nach den Ursachen zu forschen, fährt die Ich-Person wieder in einem gestohlenen Wagen und wartet auf das kleine rote Licht.
Wofür steht das kleine rote Licht? Mag es das Licht von der Ampel sein. „Rot“ signalisiert Stehenbleiben. Möchte die Ich-Person nicht mehr mit dem gestohlenen Auto weiterfahren und hofft auf eine rote Ampel, um ein wenig stehenbleiben zu können? Nur ein wenig… weil das rote Licht dann auf gelb und grün springen wird. Die Ich-Person will nicht unbedingt das gestohlene Auto abstellen und verlassen, es kann sich nicht aus diesem Wagen befreien, es fährt und fährt und fährt und ist dennoch dankbar für einen kurzen Halt, welches das kleine rote Licht ermöglichen kann. Wenn das rote Licht einen kurzen Halt ermöglicht, kann der Fahrer die Gelegenheit nutzen, beim kurzen Innehalten sich selbst einreden zu können, dass alles in Ordnung kommen wird. 

In diesem Moment muss die Ampel auf Grün gesprungen sein und der Fahrer erkennt, dass er in der Nacht fährt und die Angst begleitet ihn, dass er in der Dunkelheit verschwinden würde.
Im Dunkeln mit einem gestohlenen Auto erwischt zu werden, ist weniger möglich als bei helllichtem Tage. So verschwinden auch seine sogenannten Partnerschafts- bzw. Eheprobleme im Dunkeln… und niemand sieht es. Dabei scheint es der Ich-Person lieber und einfacher zu sein, am helllichten Tage mit einem gestohlenen Auto zu fahren, damit er erwischt wird, damit seine Sorgen und Probleme ans Licht kommen, erkannt werden. Aber so bleiben sie unausgesprochen und im Dunkeln verborgen.

Nun fällt ihm ein, dass sie ihn einmal gefragt hat, ob er sich an die Briefe erinnern kann, die er an sie schrieb, in der Zeit, als ihre Liebe noch jung und sie zuversichtlich waren („bold“ ist auch ein vielschichtig interpretierbares Wort). Sie teilte ihm mit, dass sie in der Nacht zuvor diese Briefe gelesen hat und ihr das Gefühl gab, sie zu einer 100jährigen zu machen. Damit wird zum Ausdruck gebracht, dass diese Liebe, die einmal zwischen den beiden existiert haben musste, schon SEHR lange zurückliegt, obwohl sie jetzt sicher keine 100 ist – eher 35, 40, 45.

Szenenwechsel: Irgendwo fließt ein Fluss durch diese kleine Stadt in den See bzw in das Meer. Dort in dem Schatten legt sich die Ich-Person hin und das Wasser fließt so mühelos in den Fluss dahin. Während das Wasser weiterhin selbstverständlich vor sich hin plätschert, steigt irgendwo (hier „County Line“) eine Feier und die Ich-Person beobachtet die Lichter und stellt sich die rhetorische Frage, dass sie möglicherweise dort sein könnte und nach ihm Ausschau hält. 

Dieses Bild bzw dieser Vers ist entweder ein Bild aus der Vergangenheit, eine Erinnerung. Oder nur eine Vorstellung, dass die Ich-Person in der Gegenwart aus dem falschen Leben für kurze Zeit entschwindet, für kurze Zeit aus dem gestohlenen Auto aussteigt, um im Schatten in der Nähe eines Flusses Halt zu machen und dadurch dass in der Nähe eine Feier im Gange ist, stellt er sich gerade vor, dass dort seine „Richtige“ auf ihn wartet.

Die Ich-Person erzählt von seinem Traum in der vergangenen Nacht. Er rief seine Liebste an, schwor ihr, zu ihr zurückzukehren und für immer bei ihr zu bleiben. Nun stehen sie wieder vor den Stufen zu ihrer Hochzeitskapelle und gehen Arm in Arm durch das Tor hinein. Er kann sich erinnern, wie gut er sich darin fühlte, als der Priester ihm gebot, dass er nun die Braut küssen dürfe. Aber als er sich zu ihr beugte, um ihre Lippen zu berühren, fühlte er in diesem Moment, dass ihm alles aus seinen Händen entgleitet.

