Samstag, 26. September 2015

Zeilen des Tages

Auf das Datum genau startete ich vor fünf Jahren meinen ersten Blog-Eintrag.
Es ist nun an der Zeit, etwas Neues auszuprobieren und ich werde mich den Tücken von wordpress.com stellen.
Diese Seite bleibt weiterhin erhalten und kann als Archiv für mich und für meine Leser zur Verfügung gestellt werden.
Eine Rückkehr ist auch nicht ausgeschlossen, aber wir werden sehen.

Die nächsten Ergüsse werden auf http://sori1982.wordpress.com präsentiert.

Hier an der Stelle ein großes DANKESCHÖN an meine treuen Leser, für die Rückmeldungen und für das Teilen meiner Beiträge.

Sonntag, 20. September 2015

Bruce Springsteen "Nebraska"

Nun ist es bald 33 Jahre her, als "Nebraska" veröffentlicht wurde,
Bruce Springsteen war damals 33 Jahre alt,
ich bin nun 33 geworden. 
Zählt man nun mein Alter und das Alter von „Nebraska“ zusammen, ergibt 66. Und das wird Herr Springsteen in den nächsten Tagen.

Schon das Cover-Foto von David Kennedy allein zeigt, welcher Weg uns „Nebraska“ möglicherweise weisen wird. Das Album wird mit dem Titellied eröffnet. Basierend auf die wahre Geschichte von Charles Starkweather & Caril Fugate und bezugnehmend auf „Badlands“ (Steht noch auf meiner To-Do-Liste: Den Film von Terrence Malick ansehen.) versucht Springsteen, die Situation aus Starkweathers Sicht zu beschreiben. Der Hörer bzw. Leser wird dazu angeregt, nachvollziehen zu können, was den kaltblütigen Mörder dazu bewogen hat, Leute „on his path“ zu töten. Mit fast gleichgültiger Stimme erzählt er die Geschichte, „[…] and ten innocent people died.“ Sie hatten sogar Spaß daran. Um Vergebung wird hier nicht gebeten. Es wird ihm sogar erklärt, dass er nicht für das Leben weiterhin geeignet sei und zum Schluss wird die Frage, warum und was er alles getan hat, mit „[…] well Sir I guess there’s just a meanness in this world.“ beantwortet. 
Das eröffnende Titellied lässt uns die textliche und musikalische Struktur für das restliche Album erahnen. 
Dass eine Gitarre, eine Mundharmonika und eine Stimme kraftvoll sein können wie ein ganzes Orchester, hört man sehr deutlich in „Atlantic City“. Dort werden die letzten Lichter in der einst pulsierenden Stadt abgedreht: „[…] Everything dies baby that’s a fact.“ 
Die Mundharmonika öffnet das Tor zum „Mansion On The Hill“. Idyllisch, malerisch beschreibt Springsteen das Haus auf dem Hügel. Spielende Kinder, eiserne Tore, weite Kornfelder, ein scheinender Mond auf das Haus. (Nebenbei: Mir gefällt die etwas verfremdete, aber überaus gelungene Version auf der „Live In New York City“.) Die bilderreiche Idylle hält aber nicht ewig, etwas bleibt zurück. Da ist irgendetwas. Oder irgendjemand. So einer wie „Johnny 99“.
Keine so unbekannte Geschichte. Die heulende Mundharmonika und die greinende Stimme von Springsteen erzählt, dass eine Autoproduktion geschlossen wird. Der Protagonist Ralph bemüht sich vergeblich um einen neuen Job, in seiner Wut oder auch Verzweiflung trinkt er, kommt zu einer Waffe und tötet einen Nachtportier. Er wird gefasst, dem Richter vorgeführt und zu einer Haftstrafe von 99 Jahren verurteilt. Es kommt zu einer Handgemenge, die Freundin muss weggeführt werden, die Mutter schreit und die letzten zwei Verse ergeben das Schlussplädoyer von Johnny 99. Dem ist nichts hinzufügen. 