Nun fährt die Ich-Person wieder in dem gestohlenen Wagen durch eine pechschwarze Nacht. Sagt sich immer wieder, dass alles in Ordnung sei. Aber er fährt während der Nacht und die Angst, die Furcht ist sein ständiger Reisebegleiter. Egal, was er tut und wohin er fährt – niemand sieht ihn, wenn er davonfährt.

Das „ride by“ interpretiere ich schon als Davonfahren… aber es dürfte kein buchstäbliches Davonfahren sein. Im Grunde genommen bleibt die Ich-Person bei der angetrauten Frau, auch wenn ihm beim Hochzeitskuss alles entglitten ist. Mithilfe eines gestohlenen Autos wird es ihm auch nicht gelingen, das zu finden, was ihm verloren gegangen ist. Es müssen nicht materielle bzw gegenständliche Dinge sein, die ihm entglitten sind… es sind eher Ideale, Vorstellungen, Wünsche, Ziele, Einstellungen, die er mehr oder weniger über Bord warf, als er die Braut geküsst hat.
Er wird bei ihr bleiben (müssen), am Anfang des Textes steht „we got married and promised never to part“. Von einer Trennung ist nie die Rede, aber den beiden ist die Instabilität der Partnerschaft bewusst. Sie fühlt sich ziemlich alt und er fährt ein gestohlenes Auto. Und hoffen noch lange darauf, dass jemand oder etwas die beiden aus ihrer festgefahrenen Situation rettet.

Was hat das Lied mit mir zu tun? „Stolen Car“ auf „The River“ (1980) blieb lange Zeit unbeachtet, erst aufmerksam wurde ich auf die Version von „Tracks“ (1998), die ich vor wenigen Jahren erst intensiv hörte und seitdem bin ich in diesem Lied gefangen. Kürzlich lernte ich eine ähnliche Version kennen, die ich auch oft und gern höre.

Was es trotzdem mit mir zu tun hat? Ich glaube, ich bin in meinem Leben manchmal mit einem „stolen car“ gefahren, aber verglichen mit dem Text, mit dem ich mich oben beschäftigt habe, darf ich behaupten, dass ich nie über den Status einer Fahrschülerin hinausgekommen bin.

Ich hatte in letzter Zeit mit Menschen zu tun, die ein „stolen car“ fahren oder bei denen ich zumindest glaube, dass sie einen solchen Wagen lenken. Sie sind mit den angetrauten oder künftig angetrauten Partnern zusammen und fahren doch die ganze Zeit in einem gefladerten Auto. Selbstbetrug und das Aufrechthalten eines Klischees werden durch das „stolen car“ symbolisiert. Es liegt zwar an ihnen, was sie damit tun sollen. Bloß, ich glaube, dass es einen auf Dauer ziemlich deprimiert und schlussendlich desillusioniert, wenn man beständig ein sogenanntes „stolen car“ fährt.

Dienstag, 27. Mai 2014

26.05.2014 - DENK & Girmindl im Schikaneder

In diesem Beitrag habe ich noch erwähnt, dass ich bis zur nächsten Standortbestimmung in die neue CD warmhören würde – weit gefehlt. Mein Gedanken- und Privatleben (eher das Gedankenleben) kommt nicht zur Ruhe und viele Ereignisse, Gedanken, Geschehnisse, Menschen, Überzeugungen, Zweifel gleichzeitig beschäftigen mich im Moment.

Dennoch kein Grund, nicht ins „Schikaneder“ zu kommen.

Von Birgit Denk & Ludwig Ebner im Duo bekam ich dank Karl A. eine Kostprobe am Donnerstagabend zuvor in einem richtig netten Garten mitten im Achten. Das Vorglühen besorgten wir uns in der „unsagbar“, landeten wir nachher im Nachbarbezirk während einer Vernissage bei einem sehr aufmerksamen, begeisterungsfähigem Publikum und mitten im lauen Sommerabend horchten wir Birgits Gesang & G’schichtl’n und Ludwigs exzellentem Gitarrenspiel zu. Aus anderer Quelle (die heißt „Johannes G.“) erfuhr ich, dass Birgit & Ludwig im Duo bei „Liederlich im Schikaneder“ auftreten werden.

DENK und Girmindl – beide haben einiges gemeinsam: An vorderster Stelle Kurt Ostbahn, die beiden nehmen kein Blatt vor dem Mund, sagen und singen das, was sie denken und werden – leider, leider, leider – immer noch nicht vom ach so großen Publikum beachtet und geschätzt.

Den Anfang machten Birgit Denk & Ludwig Ebner. Köstlich, wie Birgit von ihrem „Kino-Trauma“ erzählte, als sie den Film „Shining“ in DIESEM Kino sah und die Filmrollen in den ungünstigsten Momenten gewechselt wurden. Im Anschluss wurde mein Höhepunkt, "Fan", gespielt. „I bin schuid“ wird in dieser Version rehabilitiert und in der recht intimen Wohnzimmer-Atmosphäre kam das Konzert von Birgit & Ludwig sehr stimmig herüber. Die Lieder in diesem Gewand zu hören, ist sicher für jeden DENK-Fan etwas Besonderes. Von der neuen CD, die offiziell am 13. Juni 2014 erscheinen wird, wurde "Bled" vorgestellt, aus dem Novakschen Repertoire haben Birgit & Ludwig "Der Papa wird's scho richten" ausgegraben und im DENK-Fundus kamen "Es is guad", "Kumm ned her", "Des, wos i wü" ans Licht. Das, wenn auch recht kurze, Programm im Duo sollte öfters gespielt werden.


Erleichterung breitete sich in mir aus, dass meine drei DENK-Mitstreiter bis zum Schluss beim Johannes G. geblieben sind und was ich aus ihrer Gestik und Mimik herauslesen konnte (es war ja finster), befriedigte mich schon sehr. Ich habe zum Zählen aufgehört, bei wie vielen Auftritten ich schon beim Girmindl war – aber der Abend war das akustisch beste Konzert, was ich von Johannes erleben konnte. Er hat das Publikum schon mit der ersten Nummer, „TV Talkin‘ Blues“, in seinen Bann gezogen und Karl A. fühlte sich in „Bedarfsalkoholiker“ so sehr angesprochen, dass er die aktuelle CD von Girmindl kaufen musste. (Er nach dem Konzert zu mir: „Hast du viele CDs von ihm?“ Ich: „Nicht alle, aber einige.“ Er: „Auch die aktuelle?“ Ich: „Ja.“ Er: „Ist sie gut?“ Ich: „Muss mich noch warmhören.“ Er: „Oje…“ Ich: „Das heißt immer noch lange nicht, dass sie nicht gut ist!“ Also, mit diesen Worten hat er dann seine „Standortbestimmung“ gekauft.)
Vielen Dank für „Samstag, Nachmittag (Geschlossen)“ – das Lied in diesem akustisch feinen Rahmen zu hören, ist das Nonplusultra für mich. Auch das Daumenhoch von Franz D. in meiner Richtung nach diesem Lied ist nicht zu verachten! Die Prophetsche „Pass auf“ kam sehr stimmig herüber und ich bedauerte es, dass der Liederabend so schnell zu seinem Ende kam.


In diesem Sinne: Lang lebe die österreichische Liedermacherszene und ich hoffe auf eine Fortsetzung der Reihe "Liederlich im Schikaneder" und mia segn uns.

Montag, 19. Mai 2014

15.05.2014 - Girmindl im Café Amadeus

Hinter mir läuft gerade die "Standortbestimmung" zum ersten Mal, nachdem ich ein intensives Wochenende (vom "Stadt.Fest.Wien" geprägt) verbracht habe.

Am 15. Mai 2014 lautete die Standortbestimmung Café Amadeus im 15. Hieb. Das Lokal kenne ich von früheren Ausklängen nach Konzerbesuchen in der Stadthalle, aber dieses Mal endlich eine Gelegenheit, ein Live-Gig IM Café Amadeus zu erleben. Und nebenbei: Nach mehr als einem halben Jahr Live-Abstinenz von Herrn G. - da hat einiges (im Sinne von "vieles") gefehlt und der Abend hat mir sehr getaugt.