Dass die Lieder in „Nebraska“ sehr filmisch sind, hat sich Sean Penn an „Highway Patrolman“ gewagt. Herausgekommen ist einer meiner Lieblingsfilme – „Indian Runner“. Die Geschichte über die ungleichen Brüder und dass Blut dicker als Wasser ist, wird in diesem Lied sehr geschichten-erzählend und bilderreich dargestellt. Auch wenn der Bruder der Familie den Rücken zugewandt hat, er nicht mehr gut ist, ist doch eindeutig, dass die brüderliche Verbindung nie abreißen kann: „[…] nothin‘ feels better than blood on blood“. 
„State Trooper“ ist eine für das Album recht flotte Nummer. Der Erzähler stellt sich vor, bloß nicht von einem „State Trooper“ angehalten zu werden, da er gerade zu schnell fährt. Er beschreibt eine „clear conscience ‘bout the things that I done“ und lässt zum Schluss ein „Hi ho silver-o deliver me from nowhere.“ heraus. Sehr viel Interpretationsspielraum. 
„Used Cars“ hat sehr starke autobiographische Züge. Douglas Springsteen, der Vater von Bruce Springsteen, hatte wechselnde Jobs gehabt und gehörte auch  nicht zu den reichen, begüterten Leuten und sich ein nigelnagelneues Auto zu leisten, war für die Familie undenkbar. Springsteen erzählt hier von der Scham, wieder in einem neuen, gebrauchten Auto zu sitzen. In diesem Lied beschreibt er seine Schwester und seine Eltern sehr plastisch. Schwester auf dem Vordersitz mit einem schmelzenden Eis, Mutter ganz allein auf dem Rücksitz, während Vater das neue „used car“ aus der Lücke steuert, wie die Mutter mit dem Hochzeitsring spielt und den Verkäufer ansieht, der wiederum auf die Hände des Vaters starrt und wie dann der Erzähler schwört, dass er eines Tages, wenn er im Lotto gewinnen sollte, er sicher nie wieder in einem gebrauchten Wagen fahren werde. Dazu beschreibt er auch die Szene, mit dem neuen „used car“ in die Straße zu kommen, wo sie wohnen und wie das Objekt von den Nachbarn begutachtet wird und der Text erreicht seinen Höhepunkt mit „I wish he’d just hit the gas and let out a cry and tell ‘em all they can kiss our asses goodbye.“ 
„Open All Night“ ist ähnlich „State Trooper“ eine temporeiche Nummer mit textlichen Wortspielereien, immer ganz schnell Luft holen und die letzte Zeile klingt auch ähnlich wie die letzte Zeile in „State Trooper“: „Hey ho rock’n’roll, deliver me from nowhere.“ 
Es hat lange gedauert, aber mittlerweile kann ich schreiben, dass „My Father‘s House“ meine liebste Nummer auf „Nebraska“ ist. Im November vergangenen Jahres hatte ich wieder Gelegenheit, das Album durchzuhören und großteils mitzulesen. Während ich mich mit diesem Lied beschäftigte, fiel mir nach Jahren ein Traum ein, den ich im Alter von drei oder vier Jahren geträumt hatte. Er hat hauptsächlich mit „Vater“ zu tun und ich wurde von meinen Emotionen überwältigt. „Last night I dreamed that I was a child“ – ich versuche, Parallelen zu ziehen. „[…] ghostly voices rose from the fields/ I ran with my heart pounding down that broken path/ With the devil snappin‘ at my heels“. Heute betrachte ich meinen Traum wieder nüchterner, ich habe dieses vordergründige Wissen und es „unter Kontrolle“, da diese Erinnerung mich nicht hinterrücks überfällt. Die Stimme wirkt wie ein Echo aus der Ferne, „[…] where our sins lie unatoned.“, die Mundharmonika dagegen scheint ganz nah zu sein. 
„Reason To Believe“ ist das Lied mit den meisten biblischen Bezügen. Das abschließende „Still at the end  of every hard-earned day people find some reason to believe.“ gehört zur Sammlung der wichtigsten Springsteen-Zitate und vermittelt auch eine Lebenseinstellung, wenn auch etwas leicht ironisiert und sogar etwas zynisch betrachtet. Noch Fragen?

„Nebraska“ in der ganzen Form hörte ich zum ersten Mal in 1997. Ich borgte mir damals die Musikkassette aus der Musikbibliothek in Gotha aus. Die CD kaufte ich mir erst im Jänner 2002, um meine restlichen DM-Banknoten und Münzen loszuwerden. Im Nachhinein betrachtet eigentlich blasphemisch, dass ich bis dahin von der überspielten MC „gelebt“ habe. Aber die MC läuft und läuft und läuft – und ich habe sie immer noch. (Trotz dreier verschiedener CD-Ausgaben.)

Am besten hört man das Album zur Herbstzeit, die besten technischen Hörmöglichkeiten und eine ansonsten ruhige Umgebung sollen genutzt werden. Ein, zwei gekühlte Flaschen „Stiegl Paracelsus Zwickl“ bereitstellen, das Buch „Songs“ heranziehen und das entsprechende Kapitel aufschlagen. Die Einleitung lesen und dann nach „Nebraska“ reisen.

Weiterer Anspieltipp: „Badlands – A Tribute to Bruce Springsteen’s Nebraska“, wobei Bonustrack „Downbound Train“ von Raul Malo of the Mavericks die beste Nummer ist. Aber dass dieses Lied den Weg zum Tribute-Album gefunden hat, hat schon seine Berechtigung. „Downbound Train“ ist im Zuge der „Nebraska“-Sessions entstanden, war aber laut Springsteens Notizen „uptempo rocker for full effect / needs band“ nicht geeignet für das Album und es landete mit dem künftigen Titellied auf „Born In The U.S.A.“ – aber das ist eine andere Geschichte.

Interessante Links zum Nachlesen:

Angefangen am 29. September 2010 in Wien, 
finalisiert am 18. September 2015 in Erfurt.

Sori,
"Nebraska"-Jahrgang

Freitag, 4. September 2015

03.09.2015 - Ernst Molden & Walther Soyka im Theater am Spittelberg

Vor knapp fünf Jahren startete ich meinen ersten Blog-Eintrag mit einem Konzert von Ernst Molden & Band im Rabenhof-Theater. Seitdem ist sehr viel Wasser die Donau hinabgeflossen und vom gestrigen Konzert konnte ich viele neue Eindrücke einfangen.

Walther Soyka und Ernst Molden
Das vertraute Brummen der Knöpferlharmonika eröffnete das Konzert mit "Schbed en Summa", das Garagentor quietscht nach wie vor wie a oarme Söö und die nächste Nummer war ein Loblied auf den Bärlauch, wobei Ernst Molden in der Einleitung anmerkte, dass es genauso viele Bärlauch-Hasser wie Liebhaber gibt. Dennoch geht "Dei Keawal" auch als Liebeslied durch.
Mein weiteres Lieblingslied aus "ohne di", "Woed aus Rauchfeng", machte wieder deutlich, dass es eigentlich schod wäre, sich aufzuhängen und dass es viel schöner ist, sich in ein Weingarten zu legen und sich dem Leben davonzuträumen.
Selbst eine instrumentalisch sparsame Besetzung - nur Molden mit Gitarre und Soyka mit Knöpferlharmonika - brachte so viel Kraft und Schwung in den Liedern, die sie gespielt haben - vor allem in "Grizznduaf Zwaadosndzwaa". Nach "Katarina" schlossen sie den ersten Teil des Konzerts mit DER "carpe diem"-Hymne auf Erdbergerisch. Vom ersten bis zum letzten Takt, vom ersten bis zum letzten gesungenen Wort berührt und gestreichelt, ging es mit "es lem" in die Pause.