Ich stelle fest, dass ich mich noch mit der aktuellen CD anfreunden muss - an "Brot & Spiele" habe ich mich recht schnell gewöhnt.

Das Konzert an und für sich war ein idealer Abend zum Fortgehen. Sollte es spät werden, "morgen ist ja Freitag." Schwieriger wird es dann am Montag, 26. Mai im Schikaneder - aber das wird schon.


Ich habe nicht darauf geachtet, wie das Publikum im Hintergrund war. Die "üblichen Verdächtigen" sind nicht erschienen, aber ich hatte dennoch den Eindruck, dass Johannes G. bei den anderen auch angekommen ist. Die Atmosphäre im Café Amadeus fand ich für dieses Konzert stimmig. Neben den neuen Liedern wurde auf Chuck Prophet ("Mach ma an Bledsinn") und auf ältere Werke (Wenn "Mit nasse Fetzn" ein älteres Werk gemeint ist.) nicht vergessen. Aber, Johannes, eh schon wissen... meine Favoriten "Nur die Sunn" und "Samstag, Nachmittag (Geschlossen)" - auch wenn Du letztere mit einem "Des a no." kommentiert hast.

Mal schauen, wie weit ich dann mit meiner "Standortbestimmung" gekommen bin, wenn wir uns am 26. Mai im Schikaneder sehen. (Mir wurscht, wenn die halbe Welt nun weißt, wo die Sori sich an diesem Abend aufhalten wird. Auf Gesichtsbuch muss ich zum Glück meine Teilnahme nicht zusagen.)

Oiso, bis dann!

Montag, 5. Mai 2014

01.05.2014 - Marcus Wiebusch in München

Es hat alles mit Gutscheinen begonnen. Ich erhielt zum Jahreswechsel einen 10-EUR-Gutschein von eventim.de und diverse Gutscheine von der ÖBB. Da ich für das heurige Jahr eigentlich ganz andere Pläne habe – wenn überhaupt, weil Leben ist nicht planbar – verwarf ich sehr bald den Gedanken einer Konzertreise nach Deutschland. Doch ich entdeckte dann die Ankündigung auf marcuswiebusch.de, dass nun seine Solo-Platte fertig sei und die Lieder ans Licht kommen müssen. Kein Termin in Österreich, aber München am 1. Mai 2014 las sich gut an. Obwohl, ich war nicht unbedingt scharf darauf, nach knapp einem Jahr wieder nach München zu fahren. Aber dennoch: Wenn ich nicht die Gutscheine bekommen hätte, dann fände ich es schade, erst recht nicht zu Marcus Wiebusch nach München zu fahren.

Marcus Wiebusch hat mich schon als „Kopf“ von kettcar überzeugt, letztes Jahr bekam ich die ersten drei Solo-Nummern „Nur einmal rächen“, „Das Böse besiegen“ und „Schwarzes Konfetti“ zu hören. Ich bin mit diesen Liedern nicht richtig warm geworden, aber dennoch hatte ich so viel Vertrauen in sein zukünftiges Solo-Album und dass das Konzert gut sein würde. Also, noch im Jänner die Karte gekauft, Hotel gebucht und nun musste ich auf „Konfetti“ warten. Wenige Tage vor dem Veröffentlichungsdatum konnte ich mich in „Der Tag wird kommen“ und „Was wir tun werden“ via YouTube hineinhorchen. Spätestens bei „Der Tag wird kommen“ glaubte ich unerschütterlich an ein gutes Werk und kaufte mir die CD während meines Heimaturlaubs in Erfurt.

Mit „Off“ als Eröffnungslied zog mich das Album sogleich in seinen Bann und nach mehrmaligem Hineinhorchen gefallen mir auch sogar die neu abgemischten „Das Böse besiegen“ und „Nur einmal rächen“ mittlerweile sehr gut, nur mit „Schwarzes Konfetti“ und „Haters Gonna Hate“ hatte ich meine Schwierigkeiten und „Der Fernsehturm liebt den Mond“… naja. Das alles konnte dennoch die Vorfreude auf das Konzert nicht trüben und nun hieß es tatsächlich: „Der Tag wird kommen“.