Schon vor der Pause reifte in mir die Idee, mir den "Kätscha" zu wünschen. So wie es sich für eine leidenschaftliche Schreiberin gehört, habe ich immer einen Kugelschreiber und einen kleinen Schreibblock bei mir dabei. So notierte ich mir in der Pause meinen Wunsch und legte den Zettel gut sichtbar auf die Bühne hin. (War das unverschämt? Zu viel verlangt? Nachdem ich mich seit Monaten nicht mehr bei Ernst live blicken ließ?)
Der zweite Teil wurde mit "Ho Rugg" eröffnet, es wurden noch weitere Nummern aus diesem gleichnamigen Album gespielt: "Rudschduam" und "Da Neisiedla See". Dennoch wurden auf "Ohne Di" und "De Blia" nicht vergessen. Die beliebte "Rudolfstiftung" wurde nicht ausgelassen und ein relativ neues Lied über eine Wahrsagerin, die "Schwarzmarie", wurde vom Publikum sehr gut aufgenommen. Mit dem "Liad iabas Losziagn" verabschiedeten sich Ernst und Walther vom sehr aufmerksamen und anerkennenswerten Publikum. Nach lauten "Zugabe"-Rufen kehrten die Musikanten auf ihren Plätzen zurück und Ernst kündigte an, dass er einen Publikumswunsch erfüllen würde. Was habe ich mich gefreut! (Das habe ich auch sehr lautstark zum Ausdruck gebracht.) Und aus der Reaktion der Zuhörer zu entnehmen, hat es dem Großteil auch sehr getaugt, den "Kätscha" zu hören.
Mit der "Hammerschmiedgossn" verabschiedeten sich Ernst und Walther wieder, um ein weiteres Mal auf die Bühne zu kommen und ein wunderbares "Vü föd ned" zu spielen.
Ich hätte nach mehr Worten für das wunderbare Konzert suchen sollen, aber das große, streichelnde Gefühl von diesem Erlebten bebt in mir. Lässt mir ein Lächeln im Gesicht zaubern. Vermag es, direkt auf der blogspot-Seite die mir scheinbar passenden Worte eintippen zu lassen.

Es fehlt mir, dass ich im KURIERfreizeit nicht mehr die letzte Seite aufschlage und einen neuen Eintrag von Ernst lese. Andererseits, man soll aufhören, wenn's am schönsten ist. Und wenn es Beitrag Dreihundertdreiunddreißig ist.

"... ollas kennd es ledsde moe sei, 
drum soed ma se s uandlech gem, 
wos d heid no ned glaum kaunsd, 
wiad muang scho da foe sei, 
drum nimm da s, 
do liegds dei lem." (Ernst Molden, "es lem", 2011)

Möge der Altweibersommer sich noch von ihren sonnigen Seiten zeigen, bevor wir in der (für mich) interessantesten Jahreszeit starten.

Sonntag, 30. August 2015

21. und 29. August 2015 - DENK im Doppelpack

Ich sitze in meiner schattigen Küche und fühle mich leer und ausgelaugt. Zwischen den beiden DENK-Konzerten hatte ich ein dichtes Programm aus Lernen, Arbeiten und ein paar Tage Berlin zu absolvieren. Berlin war dieses Mal kein reines Vergnügen. Umso mehr freute ich mich auf das Konzert am 29. August in Wulkaprodersdorf. Doch der Reihe nach:

21.08.2015 - Theater am Spittelberg
Vom „Ausg’steckt“ sein zum „hoit’s eich au“ wurde es dann „LAUT“ und in Rappoltenkirchen steckte man wieder aus. Nach dem Motto „Tua weida“ marschierten wir „Durch die Wüste“ und gelangten zu einigen „Schmankerln“. Als Vorspeise erlebte ich das Konzert am 11. Juni 2015 in der SimmCity und freute mich auf das erste „richtige“ Konzert von DENK im Jahre Zweitausendundfünfzehn am 21. August im Theater am Spittelberg. Leider konnte ich aus privaten Gründen das zweite Konzert am 22. August nicht besuchen – dabei habe ich seit 2008 kein DENK-Konzert im Theater am Spittelberg ausgelassen.

„Und i bin net allan, goa net so allan
Allan wia a Moment, der den Nächsten scho verdrängt…“ 
(aus „Durch die Wüste“, M&T: Denk/Tinhof)
Der Refrain geht mir gar nicht aus den Kopf. 
Birgit waß, was guad is, guad fia sie, sie hod ihr'n Rhythmus, ihre Partie, ihre Koatn san ned meine, sie spüt dann aus, waun se wü. „Liag mi au“ im neuen Klanggewand fuhr so sehr in das Konzert hinein, dennoch wurde mir wieder bewusst, dass die Lautstärke im Theater am Spittelberg eine Spur zu leise war. (Das Gleiche erlebte ich auch bei Meena Cryle am 4. August  am selben Ort.) „Na, des los ned aus“ scheint fast unvermeidlich, das wichtigste Zutat für ein Schmankerl ist nach wie vor das Gitarrensolo von Ludwig Ebner. „Schlof an Tram“ hörte ich zum ersten Mal live, nachdem „Durch die Wüste“ schon mehr als einem Jahr draußen ist und ich in diesem Zeitraum nur spärlich Konzerte von DENK besuchte. DIE Katastralgemeinde, wo Mannswörth, Schwechat und Co. eingemeindet worden sind, wurde in einem neuen Kataster, äh, Klang präsentiert. Der Übergang in der Full-Band-Version ist einfach unbeschreiblich und ich erlebte den ersten liedtechnischen Höhepunkt an diesem Abend: „RANNERSDORF“.
(Ach, können wieder Leiberl mit dem Ortseingangsschild bedruckt und verkauft werden? Ich tue mich nämlich seit wenigen Jahren schwer, neue DENK-Leiberl zu kaufen…) Aus der Wüste erschienen die Fata Morganas, nein, andere mögen es Oasen nennen: „Pensionsanlagekonto“ und „Severin“. Mit dem piefkinesisch anmutenden Lied werde ich einfach nicht warm und es ging erst einmal in die Pause.
„Was i eh“ als Eröffnungslied in der zweiten Hälfte passt wirklich gut in die Setliste und für ein ausgestecktes Konzert ist „Graue Mäus“ mit dem langen Instrumental ein bereichernder Teil. (Hat mich sogar am letzten Wochenende dazu veranlasst, nach langer Zeit die „Ausgsteckt“ wieder zu hören.) „Komplett out“ verschwand aus dem Zugabenblock, aber noch nicht aus der Setliste und nach einem sehr gesangsfreudigen Outro erhielten wir das „Blattl Papier“. Der zweite liedtechnische Höhepunkt folgte im Anschluss: „Brada Weg“.
„An Augenblick/Un Attimo“ gab mir den Schwung zurück, nachdem „Brada Weg“ mich in tiefe Gedankenwelten gestürzt hat. Mit „Ned allan“ gingen wir zur Bandvorstellung „durch die Wüste“ und das Konzert endete mit „Wieda zwieda“.
Nach dem Konzert dachte ich nicht daran, darüber zu schreiben. Eigentlich habe ich bis heute Morgen nicht daran gedacht, über die Konzerte zu schreiben, aber ich muss es einfach tun. 

„Und i bin net allan, goa net so allan
Allan wia a Moment, der den Nächsten scho verdrängt…“ 

Aus Berlin zurückgekehrt, freute ich mich so richtig auf den Ausflug in das burgenländische Wulkaprodersdorf. Bei Wein (Jeweils ein Achterl vom Chardonnay 2012, Chardonnay Spätlese 2007, Welschriesling, Blaufränkisch und Blaufränkisch Reserve genossen.), Weib (Frau Birgit Denk) und Gesang (Birgit & Buben) kehrten wir nach zwei Jahren wieder beim Wohlrab ein und stellten fest, dass trotz schriftlicher Reservierungsbestätigung mein Name für zwei Personen nicht auf der Liste stand. Dennoch wurde uns ein halbwegs guter Tisch zugeteilt und als Entschuldigung erhielten M. und ich jeweils ein Glas vom spritzigen Prosecco. Nochmals Dankeschön für die Aufmerksamkeit! Nach einem recht lauten Soundcheck, gutem Essen und ersten Achterln konnte nun das Konzert beginnen.