Mit der „Ampere“ im Muffatwerk habe ich eine weitere „Location“ in München kennengelernt und die gemütliche Halle dürfte nun zu der schönsten, die ich nach Olympiahalle, Lustspielhaus, Olympiastadion und Tonhalle besucht habe, gehören. Heimelige Atmosphäre, niedrige Bühne, klasse Bier (HB) und ich entschied mich, hinauf zum Balkon zu gehen und das Geschehen von oben zu verfolgen. Nach etwas zu langer Wartezeit auf die Vorgruppe (Ein-Mann-Band namens "And The Golden Choir"), ging der Umbau rasch vonstatten und die siebenköpfige Band betrat mit Marcus Wiebusch die Bühne. Schon allein zu beobachten, wie Marcus W. wie ein verlegener Lausbub ins Licht trat, machte ihn noch sympathischer.



Das Konzert wurde mit „Das Böse besiegen“ eröffnet. Das Publikum in der ausverkauften Ampere ging von Anfang an mit. Wenn ich mehr Zeit gehabt hätte, mir die CD anzuhorchen und die Texte zu lesen, hätte ich gern Wort für Wort mitgesungen. Aber so blieb mir großteils nur das Mitwippen, Kopf hin- und herschwingen, ein wenig Mitsingen und ein paar Fotos zu machen. MW und die Band spielten alle Lieder aus dem Album „Konfetti“. Spaßig war, dass MW bei „Jede Zeit hat ihre Pest“ und „Haters Gonna Hate“ sich ohne Gitarre, aber dafür sehr rhythmisch mit Händen und Füßen tat. Live kamen alle Lieder aus „Konfetti“ sehr gut rüber, sogar auch die, die mir auf der CD weniger gefallen haben. Sollte ich einen Favoriten haben, dann kann ich mich schwer für einen entscheiden: „Das Böse besiegen“, „Off“, „Nur einmal rächen“, „Wir waren eine Gang“, „Der Tag wird kommen“. Als Zugaben wurden kettcar-Nummern gespielt: „Schrilles buntes Hamburg“, „Balkon gegenüber“ und „48 Stunden“. Und zum Schluss wurde nach dem Motto „Wünsch Dir was“ noch einmal „Was wir tun werden“ gespielt, obwohl ich eher mit dem Begehren des Gitarristen (Das liegt an der Herkunft! Erfurt grüßt Weimar!) konform gehe: Er hat sich „Off“ gewünscht. Leider war das Konzert dann aus, dennoch war ich sehr beseelt von diesem Abend. Lobenswertes Publikum, die Band hinter MW machte musikalisch einen sehr vordergründigen Eindruck, die Musiker waren allesamt klasse und dass viele Blasinstrumente (Tuba, Posaune, Trompete, Saxophon) zum Einsatz kamen, rundete den musikalischen Rahmen so richtig ab. Und Marcus Wiebusch selbst: Eine äußerlich schlichte Erscheinung im schwarzen T-Shirt, Jeans und Converse – mehr brauchen wir auch gar nicht. Er besitzt eine gewisse Ausstrahlung und seine Lyrik ist so kraftvoll.
"Haters Gonna Hate"



Nachdem ich Autogramme von Marcus holen konnte und meine dritte Flasche HB ausgetrunken habe, erlebte ich beim Verlassen der Ampere beinahe ein Déjà vu! Es regnete in Strömen… genauso wie am 26. Mai 2013 … mit einem Unterschied: Am Abend des ersten Mai Zweitausendundvierzehn war es wärmer! Glücklich und zufrieden kam ich dann sehr bald im Hotel an und ließ noch das Konzert nachklingen. 

Die Befürchtung steht im Raum, dass kettcar das gleiche Schicksal wie Tomte erleiden würden. Gerade bei kettcar fände ich es schade, weil ich die Band einmal live gesehen und ich mich auch mit ihrem Gesamtwerk beschäftigt habe (sprich, ich habe alle Studio-Veröffentlichungen und eine Live-CD). Bei Tomte lernte ich zuerst den Solokünstler Thees Uhlmann kennen und dann die Band.
Aber dennoch… „Konfetti“ hat es verdient, ans Licht zu kommen. Das Album und Konzert gehören zu den Höhepunkten des zweiten Quartals im Musikjahr 2014!