Soundcheck
Akustik von Anfang bis Ende: 1A! 1A! 1A! Ich zähle gar nicht mehr, wie oft ich DENK live erlebt habe, aber ich kann mich an kein Konzert erinnern, wo die Musik so fein und Birgits Geschichtl’n so verständlich herüberkamen.
Die Setliste fast 1:1 wie im Theater am Spittelberg, „Graue Mäus“ wurde in der ersten Hälfte vorgezogen, „Schlof an Tram“ wurde nicht gespielt, aber dafür wurden wir mit „Kumm ned her“ und zum Schluss mit einem weiteren Lied belohnt.
Birgits Einleitung zu „Graue Mäus“ war vergnüglich. Sie klärte den unwissenden Teil des Publikums auf, dass der selige Günter Brödl der eigentliche Ostbahn war und die meisten Texte schrieb und DENK auch ein paar seiner schriftlichen Werke überlassen hat, welches Birgit mit einem freudigen „Heheh“ abschloss. Die Einführung zu „Rannersdorf“ verlief ähnlich wie im Theater am Spittelberg und das Lied selbst war wieder ein Hörgenuss vom Feinsten.
Im Publikum waren auch recht viele junge Mädels im Vorschulalter. Es war spaßig mit anzusehen, wie fünf von denen auf dem Rücken ausgestreckt vor der Bühne lagen und mit einer Ehrfurcht „Pensionsanlagekonto“ zuhorchten. Jaja, das Brieferl habe ich auch erhalten…
Ein Schmankerl des Abends war Alexander Horstmanns Gesangseinlage zu „Komplett out“, seine sonore Stimme hat den Publikumsgesang bei Weitem übertroffen. (Nun, es war auch ein Mikrofon dabei.) „Brada Weg“ konnte mich wieder aufs Neue berühren und bevor „Durch die Wüste“ gespielt wurde, erzählte Birgit mit Stolz, dass sie nach einer langen Odyssee mit Abstechern an einzelnen Flecken in Niederösterreich nun im burgenländischen Neusiedl wohne. Sie verriet uns, dass sie ihren Kollegen Thomas Stipsits auch erzählte, dass es sie in sein Heimatbundesland verschlagen hat. Und der Stinatzer fragte tatsächlich, wo denn Neusiedl liege? (Musikgeschichtlicher Abriss: Es ist auf das Datum genau sieben Jahre her, als ich mit ein paar lieben Leuten beim „Baut’s a Freibad in Stinatz“ dabei sein durfte. Der Abend bleibt unvergesslich.)
Nach „Wieda zwieda“ kam das Schlusslied, worauf wir schon sehnsüchtigst gewartet haben: „FIA DI“.
Es berührt! Immer noch! DANKE! 
Aufgrund des ungünstigen Sitzplatzes sah ich nur die Hälfte der Musikanten in Aktion – aber der unglaublich gute Sound und die wieder ordentliche Beleuchtung (Sie war im Theater am Spittelberg auch sehr zufriedenstellend.) haben mich für vieles entschädigt.

Samstag, 29. August 2015

Berlin

Aus weniger erfreulichen Gründen war ich für ein paar Tage in Berlin. Ich nahm dennoch ein paar positive Eindrücke mit - vor allem die Fliegerei es mir angetan.
In diesem Jahrtausend bin ich schon ein paar Mal geflogen und aus der sich einbildend ängstlichen Sori wird eine, die sich sogar Fensterplätze aussucht und es einfach genießt, die Städte und Umgebung von oben anzusehen.


Mödling von oben: Gut erkennbar sind die Kirche und das Aquädukt.

Dinner in the Sky

"Über den Wolken muss die Freiheit grenzenlos sein..." (R. Mey, "Über den Wolken")

Berlin als Lego-Bausatz


In den wenigen Tagen blieb uns auch ein paar Stunden Freizeit vergönnt und ich entdeckte in einem Musikladen in der Schönhauser Allee ein paar Schätze für meine Musiksammlung. Die "High Hopes - Ultra Rare Tracks Vol. 1" ist mein Favorit.

Freitag, 28. August 2015 - Alexanderplatz, hinter mir das Rote Rathaus.

Sieht auch wer von Euch das Olympiastadion?

"Ich bin wieder in Wien..." (G. Danzer, "Wieder in Wien")
Berlin, wir sehen uns bald wieder!

Freitag, 14. August 2015

Zeilen des Tages

Ich habe mir heute einen Urlaubstag genommen und aufgrund des morgigen Feiertages in Österreich durfte ich schon heute gegen 7 Uhr die letzte Seite des KURIERfreizeit aufschlagen.
Kolumne Nr. 333 von Ernst Molden im KURIERfreizeit

Nach "Das ist mein letzter Text." vergoss ich viele Tränen.
Was erwartet mich nächstes Wochenende?
Nun dürfte das Einscannen der Kolumnen (was ich bisher immer noch getan habe) bald ein Ende haben und ich kann die nächsten KURIERfreizeit-Ausgaben meinen Eltern zum Lesen weiterleiten, ohne dass ich an meiner Pinwand die Notiz hinterlegen muss: "Molden-Kolumnen einscannen".

Schön waren die Buchpräsentationen von "Wien Mitte" im vergangenen Jahr - an den 25. März 2014 erinnere ich mich sehr gern.

Danke Ernst Molden für die Worte, die manche meiner Samstage richtig beeinflusst haben.

Und ich freue mich auf das Konzert am 3. September 2015 im Theater am Spittelberg.

"... ollas kennd es ledsde moe sei, 
drum soed ma se s uandlech gem, 
wos d heid no ned glaum kaunsd, 
wiad muang scho da foe sei, 
drum nimm da s, 
do liegds dei lem." (Ernst Molden, "es lem", 2011)

Mittwoch, 12. August 2015

Hörgeräte-Tagebuch # 9

Die Fortsetzung von Hörgeräte-Tagebuch # 8:
Nun sind wir beim 8. Mai 2015 angelangt, ich hatte auf Arbeit wieder ein solches „Schlüsselerlebnis“. Ich nahm mir nun vor, bei der bevorstehenden Sitzung dem Hörgeräteakustiker mein Anliegen mitzuteilen. Stellte er tatsächlich fest, dass der Schlauch von meinem linken Ohrpassstück gerissen ist, was das häufig auftretende Pfeifen meines linken Hörgerätes erklärt. Ich erinnerte mich an die Rückmeldung wegen dem unangenehmen Rauschen, welches von meinem linken Hörgerät ausging und ich beschrieb ihm auch die Eindrücke. Der Akustiker selbst nahm auch ein unangenehmes Rauschen in der Nähe meines mit dem Hörsystem besetztes linkes Ohr wahr und veränderte nun im Studio die Einstellung an meinem linken Hörsystem. Das sollte nun behoben sein!
Zum Hörtraining: Zuerst starteten wir mit – Überraschung! – dem Richtungshören. Auf die wollte ich keinen Pfifferling geben, weil das unschöne Hörerlebnis auf Arbeit noch an mir nagte. Dann wurde – ohne die Silben zu trainieren – gleich mit den „S“-, „CH“- und „SCH“-Wörtern geübt. Es war wieder eine Herausforderung, auch weil ich sehr oft in meinem inneren Wortschatzlexikon durchwühlen und nach einem möglichst passenden Wort suchen musste. Diese Wörter erhielten eine höhere Wertung, als dazu der Störlärm eingeschaltet wurde.

Im Nachhinein war es doch eine gute, befriedigende Sitzung. Es stehen mir noch die letzten zwei von zehn bevor, ich denke über eine Fortsetzung im Herbst nach.

Die neunte Sitzung am 13. Mai 2015 war extremst befriedigend. Ich sollte öfters an „ruhigeren“ Arbeitstagen in der Mittagspause vom Büro weghüpfen und eine solche Sitzung absolvieren. Das Richtungshören hat sehr gut funktioniert, ich war entspannt – auch wenn mir bewusst war, dass mir für den Rest des Tages und auch für die nächsten Tage volles Programm bevorstand. Dann wurden die Wörter mit den Zischlauten wiederholt, ging sehr gut – auch mit Einsatz von Störlärm. (Der Störlärm gab die Geräuschkulisse in einem gut besuchten Restaurant wieder.) Erforderte zwar hohe Konzentration, holte viel aus mir heraus. Aber gut. Kurze Pause. Nun die Wörter mit den „W“- und „F“-Silben, verlief auch mit Störlärm ganz gut. Da uns noch fünf Minuten überblieben, schlug ich vor, wieder die Silbenübungen zur „Auflockerung“ durchzuziehen. 

„Edu, adu, es, uso, es, ige, ela…“ – es ist nicht ganz ohne, diese scheinbar sinnlosen Silben richtig hören und wiederholen zu können. Aber es hat gefruchtet.

Ich teilte SW mit, dass die letzten Sitzungen in meinen Augen erfolgreich waren und fragte, woran es liegen möge. 
An meinem innerlich psychischen – trotz allem – ausgeruhten Zustand? Lernfortschritte? Eingewöhnung? Bewusstsein?

Am Mittwoch, 3. Juni 2015 wird die letzte Sitzung stattfinden. Schauen wir dann, wie es weitergeht. Auf jeden Fall hat sich das Ganze gelohnt, das kann ich seit der siebenten Sitzung sagen.

Zur zehnten und letzten Sitzung am 03.06.2015 schrieb ich folgendes: Aufgrund der Feiertage lag der zeitliche Abstand zwischen den letzten beiden Sitzungen etwas weit auseinander. Was aber im Hinblick auf die kommende letzte Sitzung überhaupt nicht schadete. Am Vormittag des 3. Juni 2015 erinnerte ich mich an meine persönlichen Ereignisse des 3. Juni vergangener Jahre. Mir fiel nur ein, dass ich am 3. Juni 2004 bei Phil Collins in der Stadthalle war und ein schönes Konzert bekam. (Auch heute werde ich immer wieder berührt, wenn ich an „A Groovy Kind Of Love“ denke oder ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie ich ausgelassen zu „Dance Into The Light“ tanzte und mitsang. „Because the train is coming to carry you home/Come dance with me…“) Beschämenderweise fiel mir viel viel später ein, dass der 3. Juni 2013 noch beeindruckender war: SAN SIRO. Dabei habe ich auf Arbeit ein Foto von der „OUR LOVE IS REAL“-Choreographie als einer der stündlich wechselnden Hintergrundbilder auf meinem Bildschirm. 

Naja, abgesehen davon hatte ich auf Arbeit auch einen anspruchsvollen Tag gehabt und ich fragte mich, wie sich die Arbeit auf die Sitzung auswirken würde. In den letzten fünfzehn Minuten im Büro gelangen mir perfekte Korrekturbuchungen und beschwingt von dem, marschierte ich nun ins Hörstudio. Richtungshören mit einer Trefferquote von geschätzten 98,5 % - wow, kann’s noch besser werden? Das Abhören und Wiederholen von zusammenhanglosen Wörtern mit/ohne Störlärm verlief so gut wie einwandfrei. An einen erheiternden Moment erinnere ich mich, als SW mir das Wort „Bild“ vorlas und ich „Pils“ wiedergab. Sie: „Nein, B-I-L-D.“, wobei ich sie ansah und das Ganze mit einem „Ich kann wohl mein Bier heute Abend kaum erwarten.“ kommentierte.

Ich schlug ihr zum Schluss, quasi zur Auflockerung, vor, die scheinbar sinnlosen Silben mit mir zu trainieren. Anscheinend hatte ich meinen perfekt-sarkastischen Tag, weil SW mich ungläubig ansah, dass ich das Abhören und Wiedergeben der Silben als „Auflockerung“ bezeichnete.

Nun kam das Unvermeidbare. Die letzte Stunde war um.
1. Was habe ich nun davon?
2. Was lerne ich daraus?
3. Was mache ich anders?

Die drei Fragen versuche ich in einem Ganzen zu beantworten: Auf jeden Fall bin ich sensibler geworden, darauf zu achten, WAS für Geräusche mir in die Ohren kommen – natürlich, mangels einer guthörenden Begleitperson ist es ein schwierig, diese richtig interpretieren zu können. Aber ich trainiere darauf und versuche zu orten, WOHER das Geräusch kommt. Alles in allem nicht einfach, weil wir in einer lärmüberfluteten Welt leben. Ich glaube, meine geneigten Leser wissen, was ich meine und ich erspare es mir, näher darauf einzugehen.

Gut taten mir das Artikulieren der scheinbar sinnlosen Silben und der Wörter mit den Zischlauten. Ich versuche mir seit Jahren bewusst zu machen, beim Sprechen auf die Zischlaute zu achten. Seit dem Hörtraining mache ich dies bewusster und ich beobachte auch meine Gesprächspartner dabei, wie sie mein Gesagtes aufnehmen. Es ist ein lebenslanges Lernen…

Ich strebe weitere logopädische Stunden mit speziellem Augenmerk auf meine neuralgischen Punkte, Zischlaute, und auch das Training der Sprachmelodie an. Aber meine Freizeit (die Zeit neben der Arbeit) ist auch sonst sehr ausgefüllt und ich glaube, dass eine Pause für wenige Monate auch nicht schadet, um weiter Resümee ziehen zu können und neue hörenswerte Erkenntnisse zu sammeln.